Heinsberg: Als Grundlage nach der Schule ein Lebensordner

Heinsberg : Als Grundlage nach der Schule ein Lebensordner

Keiner der 31 Schüler, die jetzt zu Ferienbeginn die Don-Bosco-Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen nach Abschluss der zehnten Klasse verlassen, hat bisher einen Ausbildungsvertrag in der Tasche.

„Unsere Schüler haben im hart umkämpften ersten Arbeitsmarkt in diesem Jahr einfach keine Chance gehabt. Sie sind schwächer, aber sie brauchen gerade deshalb sehr viel Hilfe”, sagt ihre Lehrerin Josefa Beckers. Grund genug für sie und ihre Kollegin Annette Meyer-Küppers, ihre Schützlinge trotz geringer Aussichten auf eine Lehrstelle gut vorzubereiten für die Zeit nach der Schule.

„Berufs- und Lebensvorbereitung” nennen sie ihr Konzept, das die Schüler seit ihrer achten Klasse in der Schule begleitet hat und das in seinem Umfang auch für die Don-Bosco-Schule bisher einmalig gewesen sei, wie Schulleiter Jürgen Wirtz betont. Im Rahmen der Berufsvorbereitung hat jeder Schüler mindestens drei unterschiedliche Praktika absolviert, jeweils zwischen ein und drei Wochen in verschiedenen Berufsfeldern.

Breiten Raum nahm dabei auch die so genannte Arbeitslehre in der Schule ein. Wirtschaftslehre, Technisches Werken und Hauswirtschaft standen dabei für jeweils drei Wochenstunden auf dem Stundenplan. Fachlich begleitet wurden die Schüler dabei von Rolf Sauer von der Agentur für Arbeit.

Themen erarbeitet

Zur so genannten Lebensvorbereitung gehörte unter anderem ein Aufenthalt im Nell-Breuning-Haus in Herzogenrath. Hier bastelten die Schüler unter anderem Deko-Artikel, die dann beim Schulfest verkauft wurden. Themen wie Teamfähigkeit, Pünktlichkeit, Selbstständigkeit und Zuverlässigkeit nahmen dabei breiten Raum ein.

Die Abläufe in Behörden lernten die Schüler gemeinsam mit dem stellvertretenden Landrat Willi Paffen, ehemaliger Konrektor der Schule, in der Kreisverwaltung kennen. Vorträge der Aids-Beratung aus Hückelhoven, der Schwangerschaftsberatung Donum Vitae aus Heinsberg, der Schuldnerberatung aus Hückelhoven, der Anonymen Alkoholiker und des Deutschen Roten Kreuzes sind nur einige der weiteren Facetten des Gesamtprogramms.

„Das war kein Aktionismus. Wir haben hier für uns eher einen Prototypen geschaffen für unsere Arbeit mit den Schülern in den kommenden Jahren”, so der Schulleiter. Wesentliche Informationen aus den Vorträgen haben die Schüler, die teilgenommen haben, auf Stellwänden dokumentiert und geben sie so an die jüngeren Schüler weiter.

Die betreuenden Lehrerinnen haben zudem mit den Schülern einen so genannten „Lebensordner” angelegt, so dass die jungen Leute alle wesentlichen Inhalte auch nach ihrer Entlassung aus der Schule bei Bedarf jederzeit nachlesen können. „Für die Schüler, die wir erreichen konnten, haben wir so eine gut strukturierte Grundlage geschaffen”, sagt Josefa Beckers.

Der nächste Schritt

Die meisten der 31 Entlassschüler werden jetzt an einer Berufsvorbereitungsmaßnahme der RAG teilnehmen, die im Kreis mehrere Standorte hat. Einige von ihnen erfahren dort zudem eine besondere psychologische Betreuung.

Andere Schüler werden eine so genannte Kombi-Klasse am Berufskolleg in Geilenkirchen besuchen, wo Praktika mit theoretischem Unterricht kombiniert sind und sie die Möglichkeit haben, ihren Hauptschulabschluss zu machen.