Obdachlosigkeit: Aktion am Tag der Wohnungslosen auf dem Heinsberger Markt

Obdachlosigkeit : Aktion am Tag der Wohnungslosen auf dem Heinsberger Markt

Den bundesweiten Tag der Wohnungslosen haben das Selbsthilfe-und Freiwilligenzentrum im Kreis Heinsberg und die Wohnungslosenhilfe des Caritasverbandes für die Region Heinsberg genutzt, um das Thema Wohnungslosigkeit / Obdachlosigkeit und bezahlbarer Wohnraum ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

Mit ihrer Aktion auf dem Heinsberger Markt unter dem Motto „Was bedeutet Zuhause für mich?“ wurden Bürger zur Auseinandersetzung mit dem Thema angeregt. Eine Bank, die von Insassen der Justizvollzugsanstalt angefertigt worden war, diente als Einladung zum Platznehmen und zum Gespräch.

Der Umgang mit dem Thema Wohnungs-und Obdachlosigkeit reicht in seiner Bandbreite im öffentlichen Bewusstsein von „Störung der Ordnung“ bis zur Empathie und Einsicht, dass Hilfe nottut.

Wie im Kreis Heinsberg Hilfen bei Wohnungslosigkeit zur Verfügung gestellt werden, konnten die Interessenten von Frank Wittke, dem Leiter der Fachberatungsstelle für alleinstehende Wohnungslose in Geilenkirchen, erfahren. Weitere Fachberatungsstellen sind in Erkelenz und Heinsberg. Die Heinsberger Ansprechpartnerin, Birgit Felzmann, war ebenso vor Ort.

„Mit rund 800 Kontakten jährlich in den drei Fachberatungen werden den Betroffenen unterschiedliche Hilfen angeboten“, gab Frank Wittke einen Einblick in eine Größenordnung zum Beratungsbedarf beim Thema Wohnungslosigkeit im Kreis Heinsberg. Von der akuten Hilfe über eine direkte Unterbringung in einem der 16 Plätze in der Wohngemeinschaft in Geilenkirchen, die der dortigen Fachberatungsstelle angeschlossen ist, bis zur längerfristigen Begleitung reiche die Bandbreite der Unterstützung. Mit dem Erstgespräch werde der Umfang der Hilfen festgelegt. Der Obdachlose beziehungsweise Wohnungslose habe damit auch wieder eine Adresse, die für den Bezug von Sozialleistungen notwendig sei. Wenn notwendig, erfolge eine Begleitung zu Ämtern — vom Einwohnermeldeamt bis hin zum Jobcenter. Die durchschnittliche Gesamthilfezeit könne dabei durchaus zwei bis drei Jahre betragen, bevor die Befähigung zur selbstständigen Lebensführung erreicht sei, betonte Wittke.

Kontakt zu Passanten

Die Mitarbeiterinnen des SFZ, ­Birthe Schnittker, Angela Mirbach und Brigitte Krükel, sowie die Ehrenamtlerin Margret de Hessele suchten den Kontakt zu Passanten und interessierten Bürgern. Auf die Frage „Was bedeutet für dich ein Zuhause?“ waren die Antworten oft identisch. Vom „Das ist mein Ein und Alles“ über „Sicherheit und Geborgenheit“ bis hin zu „Rückzug und Ruhe“ reichten die persönlichen Formulierungen. Die Vorstellung, dies zu verlieren, war angstbesetzt — niemand wollte dies erleben. Dass die Mietpreissteigerungen und fehlender Wohnraum ein greifbares Problem darstellten, war den meisten Bürgern bewusst. Dass es anders gehen müsse, betonte eine Vermieterin aus Dremmen. Sie habe selber erfahren, dass Wohnraum bezahlbar bleiben müsse, das beachte sie auch als Vermieterin.

Die engagierten Mitarbeiterinnen des SFZ wünschten sich, dass eine geplante Selbsthilfegruppe zum Thema Wohnungslosigkeit und bezahlbarer Wohnraum zustandekomme. Wer sich engagieren und mitarbeiten wolle, könne sich beim SFZ melden. Unterstützung bei der Gründung werde gewährleistet.

Dass bundesweit das Thema „Jeder braucht ein Zuhause“ dem Deutschen Caritasverband wichtig sei, zeige sich daran, dass zum dritten Mal die Wohnungsproblematik das Thema der Jahreskampagne sei, betonte Gottfried Küppers, Geschäftsführer des regionalen Caritasverbandes.

(jwb)
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