Städteregion: Aktionsplan Inklusion: „Konzentrieren auf das, was machbar ist“

Städteregion : Aktionsplan Inklusion: „Konzentrieren auf das, was machbar ist“

Und dann wurde es fast schon feierlich. Das hatte allerdings weniger mit dem bevorstehenden Jahreswechsel zu tun. Bettina Herlitzius sprach vielmehr von einem „großen Moment“, weil nach fast anderthalb Jahren die Evaluation des städteregionalen Inklusionsplanes abgeschlossen ist.

Als greifbares Ergebnis dieses mitunter durchaus mühsamen Prozesses liegt ein Aktionsplan vor, der Handlungsempfehlungen zunächst für das Jahr 2017 aufzeigt und fortan jährlich aktualisiert bzw. fortgeschrieben werden soll. Das hat die Leiterin des Amtes für Inklusion und Sozialplanung im Gespräch mit unserer Zeitung angekündigt.

Bettina Herlitzius
Bettina Herlitzius Foto: Michael Grobusch

Frau Herlitzius, der Städteregionstag hat im Dezember 2013 den Inklusionsplan beschlossen. Ist er drei Jahre später schon passé?

Herlitzius: Nein, im Gegenteil. Mit unserem Inklusionsplan und dem zum 1. April 2014 eingerichteten Inklusionsamt sind wir in Deutschland weiterhin Vorreiter. Es war aber von Anfang eine Evalution geplant, mit der wir im Sommer 2015 begonnen haben. Unter der Beteiligung des Inklusionsbeirates wurden seitdem die Themen der sieben Arbeitsgruppen des Inklusionsplanes separat behandelt.

Mit welchem Ergebnis?

Herlitzius: Das Ergebnis ist ein zweistufiges Verfahren. Zum einen gibt es den Aktionsplan, der festlegt, welche Maßnahmen und Aktionen konkret bearbeitet werden. Und zum anderen haben wir das Berichtswesen, das Auskunft über den Stand der Dinge und kurzfristig auch über aktuelle Entwicklungen geben soll. Der Inklusionsplan bleibt aber weiterhin als grundlegender Rahmenplan bestehen.

Warum hat nicht auch für die Zukunft der ursprüngliche Inklusionsplan gereicht?

Herlitzius: Das Problem war die Erwartungshaltung. Zahlreiche dort aufgeführte Punkte liegen außerhalb unserer Zuständigkeit. Bei der Erstellung des Aktionsplanes haben wir alle 70 Maßnahmen noch einmal neu bewertet und uns dabei auf diejenigen konzentriert, die in unserem Bereich liegen und deshalb auch mach- und umsetzbar sind. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass dies nicht mehr als zwei bis fünf pro Jahr sein sollten. Damit werden die Ressourcen unseres Amtes ausgeschöpft sein.

Innerhalb des Aktionsplanes haben Sie drei grundsätzliche inhaltliche Schwerpunkte gesetzt.

Herlitzius: Richtig. Der Aktionsplan gliedert die verschiedenen Aktionen in drei Themenbereiche: Bewusstseinsbildung, wozu auch Öffentlichkeitsarbeit und Informationsvermittlung zählen, Barrierfreiheit, bei der wir uns allerdings auf die städteregionalen Liegenschaften beschränken müssen, und Teilhabe mit der Priorität Freizeitgestaltung. Wir haben festgestellt, dass dieser Aspekt oft vernachlässigt worden ist, während beispielsweise die Themen Arbeit, Wohnen und Betreuung vielfach diskutiert wurden.

Wie groß sind die Möglichkeiten der Städteregion bei der Umsetzung?

Herlitzius: Wir sind bei vielen Aktionen nicht in der Lage, diese alleine umzusetzen. Eine enge Zusammenarbeit mit den Verbänden und Einrichtungen der Behindertenhilfe, aber auch mit der Politik ist von zentraler Bedeutung für das Gelingen.

Für die Umsetzung sind auch die Finanzen wichtig. Wie gut sind Sie in dieser Hinsicht ausgestattet?

Herlitzius: Die Haushaltsberatungen stehen uns noch bevor, Entscheidungen werden erst im Frühjahr getroffen. Wir haben unsererseits, auch als Konsequenz aus dem Strukturkonzept, 75.000 Euro veranschlagt (bisher 125.000 Euro pro Jahr; Anm. d. Redaktion). Darüber hinaus sollen 25.000 Euro für vermögenswirksame Maßnahmen verausgabt werden können.

Wie wird die Realisierung des Aktionsplanes 2017 konkret ablaufen?

Herlitzius: Nachdem der Städteregionsausschuss seine Zustimmung in der letzten Sitzung des Jahres erteilt hat, werden wir die geplanten Maßnahmen nun mit allen Beteiligten abstimmen, weiter konkretisieren und mit Zeit- und Finanzplänen hinterlegen. Danach folgen die Beratung und der Beschluss zunächst im Inklusionsbeirat und in den politischen Gremien. Erst dann kann mit der Umsetzung begonnen werden.