Erkelenz-Keyenberg: Auf der Suche nach einer neuen Heimat

Erkelenz-Keyenberg : Auf der Suche nach einer neuen Heimat

Fünf Ortschaften im Stadtgebiet von Erkelenz sind unmittelbar vom weiteren Braunkohletagebau Garzweiler II betroffen.

Im Rahmen der nächsten Phase des moderierten Planungsverfahrens zur Auswahl des Umsiedlungsstandortes für Keyenberg, Kuckum, Unterwestrich, Oberwestrich und Berverath, Forum 3, starteten am Samstag von der Keyenberger Grundschule aus drei Busse von RWE Power mit interessierte Umsiedler, um die beiden bei Kückhoven liegenden geplanten Umsiedlungsstandorte Süd und Nord vor Ort in Augenschein zu nehmen.

Die Anbindung an Kückhoven

Beide Varianten sehen eine Anbindung an Kückhoven vor. Rund 1130 Bürger sollen an einem noch auszuwählenden Umsiedlungsstandort eine neue Heimat finden. Das Interesse daran war bei dieser Besichtigung nicht besonders groß. Bei der anschließenden Diskussion in der Mehrzweckhalle aber um so größer.

Diesen Leitbildprozess begleiten die beiden Städteplaner Dipl.-Ing. Uli Wildschütz und Professor Rolf Westerheide von der RWTH Aachen. Bis zur endgültigen und verbindlichen Entscheidung über den zukünftigen Standort werden sieben Suchräume besucht und nach ihren standortspezifischen Vor- und Nachteilen untersucht. Auf rund 62 Hektar sollen die Umsiedler eine neue Heimat finden.

Dabei spiele bei den Andockorten die Natur, Grünbereiche und Wasser eine besondere Rolle. Zunächst stand die Variante Kückhoven-Süd, Katzemer Straße (K 33), auf der Tagesordnung, wobei das Straßenkreuz den Mittelpunkt des Umsiedlungsstandortes darstellt und die Ansiedlung in östlicher und westlicher Richtung geplant ist.

Ein großzügiger Grünbereich

Ein großzügiger Grünbereich, der sich in Richtung Wahnenbusch offen zeigt, komme den Bedürfnissen nach Grün entgegen. Jedoch die später 500 Meter entfernte Tagebaukante löste beim Gedankenaustausch über Stärke und Schwäche der Umsiedlungsorte heftige Diskussionen aus.

Warum so nahe an die Tagebaukante? Wie lang müssen die neue Standorte Lärm und Staub durch den Tagebau ertragen? Wie sieht es bei Senkungsschäden durch die laufenden Sümpfungsmaßnahmen an den Häusern aus? Hat man die Bewohner von Ortschaften schon befragt, die nicht umgesiedelt werden und doch später an der Tagebaukante leben? Zweifel wurde laut und konnte nicht sofort geklärt werden. Auch wenn die Vertreterin von der Bezirksregierung erklärte, dass eine Umweltprüfung laufe.

Auch der Lärm des Flugplatzes

Ähnlich sah es bei der Besichtigung Kückhoven-Nord aus. Dieser Standort zwischen der Landstraße 19 und der Ortschaft Wockerath mit einer Anbindung an Kückhoven entsprach allerdings in keiner Weise den Vorstellungen der Umsiedler.

Zu der späteren Tagebaukante, ebenfalls 500 Meter entfernt, komme noch der Lärm von der Autobahn A 46, der L 19 und der Flugbetrieb des nahen Flugplatzes.

Auch in den Plänen vorgeschlagene Grünflächen entsprachen nicht den Wünschen der Umsiedler. Wenn der Tagebau im Jahre 2045 geschlossen wird, soll ein See die Landschaft verändern. Damit steigt auch wieder der Grundwasserspiegel. Hier wurden aus der Diskussionsrunde Bedenken laut, die Häuser könnten dann feucht werden und an Wert verlieren.

In 100 Jahren ist der See gefüllt

Der See wird bei der geplanten Größe erst in 100 Jahren gefüllt und seine ganze Ausdehnung erreicht haben und soll als Naherholungsgebiet dienen. Bis dahin wird also noch viel Zeit vergehen.

Das Interesse der Umsiedler galt bei der Diskussion der augenblicklichen Umsiedlungsphase. Alle Kritik, Anregungen, Bedenken und Wünschen wurden notiert, um sie in den weiteren Planungen mit einzubinden.