Wegberg: Antonius-Klinik: Pier aus der Haft entlassen

Wegberg : Antonius-Klinik: Pier aus der Haft entlassen

Am Ende hatte die Haftbeschwerde doch Erfolg: der ehemalige Chef der St.-Antonius-Klinik Wegberg, an der sieben Patienten durch Behandlungsfehler gestorben sein sollen, ist wieder auf freiem Fuß.

Das Düsseldorfer Oberlandesgericht ordnete am Mittwoch die Freilassung des Mediziners Arnold Pier aus der Untersuchungshaft an. Es bestehe keine Fluchtgefahr, begründeten die Richter ihren Beschluss.

Die Schwurgerichtskammer des Mönchengladbacher Landgerichts hatte noch im September eine Fluchtgefahr gesehen und entschieden, dass der Klinikbesitzer in Haft bleiben müsse.

Dem 52-Jährigen wird in drei Fällen Körperverletzung mit Todesfolge, in vier Fällen fahrlässige Tötung und in 60 Fällen Körperverletzung vorgeworfen. Er saß seit Mitte April hinter Gittern. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Der Arzt war festgenommen worden, nachdem bekanntgeworden war, dass er Vermögen in der Schweiz verschwiegen hatte. Das Vermögen sei inzwischen nach Deutschland zurück übertragen worden.

Wie Ulrich Egger von der Pressestelle des OLG auf Anfrage bestätigte, hätten sich ansonsten die Grundlagen für eine Haft nicht geändert. Der 4. Strafsenat des OLG sei lediglich zu einer anderen Bewertung gelangt als das Landgericht.

„Er hat keine Anstalten gemacht, sich dem Verfahren zu entziehen, ist am Wohnort integriert und erst kürzlich Vater geworden”, berichtet Egger aus der Begründung des Gerichts für eine Aufhebung des Haftbefehls.

Ob und wann Pier vor Gericht muss, hat das Landgericht wegen widersprüchlicher Gutachten noch nicht entschieden. Der Beschuldigte soll für falsche und unnötige Operationen verantwortlich sein.

Für etwa 30 Eingriffe hätten Patienten keine Einwilligung gegeben. Insgesamt sollen 17 Patienten zwischen 50 und 92 Jahren falsch behandelt worden sein. Neben dem einst renommierten Arzt sind acht weitere Mediziner angeklagt.