Gangelt-Schierwaldenrath: Auch Trecker und „Käfer“ zieht es zur Selfkant-Schiene

Gangelt-Schierwaldenrath : Auch Trecker und „Käfer“ zieht es zur Selfkant-Schiene

„Mit den ersten Gästen am Pfingstsonntag kam auch gleich der Regen“, blickte Helmut Kommans kurz vor Feierabend am ersten Feiertag zurück. „Da hatten wir erst einmal Land unter“, so der Selfkantbahner.

Ob denn der Regen Schaden angerichtet hat? „Nein, nur meine Schuhe waren klitschnass“, so Kommans, der sich natürlich von einem heftigen Regenschauer nicht davon abhalten lässt, Gäste, Oldtimer und Aussteller an die richtigen Plätze zu schicken.

An jeder Ecke gab es da Besonderheiten zu bestaunen. So übergibt die Stadt Arnsberg beispielsweise ausgediente Feuerwehrfahrzeuge einem Verein rund um das örtliche Feuerwehrmuseum. Und diese Fans touren mit restaurierten Fahrzeugen dann zu Oldtimertreffen, wie es in Schierwaldenrath zu Pfingsten dazugehört.

Bei den Autos wie auch bei den Traktoren gibt es die klassischen Oldtimer — die „üblichen Verdächtigen“ halt. Der Trend geht aber immer mehr auch zu Young­timern. 15 bis 20 Jahre sollte ein Fahrzeug schon alt sein, um in diese Klasse zu gehören. Die Mercedes W-Reihe 123 und 126 war vertreten, ein Fiat Panda aus den 1980ern, oder besonders schnittig ein Ford-Capri mit 2,3-Liter-Motor.

Bei den Traktoren fiel ein MB-Trac aus den 1970er Jahren auf. „Der wird schon seit 2005 nicht mehr gebaut und war zu seiner Zeit ein echtes Glanzstück auf den Äckern“, erinnert der Besitzer. Das alles ist moderner Schnickschnack gegen einen Lanz-Bulldog. „Der läuft falsch rum“, war das ernüchternde Fazit einer Expertenrunde, die um eine Riege alter Ackerschlepper verteilt stand. Die Herren diskutierten über einen „Pendelanlasser, der zum falschen Zeitpunkt“ losgelassen wurde, darüber, dass mit einer Lötlampe nicht lange genug vorgeglüht wurde. „Und so läuft der halt falsch rum“, was bedeutet, dass die Maschine rückwärts läuft. Das muss man nicht verstehen, um der Faszination dieser kraftvollen Motors zu erliegen. Man lernt aber noch, dass Fahrer dieser Marke die heimlichen Könige unter den Oldtimer-Fahrern sind. Wohnwagen der Firma Airstream sind nicht erst seit Wim Wenders „Paris, Texas“ einem breiteren Publikum bekannt.

Eine dieser „Metalldosen“ war auch in Schierwaldenrath zu sehen. Daneben ein 47er Austin „A40 Devon“, der vermutlich mit seinen 40 PS Probleme gehabt hätte, den Wohnwagen zu ziehen. Aus dem Jahr 1962 stammte der Fiat „Turin“, ein ehe selten gesehenes Cabrio, das aber wunderbar zum Wetter rund um den historischen Bahnhof passte. Wenn Hans Frohn an seinem Mercedes-Oldtimerbus aus dem Jahr 1953 das metallene Fußbänkchen von der Eingangstüre wegnimmt, geht die Reise zu den Mühlen in der Region los. Seit Jahren gehören diese Fahrten zum Angebot, und man weiß nicht genau, was die Besucher mehr reizt: die Mühlen oder die Fahrt mit dem liebevoll erhaltenen Bus.

Historische Schätzchen fanden sich natürlich auch reichlich auf den Schienen der Selfkantbahn. Gerade zu Pfingsten, Tagen mit großer Publikumswirkung, versucht man immer möglichst viele Fahrzeuge und Kombinationen für die Gäste zusammenzustellen. Dampfloks in allen Größen, Dieselfahrzeuge und natürlich immer eine große Auswahl aus dem Waggon-Angebot. In der Museumshalle wurde nicht nur dem VW-Käfer gedacht, sondern auch der Borgward-Triebwagen L.T.4 gezeigt, der von 1952 bis 1970 auf der Insel Sylt unterwegs war und nun für die Selfkantbahn wieder betriebsfähig hergerichtet werden soll. Zu sehen ist aktuell aber nur das völlig entkernte Gerippe.

Ein ganz beliebtes Fotografenmotiv waren an diesem Sonntag mit Temperaturen von mehr als 30 Grad die schwarzen Rauchwolken, die aus den Lokomotiven stiegen und sich wunderbar gegen den blauen Himmel ansetzten.

Bekämen die Selfkantbahner auch nur einen Euro für jedes Foto, das an solchen Tagen geschossen wird, wären sie alle Sorgen los und könnten in den Museumshalle einmal so richtig aufräumen — dort warten noch einige Stücke darauf, für den Betrieb auf der Strecke hergerichtet zu werden.

(hama)