Heinsberg: Am Ende überwiegt doch noch die Skepsis

Heinsberg : Am Ende überwiegt doch noch die Skepsis

Das Fazit vorneweg: Hans-Joachim Kalok, der mit 18 weiteren Bürgern der Stadt Heinsberg seine Bedenken zur Elektrifizierung und letztlich auch zur Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen der Kreisstadt und Geilenkirchen-Lindern geäußert hat, ist nicht wirklich zufrieden.

Die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefundene Anhörung im Rathaus, zu der die Bezirksregierung Köln alle Betroffenen inklusive Rurtalbahn und Stadtverwaltung an einen Tisch geholt hatte, lässt für den 52-Jährigen immer noch wichtige Fragen unbeantwortet.

„Durch die Art und Weise wie Projekte durch die öffentliche Hand geplant und entschieden werden, können Einwendungen von mir keine Berücksichtigung finden, weil schon im Vorfeld bestimmte Weichen gestellt wurden”, sagt Kalok. Ganz bedeutend sei für den ehemaligen Bergbautechniker zum Beispiel die Frage: „Welche Alternativen sind bei der Untersuchung zur Reaktivierung überhaupt ins Auge gefasst worden?” Darauf habe er in der Mammutsitzung, die sich von 10 Uhr morgens bis nachmittags um 17.30 Uhr erstreckte, keine Antwort erhalten.

„Seit 1998 ist das Planungsvorhaben nun schon im Gange. Wie die Verkehrsplanung zustande gekommen ist, ob man darauf Zugriff nehmen kann, all das blieb am Ende unbeantwortet.” Immer wieder sei von den Vertretern der Rurtalbahn auf bestehende Vorgaben hingewiesen worden, zu denen es aber nach Kaloks Ansicht mittlerweile bessere Alternativen gebe. „Ein Teil unserer Einwendungen wurde mit dem Verweis auf Regelwerke aus dem derzeitigen Stand der Technik entkräftet.”

Diese Regelwerke, so bestätigt Kalok, seien sehr anschaulich durch Prof. Alexander Kern vom Elektrolabor in Jülich vorgestellt worden. Ebenso wie die bestehenden Grenzwerte für Emissionen. Hier sei es vor allem um die Frage der elektromagnetischen Felder gegangen, die durch die Bahn erzeugt würden. Dadurch, so hat Kalok, der mit seiner Familie an der Grebbener Straße, direkt am Bahnübergang lebt, die Befürchtung, es könne zu Erkrankungen kommen.

Von bloßen Schlafstörungen über Tumore bis hin zu Erbschäden. Abwegig oder gar Panikmache sei dies keineswegs, erklärt er gegenüber unserer Zeitung. „Nur zwei Untersuchungen von etwa 50, die ich im Internet gefunden habe, gingen davon aus, dass die entstehende Strahlung ungefährlich sei.” Ganz entkräften konnte Prof. Kern Kaloks Befürchtungen denn auch nicht. Lediglich aus technischer Sicht könne er seine Beurteilung abgeben.

Biologische Auswirkungen seien nur von entsprechenden Fachleuten zu bestimmen. Solche Fachleute waren jedoch nicht anwesend. Den Hinweis, dass sich natürlich zahlreiche negative Beurteilungen im Internet finden ließen, wenn man nur gezielt danach suche, lässt der Heinsberger nicht gelten. Selbstverständlich habe er objektiv das Für und Wider abgewägt. „Doch die Skepsis überwiegt.”

Obwohl Kalok darauf vertraut, „dass die Bezirksregierung unsere Einwände aufgenommen hat und prüfen wird („Ich habe schon das Gefühl, dass wir hier ernstgenommen wurden”), geht er noch einen Schritt weiter. „Ich werde mich jetzt an den NRW-Verkehrsminister wenden mit der Bitte um Klärung. Schließlich geht es ja auch um Steuergelder.”

Achim Schmitz, Geschäftsführer der Rurtalbahn GmbH, ist mit dem Verlauf der Anhörung zufrieden: „Es wurde von allen Seiten sachlich argumentiert. Aber ich kann der Bezirksregierung natürlich nicht vorgreifen”, ließ er sich keine Einschätzung über das Ergebnis entlocken.

Auch Heinrich Jopen, der zuständige Sachbearbeiter der Stadt Heinsberg für die Projektion der Bahnstrecke, betont auf Nachfrage die Sachlichkeit der Debatte. „Persönliche Befindlichkeiten sind nur sehr zurückhaltend eingebracht worden”, meint er. Ob die Argumente jedoch gegenseitig übernommen wurden, steht auf einem anderen Blatt. „Flammend neue Erkenntnisse” habe es jedenfalls nicht gegeben.