Erhöhte Einsatzzahlen: Akute Platznot in den Rettungswachen der Städteregion

Erhöhte Einsatzzahlen : Akute Platznot in den Rettungswachen der Städteregion

Die Menschen werden älter, die Lebenserwartung steigt stetig. Diese Feststellung ist nicht neu, doch sie sorgt immer wieder für neue Erkenntnisse.

Bei der Städteregion beispielsweise stellt sich eine solche gerade ein: Um jährlich drei bis vier Prozent, so hat es die Verwaltung errechnet, erhöht sich die Zahl der Rettungseinsätze in ihrem Zuständigkeitsgebiet — altersbedingt, da sind sich die Fachleute ziemlich sicher. Der steigende Bedarf muss mit zusätzlichem Personal abgedeckt werden, und das wiederum muss in den Wachen untergebracht werden. Die aber stoßen platzmäßig an ihre Grenzen — oder haben diese mitunter sogar schon überschritten.

Das wird Konsequenzen haben, und zwar kostspielige. Denn „perspektivisch“, so heißt es von Seiten der Verwaltung, müssen wohl alle Wachen in Trägerschaft der Städteregion umgebaut bzw. erweitert werden. In einer Stellungnahme an die Fraktionen benennt sie auszugsweise, wie es um die Platzverhältnisse in den Wachen bestellt ist. „Bereits jetzt stehen keine unbelegten räumlichen Ressourcen mehr zur Verfügung“, heißt es dort.

Und: „Ruheräume für das Personal sind bereits jetzt nicht in ausreichendem Maße vorhanden.“ In Baesweiler stehe beispielsweise für den Praktikanten lediglich eine Liege in der Umkleidekabine zur Verfügung.

Eine Bedarfsanalyse, die die Städteregion für alle sieben von ihr geführten Standorte in Auftrag gegeben hat, offenbart, dass es nicht nur für den Praktikanten in Baesweiler schon jetzt ungemütlich ist. In Würselen-Bardenberg etwa stehen sechs Ruheräume zur Verfügung, benötigt werden aber neun. Und am Notarztstandort Eschweiler gibt es nur einen Ruheraum, die Bedarfsanalyse weist aber aus, dass es drei geben müsse.

Wenn sich der Trend fortsetzen wird, und davon geht die Verwaltung aus, wird sich die Platznot verschärfen. Allerdings steht noch nicht fest, wie die Städteregion darauf reagieren wird. „Es ist richtig, dass es in allen Wachen sehr knapp ist. Die weitere Entwicklung wird zeigen, inwieweit wir dort eingreifen werden müssen“, erklärt Pressesprecher Detlef Funken auf Nachfrage, dass es bis dato noch kein Konzept zur Behebung der Platznot gebe.

Notbremse gezogen

Reagiert hat das zuständige Amt für Rettungswesen und Bevölkerungsschutz hingegen schon bei der Rettungswache in Würselen-Mitte: Es hat die Notbremse gezogen und eine neue Planung in Auftrag gegeben. Im November 2016 hatte die Politik den Neubau im Mauerfeldchen unweit des Rhein-Maas-Klinikums beschlossen — auf der Basis von Architektenplänen, die aus dem Jahr 2014 stammten. Das letztlich mit der Umsetzung beauftragte Planungsteam schlug aber sehr schnell Alarm. Es forderte eine „grundlegende Änderung“ der Planungen und verwies auf „gravierende Änderungen in den Anforderungen an Rettungswachen“.

In den überarbeiteten Plänen finden diese nun Berücksichtigung — mit der Konsequenz, dass die Unterbringung von Fahrzeugen und Material des Katastrophenschutzes, anders als ursprünglich vorgesehen, nicht möglich sein wird. Ein größeres Gebäude komme aufgrund der begrenzten Grundstückmaße nicht infrage, und die maximal mögliche Fläche müsse für den Rettungsdienst vorgehalten werden, argumentieren die Architekten.

So sind nunmehr acht Fahrzeugstellplätze und zwölf Ruheräume vorgesehen, wobei zwei Stellplätze und zwei Räume mit Blick auf die steigenden Einsatz- und Personalzahlen als Kapazitätsreserve vorgehalten werden. Die Katastrophenschutzausrüstung wiederum soll vorübergehend beim Deutschen Roten Kreuz in Würselen untergebracht werden. Auch hier wird die Verwaltung nach Aussage von Detlef Funken ein Konzept für eine dauerhafte Zukunftslösung erstellen.

Auch um eine konkrete Kostenauflistung für die neue Rettungswache im Mauerfeldchen wird sie sich noch kümmern müssen, weil die ursprünglich veranschlagten vier Millionen Euro nicht mehr haltbar sind. Zwar hat die Politik dem Neubau unter den veränderten Bedingungen im Grundsatz zugestimmt. Ein endgültiger und verbindlicher Beschluss wird aber voraussichtlich erst Ende des Jahres folgen.

Die Voraussetzungen werden dann anders sein als 2016 — nicht nur wegen der neuen Planung, sondern auch, weil die Wache nunmehr ausschließlich für den Rettungsdienst zur Verfügung stehen wird und deshalb zu 100 Prozent über Gebühren finanziert werden kann. Im Falle der Unterbringung von Katastrophenschutzmaterial hätte die Städteregion hingegen 27 Prozent aus der eigenen Tasche zahlen müssen.

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