Heinsberg: Atem der Landschaft förmlich zu spüren

Heinsberg : Atem der Landschaft förmlich zu spüren

Das Herausstellen der Paarung Orgel & Schlagzeug war möglicherweise der Grund, warum nicht mehr Besucher zu der sonst so beliebten Reihe „Musik in St. Gangolf” gekommen waren.

Offenbar stieß das bei Orgelfreunden auf Skepsis. Dabei hatten die Landscapes of Patmos von dem Tschechen Petr Eben nur ein Drittel Anteil am Geschehen, und das Schlagzeug spielte dabei nur eine untergeordnete, sehr dezente Rolle.

Das Werk des 1929 geborenen Komponisten stellt den Versuch dar, die Apokalypse in fünf Bildern, sprich Landschaften mit Hilfe der Orgel und dem sie dabei unterstützenden Schlagwerk „auszumalen”. Hilfreich waren dazu die zusätzlichen Erläuterungen durch den Schlagzeuger.

Keine Frage, für die Ausführenden Tjeu Zeijen (54), Kerkrade, bzw. Harald Vinclair (30) (derzeitiger Militärmusiker) wurde die Aufführung zu einer Glanzleistung, die sie mit dem prächtigen Osterhymnus zum Finale lautstark unterstrichen.

Hat schon die Lektüre der Geheimen Offenbarung des Johannes ihre eigene transzendentale Faszination, so konnte Ebens Werk weitere interpretatorische Hilfeleistung bieten, durch den hörbaren Flügelschlag des Adlers, die Aufzeichnung der Lebenslinien bei den 24 Ältesten in ihrer Vollendung, das mystische Aufblicken zum Himmel, der Schilderung des Lebensspenders Wasser, dem Bund zwischen Himmel und Erde in der Gegenüberstellung von Orgel und Schlagzeug und schließlich durch die Symbolik der vier Pferde. Die Instrumente traten in den Dienst unmittelbarer Verkündigung.

Der Kerkrader Stadtorganist Zeijen, der sein Orgelstudium mit dem Prix d´Excellence abschloss, ist nicht zuletzt für seine kreative Arbeit bekannt, und die richtet sich auf gegenwärtiges Schaffen und die Kombination der Orgel mit ungewöhnlichen, anderen Instrumenten.

Für den Muziek Concours te Kerkrade betreute er das Konzert für Orgel und Fanfare des Maastrichters Jean Lambrechts. Dem Organisten verdankte man bei diesem Konzert ein weiteres ungewöhnliches Hörerlebnis mit dem Provencalen Guy Morancon und seinen Dix Noels, in denen er jahrhundertealte Lieder seiner Heimat einfließen lässt mit dem Ergebnis süßester Verlockung.

Man spürt förmlich den Atem der Landschaft mit bukolischen Flötentönen oder den Tanzklängen des Tambourins. Im Hinblick auf Weihnachten kann man dieses Stück wärmstens empfehlen.

Dass es für Zeijen bei Johann Sebastian Bach langgeht, dokumentiert er mit der überaus prachtvollen „Fantasie” und Fuge h-Moll, BWV 544, die im Werkverzeichnis als Präludium geführt wird, ein Werk pro organo pleno darstellt und voll ungewöhnlich reicher Arabesken ist.

Schon danach hätte das Konzert enden können. Mit der cantilenen Sonate II in c-Moll, op. 65, von Mendelssohn fügte Zeijen diesem Eröffnungswerk später ein innig beseeltes Kontraststück hinzu. Am Ende lange stehender Applaus für die beiden Ausführenden und ihr einzigartiges Können.