Heinsberg: Am Ende ging der Täter doch ins Netz

Heinsberg : Am Ende ging der Täter doch ins Netz

Der Serien-Vergewaltiger von Oberbruch kommt aus dem Nachbarort Dremmen: Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am Freitagnachmittag in Dremmen die Kunde, dass die Polizei einen 33-jährigen dreifachen Familienvater „abgeholt” hatte.

Der Mann hat inzwischen die vier Vergewaltigungen im Bereich der Oberbrucher Boos-Fremery-Straße gestanden. Ein DNA-Test hatte ihn überführt. Ob er auch mit dem Rollerfahrer identisch ist, der eine Fahrradfahrerin bei Wegberg-Tüschenbroich mit dem Messer attackierte (Mordversuch), ist derzeit nicht klar und wird laut Polizei untersucht.

Eine Anwohnerin der Dremmener Hügelstraße (der Täter wohnte in einer Nachbarstraße) schüttelt den Kopf, dass der junge Mann, der abends regelmäßig auf dem Fahrrad mit dem Hund vorbei kam, der gesuchte Vergewaltiger sein soll. Sie beschreibt ihn als kleine Person, „ein Pimpf”, viel jünger wirkend als 33. Dem veröffentlichten Phantombild habe er in keiner Weise ähnlich gesehen. Vielleicht ist das der Grund, dass es so schwer war, ihn zu fassen.

Dennoch kam ihm die Polizei letztlich auf die Spur, und zwar in der Nacht von Freitag, 25. Mai, auf Samstag, 26. Mai, gegen 0.20 Uhr im Oberbrucher Diskothekenviertel der Deichstraße. Die Beamten baten ihn um eine Speichelprobe, er willigte ein. Die Probe wurde ins Labor des Landeskriminalamtes Düsseldorf geschickt. Am Freitag, 1. Juni, kam das Ergebnis: Volltreffer. Das Genmaterial stimmte mit dem überein, das der Täter bei allen vier Vergewaltigungen seit September zurückgelassen hatte. Am Nachmittag um 13.50 Uhr wurde er an seiner Wohnadresse festgenommen.

Spannend ist die Frage, weshalb der Mann der Polizei in jener Nacht auf der Deichstraße auffiel. Hierzu hielten sich die Verantwortlichen bei einer Pressekonferenz im Kreishaus zurück, klar wurde, dass die Ermittlungsbehörden einen enormen Aufwand getrieben hatten, nicht nur was die 1578 Speichelproben betrifft: Die Polizei war in jener Nacht mit 80 bis 90 Leuten verdeckt im Einsatz. Praktisch die gesamte Oberbrucher Diskoszene war infiltriert, so gar als Taxifahrer sollen Beamte eingesetzt gewesen sein.

„Wir haben mit einem weit angelegten Raster gearbeitet”, so Kripochef Wolfgang Hermanns. Das Raster (Profil) bestimmte sich unter anderem nach Auftreten/Verhalten des Täters, Uhrzeit seines Auftretens (die Taten geschahen spät in der Nacht oder morgens früh) und Wohnort (der Täter musste Ortskenntnis haben und nicht weit weg wohnen).

Laut Hermanns konnte die Polizei eine erneute Vergewaltigung verhindern, denn der 33-Jährige habe sich wieder ein Opfer aussuchen wollen.

Wie Dremmener Nachbarn berichten, hat er schon einmal im Gefängnis gesessen, allerdings wegen Eigentumsdelikten.

Er habe oft eine „verbissene” Miene zur Schau getragen, so eine Frau. Einen Pkw-Führerschein habe er nicht. In Dremmen habe er noch nicht allzu lange gewohnt. Wie die Polizei auf Nachfrage mitteilte, stammt er von außerhalb des Kreises Heinsberg. Seine jüngsten Kinder, ein Zwillingspärchen (Mädchen und Junge) hätten am Weißen Sonntag Erstkommunion gefeiert, sagen Nachbarn. Die Kinder, ein elfjähriges Mädchen gehört noch dazu, seien inzwischen weggebracht worden.

Die Tatsache, dass das Phantombild und die Beschreibung (als Alter wurden 20 bis 25 Jahre genannt) ungenau waren, erklärt sich dadurch, dass nur ein Opfer - in einer extrem belastenden Situation - sein Gesicht gesehen hat, weil er die Frauen immer von hinten angriff. Wie Oberstaatsanwältin Manuela Faber aus Aachen berichtete, hatte sich seine Brutalität von Tat zu Tat gesteigert, so benutzte er erst einen Stoffgürtel, dann eine Drahtschlinge, zuletzt fügte er seinem Opfer durch Schläge schwere Gesichtsverletzungen zu.

Die Erleichterung, dass er endlich gefasst wurde, war allgemein groß, und Kreisdirektor Peter Deckers dankte allen Einsatzkräften, die „sich die Nächte um die Ohren geschlagen” hätten.