Erkelenz: Als Lebemann restlos überfordert

Erkelenz : Als Lebemann restlos überfordert

Es ist eine schon klassische Verwechslungskomödie, die der Graf Balduin Zedlau (Daniel Zihlmann) da in Gang bringt.

Der Gesandte eines deutschen Duodezfürstentums, der in Wien zum flotten Lebemann wird, ist deutlich überfordert ist, als es gilt, eine temperamentvolle Ehefrau und zwei Geliebte geschickt aneinander vorbei zu manövrieren.

So könnte die Operette in drei Akten von Johann Strauß „Wiener Blut” mit Text von Victor Leon und Leo Stein zusammengefasst werden, die das Operetten-Tournee-Theater Hannover mit Chor und Ballett der Ungarischen Staatsoper sowie dem Operettenorchester Duna Budapest in der Stadthalle aufführte.

Einmal mehr wird hier die Ehe als Form geordneten Zusammenlebens der Geschlechter in Frage gestellt: Graf Balduin von Zedlau ist mit der Gräfin Gabriele von Zedlau (Regula Rosin) verheiratet, hat mit dieser aber nicht mehr viel im Sinn. Balduin hält seine Geliebte Franziska in jeder Hinsicht lieber aus, als seine Gattin.

Das Erscheinen des Premierministers Fürst Ypsheim (Jürgen Wald), der die Gräfin für die Tänzerin Franziska Cagliari (Anja-Katharina Wigger) und die Tänzerin für die Gräfin hält, macht die Situation nicht einfacher, und zu guter Letzt entdeckt der Kammerdiener Josef (Andreas Sauerzapf) auch noch, dass die neueste Flamme seines Herrn seine Pepi (Nicole Tamburro) ist.

Das Operetten-Tourneetheater Hannover brachte mit diesem Sonderkonzert eine amüsante Fassung der berühmten Strauß-Operette auf die Bühne der Stadthalle, und das begeisterte Publikum geizte nicht mir Applaus. Kein Wunder, bekamen sie doch stimmgewaltige Akteure zu sehen, die auch mit treffendem Wortwitz agierten und zu begeistern wussten.

Allein die Entstehungsgeschichte der Strauß-Operette ist ungewöhnlich: So stellte Johann Strauss, der vier Monate vor der Uraufführung am 26. Oktober 1899 starb, eine Kiste seiner Walzer-, Marsch- und Polka-Manuskripte zur Verfügung. Der Komponist Adolf Müller wählte mit ihm aus, setzte zusammen und verteilte de Melodiensegen auf die Partien und den Text der Librettisten Victor Léon und Leo Stein.

Das Resultat konnte und kann sich immer noch sehen lassen, wie der Abend eindrucksvoll bewies: Aus der Tanzmusik wurde Operettenmusik, die den Figuren melodisches Leben einhaucht, und das Stück ist wie für diese Musik geschaffen.

Und nach den vielen Irrungen und Wirrungen des heiteren Stücks, wendet sich im dritten und letzten Akt, wie es sich gehört, schließlich alles zum Besten. Jeder landete dort, wo er hingehörte: die Gräfin beim Grafen, Pepi bei Josef und Cagliari beim Fürsten.