Aachen/Städteregion: Als Anwälte für Senioren unterwegs

Aachen/Städteregion : Als Anwälte für Senioren unterwegs

Wunder vollbringen können auch Simon Robert und Werner Wolff nicht, da sind die beiden sich selbst und anderen gegenüber ganz ehrlich.

Dass gute Absichten und ein Gespür für Diplomatie oft, aber eben nicht immer ausreichen, um zu helfen, merkten die beiden Ombudsmänner für Senioren der Städteregion zuletzt, als sie es mit einem „verbitterten” Heimbewohner zu tun bekamen. Dieser wollte oder konnte sich mit seiner Lebenssituation nicht anfreunden - und ließ seine Umgebung dies auf unangenehme Weise spüren. Die Heimleitung bat Robert und Wolff um Vermittlung. „Wir können ihm ein Ansprechpartner sein, wirklich helfen können wir ihm nicht”, schreiben die Ombudsmänner in ihrem Jahresbericht, der Dienstag vorgestellt wurde.

Das Ehrenamt des Ombudsmanns haben die beiden Anfang 2009 angetreten. Seitdem sehen sie sich als Anwälte der Senioren in Stadt und Altkreis Aachen. Als unabhängige und neutrale Schlichter bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Senioren auf der einen sowie Altenpflegeheimen und Pflegediensten auf der anderen Seite sollen sie vermitteln. Und Grund für allzu selbstkritische Töne haben sie für gewöhnlich nicht. Wenn sie auf die vergangenen Jahre zurückblicken, fallen schon häufiger Adjektive wie „zufrieden” oder gar „stolz”. Ganz folgerichtig wurden Robert und Wolff im vergangenen November vom Seniorenbeirat der Städteregion für vier Jahre wiedergewählt.

Im Altkreis gibt es Ombudsmänner bereits seit vielen Jahren, in Aachen hingegen sind sie neu. „Hier darf man davon sprechen, dass die Städteregion die Stadt Aachen bereichert hat”, findet Städteregionsrat Helmut Etschenberg. Die Statistik zumindest scheint ihm da - im wahrsten Wortsinn - zu 100 Prozent Recht zu geben: 65 von 65 vollstationären Einrichtungen der Städteregion haben sich freiwillig dazu verpflichtet, mit den Ombudsmännern zusammenzuarbeiten.

„Anfangs gab es in Aachen Bedenken, dass mehr Bürokratie auf die Einrichtungen zukommt”, so Etschenberg weiter. „Das Angebot wurde dann aber schnell als Vorteil erkannt.” Im laufenden Kalenderjahr soll nun verstärkt auf die ambulanten Dienste zugegangen werden, bei denen die Quote bislang weit niedriger ist. Ein Anreiz: Das Gütesiegel für Einrichtungen, das die Ombudsmänner für das Jahr 2011 wieder zehn Mal verleihen durften.

Ärztliche Versorgung verbessert

Das bisherige Hauptthema von Robert und Wolff hingegen, die schlechte ärztliche Versorgung in den Einrichtungen, soll für sie bald weitestgehend der Vergangenheit angehören. Durch die Anhebung der Honorare für Heimbesuche habe sich die Situation deutlich verbessert, was Allgemeinmediziner betrifft jedenfalls. Wolff: „An Fachmedizinern gibt es nach wie vor Bedarf.”