Analysen und markige Sprüche

Analysen und markige Sprüche

Hückelhoven (an-o) - Johannes Schnettler moderierte eine Diskussion mit den fünf Direktkandidaten des Wahlkreises, zu dem die katholische Friedensbewegung Pax Christi schon traditionsgemäß vor den Bundestagswahlen ins Jugendheim St.Lambertus geladen hatte.

Rund 80 Zuhörer unterschiedlichen Alters waren der Einladung der Hückelhovener Pax-Christi-Gruppe gefolgt, deren Vorsitzender Knubben nach einer kurzen Begrüßung das Wort den Kandidaten Leo Dautzenberg (CDU), Hans J. Laumanns (FDP), Christa Nickels (Grüne), Uwe Vorberg (PDS) und Dr. Christoph Zöpel (SPD) überließ, die sich in kurzen Statements zu den Themenbereichen Arbeitslosigkeit, Zuwanderung und Friedenssicherung äußerten.

In teils differenzierten Analysen und mit politischem Sachverstand, teils aber auch mit markigen Sprüchen bezogen die Kandidaten jeweils Stellung, so dass sich die Zuhörer ein Bild der unterschiedlichen Wahlprogramme der Parteien und deren Heinsberger Vertreter machen konnten.

Falsche Weichen

Während CDU-Mann Dautzenberg meinte, dass für die wirtschaftliche Entwicklung seitens der Regierung die "falschen Weichen" gestellt worden seien, und als Folge dessen die hohe Arbeitslosigkeit beklagte, und auch der FDP-Kandidat die "fehlende Wirtschaftsdynamik" bedauerte und forderte "dass der Staat sich tunlichst aus der Wirtschaft heraushalten" solle, was er mit dem kernigen Spruch "im Staat ist kein Heil" untermauerte.

Nüchterne Feststellung

SPD-Spitzenmann Dr. Zöpel konterte mit der nüchternen Feststellung, dass das Jahr 2001 immerhin das Jahr mit der höchsten Zahl der Erwerbstätigen seit 1949 gewesen sei.

Christa Nickels führte die schwache Konjunktur auch auf die Ereignisse des 11. September zurück und forderte für die Zukunft, dass sich die Wirtschaftspolitik an den Grundsatz "Ökologie schafft Arbeit" halten solle.

Unterschiedliche Positionen Die Fragerunde zum Thema "Migration" eröffnete der PDS-Kandidat mit der Forderung, bei der Zuwanderung nicht - wie FDP-Laumanns verlangte - nationale Wirtschaftsinteressen sondern "menschliche Bedürfnisse" in den Vordergrund zu stellen. Ziel müsse ein "humanitäres Asylrecht" sein. Dagegen stellte Dautzenberg heraus, dass "Deutschland nicht alle Probleme der Welt" lösen könne, und forderte demnach dass nur "staatlich Verfolgte bei uns aufgenommen werden" sollten.

Engagierte Gegenrede

In einer engagierten und beeindruckenden Gegenrede ließ der stellvertretende Außenminister Dr. Zöpel diese Forderung nicht gelten und stellte heraus, dass es für ihn nur "selbstverständlich und unbedingt verpflichtend" sei, dass auch nichtstaatlich Verfolgten Asyl gewährt werde.

Einig waren sich alle Kandidaten darin, dass die Kenntnis der deutschen Sprache eine wesentliche Voraussetzung für eine gelungene Integration darstelle.

Deutliche Aussage

Der Themenbereich Friedenssicherung plädierten Grüne, PDS und FDP für eine Abschaffung der Wehrpflicht, während die SPD dies kurzfristig für nicht machbar hält, CDU-Mann Dautzenberg sprach sich deutlich für den Erhalt der Wehrpflicht aus.

Wenn man ein überparteiliches Fazit der Veranstaltung ziehen will: Pax Christi sollte die gute Tradition der Kandidatenrunde in einer Zeit wachsender Entpolitisierung unbedingt bei den nächsten Wahlen beibehalten.