Hückelhoven-Hilfarth: Altes Korbmacher-Handwerk neu aufgeblüht

Hückelhoven-Hilfarth : Altes Korbmacher-Handwerk neu aufgeblüht

Kinderwiegen, Fahrradsitze, Zylinder, ja sogar Lampenschirme und selbstverständlich Körbe in mannigfaltigen Ausführungen - alle diese Gegenstände und noch viele mehr können aus Weiden hergestellt werden.

Die Vielseitigkeit des ökologischen Werkstoffes lernten die vierten Klassen der Ratheimer Grundschule „Im Weidengrund” bei einem Ausflug zu den Rurtalkorbmachern kennen.

Angesichts des markanten Schulnamens stellte die eingehende Auseinandersetzung mit der regionalen Vergangenheit ein nahe liegender Schritt dar, der interessante Entdeckungen ermöglichte.

Die Jungen und Mädchen machten einen Rundgang durch den Ausstellungsraum des traditionsverbundenen Vereins, übten einmal selbst das Handwerk des Korbmachers aus und waren „live” dabei, als sich Vereinsmitglieder auf der eigenen Parzelle „Im Feldchen” daran machten, Setzlinge einzupflanzen.

„Der Daumen muss weh tun”, erklärt Friedel Fell den kleinen Besuchern, während er an der „Plank” - ein in der Höhe verstellbarer Werktisch mit schräger Arbeitsfläche - in rasanter Geschwindigkeit einzelne Fasern in den noch unfertigen Korb einflechtet.

So schnell wie der Vorsitzende der Rurtalkorbmacher sind die Schüler verständlicherweise nicht, doch gibt es einige Naturtalente, denen schmerzende Gliedmaßen nichts auszumachen scheinen.

Zwischendurch hält Fell einige Werkzeuge in die Höhe und nennt ihre Namen: Hier Putzmesser und Schere, dort Spalter und Handhobel. „Weiden müssen immer nass verarbeitet werden”, so der Vorsitzende. „Sonst brechen sie.”

1200 Korbmacher lebten und arbeiteten zu Hochzeiten des Handwerks an der unteren Rur. „Mit Sicherheit hatten einige eurer Vorfahren etwas mit der Korbmacherei zu tun”, bekommen die erstaunten Kinder zu hören.

Wie anstrengend das Tagesgeschäft zu damaliger Zeit war und wie kreativ die Weidenverarbeiter ihren Beruf ausübten, erkennen sie anschließend bei der Führung.

Ein kurzer Moment des „Entsetzens”, als der Vorsitzende plötzlich auf einen Gegenstand deutet, der verdächtig nach einer Rute aussieht.

„Das ist kein Erziehungsmittel”, beruhigt er. Was sich ihren Blicken eröffnet, ist nur ein Teppichklopfer. Über die Ursprünge des Flechtens in der Mittelsteinzeit weiß Lambert Hensen unter freiem Himmel viel zu berichten.

„Wir kennen Geflechte aus dieser Zeit, die wir bisher nicht reproduzieren können, so kunstvoll sind sie.” In Form von Abdrücken aus Ton blieben einige der vorzeitlichen Werke erhalten.

Angefangen habe alles mit der so genannten Zäunertechnik, „der” Urtechnik, aus der alle anderen Verfahren hervorgegangen seien.

Vom bloßen Windschutz zur ersten einfachen Behausung aus Flechtwerk - diese Entwicklung demonstrierten die Vereinsmitglieder anhand von eindrucksvollen Nachbauten.