Heinsberg: Auf die Gräber Steine gelegt

Heinsberg : Auf die Gräber Steine gelegt

„Deine Toten werden leben”, das ist der gemeinsame Glaube von Juden und Christen und war zugleich das Thema der gemeinsamen Feier, zu der die beiden christlichen Kirchen in Heinsberg anlässlich der 70. Wiederkehr der Reichspogromnacht eingeladen hatten.

Zur Feier auf dem alten jüdischen Friedhof am Ehrenmal begrüßte Propst Günter Meis gemeinsam mit Pfarrer Sebastian Walde besonders Moshe Esser, Mitglied des Gemeinderates der jüdischen Gemeinde in Mönchengladbach, aber auch stellvertretenden Bürgermeister Walter Geiser, Stadtrechtsdirektor Hans-Walter Schönleber sowie eine stattliche Zahl von Christinnen und Christen der evangelischen und katholischen Gemeinde in Heinsberg.

Vorausgegangen waren ein Gottesdienst in der Christuskirche sowie eine Messe in der Pfarrkirche St. Gangolf. Bevor Moshe Esser in hebräischer Sprache zum Gebet anhob, gab er den Anwesenden einen kleinen Einblick in die Bedeutung einiger Rituale des jüdischen Glaubens.

Mit Textauszügen aus einem von Willi Frenken verfassten „Versuch einer Erinnerung an den Schrecken in Heinsberg” riefen Anne Trevisan und Rolf Esser den Progrom in Heinsberg im Jahr 1938 noch einmal ins Gedächtnis. Zur damaligen Zeit lebten im heutigen Stadtgebiet 105 Juden. Es waren in der Regel Kaufleute.

Zwar wurde die Heinsberger Synagoge nicht in Brand gesetzt, aber völlig zerstört. Ihr endgültiges Ende besiegelte eine englische Bombe beim Luftangriff vom 16. November 1944, bei dem auch der jüdische Friedhof zerstört wurde.

„Das Gedenken in dieser Stunde und an diesem Ort kann uns wieder zu dem führen, was in unserem Leben eigentlich wichtig ist: Friede, Versöhnungsbereitschaft, Toleranz, mehr Wissen um den anderen und besonders auch um die Religion des anderen”, so Propst Meis.

Steine auf die Gräber jüdischer Mitmenschen zu legen, ist eine alte jüdische Tradition. Dieses Brauchtum stammt wohl noch aus der Zeit, als die Juden als Nomaden durch die Wüste zogen und die Grabstellen dort mit Steinen als Schutz vor Vögeln bedeckten. In Anlehnung an diesen alten Brauch stand vor dem Gedenkstein mit dem Davidsstern ein Korb mit Steinen bereit.

Pfarrer Sebastian Walde bat die Anwesenden, daraus einen Stein der Erinnerung und des Gedenkens nehmen, um ihn anschließend auf einem der noch vorhandenen Grabsteine zulegen, während Moshe Esser ein Gebet für die Opfer des Holocausts sprach.

Mit Liedern in jüdischer und deutscher Sprache setzte Kantorin Monika Schumacher als Solistin bei der Feier weitere Akzente.