Kreis Düren: Arbeiterwohlfahrt will Kitas ausbauen

Kreis Düren : Arbeiterwohlfahrt will Kitas ausbauen

Die Rechnung geht nicht auf: 28 Kleinkinder möchten ab August die Kita „Gänseblümchen” des Kreisverbands der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Hoven besuchen.

Das Problem von Kita-Leiterin Ilona Liebsch ist: Sie hat nur acht freie Plätze für Kinder im Alter von null bis drei Jahren. „Im Moment kann ich mich im Gespräch mit den Eltern darauf berufen, dass der Rechtsanspruch auf einen Platz nur für die Drei- bis Sechsjährigen gilt”, sagt Liebsch.

Was sie den Eltern ab August 2013 sagen soll, wenn nach dem Kinderförderungsgesetz alle Kinder ab vollendetem erstem Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz haben, weiß sie nicht. Dass bis dahin ausreichend Plätze vorhanden sein werden, bezweifelt die Kita-Leiterin.

Unter dem Motto „Wer zusagt, muss auch aufmachen” startet die Awo deshalb nun eine Kampagne und legt Forderungen zur Umsetzung des Rechtsanspruchs vor. „Es ist Zeit, dass das, was die Politik versprochen hat, auch umgesetzt wird”, sagt Elfriede Nöldgen, die als Sachgebietsleiterin für die 23 Kindertageseinrichtungen der Awo in Stadt und Kreis Düren zuständig ist.

Besonders frustrierend sei für die Awo-Mitarbeiterinnen derzeit die Zusammenarbeit mit der Landesregierung. Seit Wochen würden dort die Pläne für den Ausbau der einzelnen Awo-Kitas vorliegen. Sechs neue Plätze könnten in jeder Kita geschaffen werden. Doch: „Wir warten immer noch auf die Genehmigung”, sagt Nöldgen. „Wenn wir jetzt nicht anfangen zu bauen, werden wir im nächsten Jahr nicht rechtzeitig fertig.”

Außerdem sei die Zielsetzung des Bundes, für 35 Prozent der unter Dreijährigen einen Betreuungsplatz anzubieten, bei weitem nicht ausreichend. Rücksprachen mit Eltern zeigten, dass der tatsächliche Bedarf deutlich höher sei. „Immer mehr Eltern wollen die 45-Stunden-Betreuung für ihr Kind in Anspruch nehmen”, berichtet Liebsch. Mit 15 Prozent Deckungsgrad an Kita-Plätzen liege die Stadt Düren „unter dem Landesdurchschnitt”.

Auch das Betreuungsgeld ist für die Awo ein „Reizthema”, wie die Leiterin der Kita „Lollypop” in Düren-Nord, Melanie Weingartz, es ausdrückt. „Die 100 Euro Betreuungsgeld pro Monat und Kind sollte man besser in den Kita-Ausbau investieren”, sagt sie.

Allein der Ausdruck Betreuungsgeld erregt die Gemüter. „Wir betreuen die Kinder nicht nur, wir fördern sie”, sagt Weingartz. Und Nöldgen ergänzt: „Kaffeetrinken und Stricken waren vielleicht vor Jahrzehnten Aufgabe der Erzieherinnen. Wir haben vom Staat einen hohen Bildungsauftrag erhalten und den erfüllen wir.”

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