Kreis Heinsberg: Aktionstag: Deutliches Zeichen für Toleranz und Offenheit

Kreis Heinsberg : Aktionstag: Deutliches Zeichen für Toleranz und Offenheit

Wie sich die Opfer von Rechtsextremismus fühlen, was die Angehörigen bewegt und wie Bürger das Geschehene verarbeiten, war am Samstagnachmittag Teil des Aktionstages vom Bündnis gegen Rechtsextremismus im Kreis Heinsberg.

In und um die Aula des Berufskollegs Wirtschaft und des Berufskollegs für Ernährung, Sozialwesen, Technik am Berliner Ring in Geilenkirchen gab es nicht nur die Chance, an Informationsständen tief in das Thema einzudringen. Eindringliche Schilderungen, was hinter den Kulissen passiert, was davon an die Öffentlichkeit dringt, und wie Täter und Opfer damit umgehen, waren auch Teil dieses mit „Brücken statt Barrieren bauen“ überschriebenen Tages.

Die Schülerband „Farewell to Fiction“ gehörte zum musikalischen Programm des Aktionstages „Brücken statt Barrieren bauen“ vom Bündnis gegen Rechtsextremismus im Kreis Heinsberg.

Eindrucksvoll waren dabei die Schilderungen von Dr. Mehmet Daimagüler, der in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule des Kreises Heinsberg zum NSU-Verfahren referierte. Mit „etwas Licht und sehr viel Schatten“ sei das schon fünfjährige Verfahren rund um die Aktivitäten des NSU aus seiner Sicht zu bewerten. „Wesentliche Fragen sind nicht beantwortet worden“, so Dr. Daimagüler, „das ist eine sehr bittere Erkenntnis.“ Als Anwalt von Angehörigen schilderte er intensiv die Tatumstände, bei denen Menschen nur wegen ihrer Herkunft ermordet worden sind.

Deutliche Worte gegen Rechtsextremismus fanden auch Geilenkirchens Bürgermeister Georg Schmitz und Landrat Stephan Pusch. „Ich hoffe, dass auch mit dem heutigen Tag wieder ein deutliches Zeichen im Kreis Heinsberg für Toleranz, Mitmenschlichkeit und Weltoffenheit gesetzt wird“, sagte Pusch. Und er hatte den Hinweis dabei, dass auf der Internetseite des Kreises Heinsberg eine Befragung mit dem Titel „Toleranz“ freigeschaltet wurde. Die Umfrage ist Teil des vom Kreistag beschlossenen „Integrierten Handlungskonzeptes gegen Rechtsextremismus und Rassismus im Kreis Heinsberg“. Damit gehört der Kreis Heinsberg zu den zwei Dutzend Kreisen und kreisfreien Städten im Land, die solche Handlungskonzepte entwickeln.

Georg Schmitz war sicher, dass die breite Mehrheit nicht nur Nazigeist und Nazimethoden verurteile, sondern gerne in einer multikulturellen und offenen Gesellschaft lebe. „Wir gehen offen mit unser Vergangenheit um, sehen unsere Schuld und unser Versagen“, unterstrich er. In Geilenkirchen werde das Gedenken an die jüdischen Mitbürger aufrechterhalten und beispielsweise auch mit der Verlegung von „Stolpersteinen“ im gesamten Stadtgebiet für alle sichtbar gemacht.

Deutliche Zeichen gegen rechte Gesinnung gab es auch von den weiteren Rednern, so Maria Sprenger vom Bündnis gegen Rechts oder von Schulleiter Rolf-Dieter Crott. Und mit den Referenten Patrick Fels und Pierre Klapp, die einen Blick auf die rechte Szene, beziehungsweise auf „Hate Speech“, den Hasstiraden in sozialen Netzwerken warfen, gab es weitere wichtige Bausteine des Tages. Die Schüler trugen ihrerseits mit musikalischen Beiträgen ihren Teil zum Thema bei, sei es nun durch Musik von der Schülerband „Farewell to Fiction“, den Rappern „T-Jeight“ und „YH Jordan“ oder der Tanzgruppe „Joy’n in“.

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