Erkelenz: Akteure legen eine atemberaubende Sohle aufs Parkett

Erkelenz : Akteure legen eine atemberaubende Sohle aufs Parkett

„Sechs Tanzstunden in sechs Wochen”, hinter diesem etwas umständlichen Titel verbirgt sich eine äußerst spritzig-witzige und charmant-geistvolle Tanzkomödie des US-amerikanischen Autors Richard Alfieri, mit der in der Erkelenzer Stadthalle die Theatersaison 2011/2012 mit lang anhaltendem Beifall am Ende ihren krönenden Abschluss fand.

Dem 1952 geborenen Alfieri, Drehbuch-, Theater- und Romanautor, mit vielen Preisen und Ehrungen ausgezeichnet, ist mit dem nun in Erkelenz vom Landestheater Dinkelsbühl aufgeführten Lustspiel ein Stück gelungen, das, wie beim Clown, im Gewand des Spaßigen und Erheiternden auch sehr Ernsthaftes thematisierte, wie zum Beispiel die Problembereiche Vorurteile (gegen Homosexuelle) und Einsamkeit (von Alleinstehenden).

Die Story: Die 72-jährige Witwe Lily Harrison, früher mit einem leicht bigotten Baptistenprediger verheiratet, hat bei der Agentur „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen” einen Tanzlehrer zu sich nach Hause engagiert. Es erscheint der schwule ehemalige Revuetänzer Michael Minetti, der ein schnodderiges Mundwerk hat und mit delikaten Sprüchen auffällt. Zwischen den beiden, die sich anfangs anscheinend unversöhnlich gegenüberstehen, auch wegen ihrer so verschiedenen Viten, entwickelt sich im Laufe der Tanzstunden eine tiefe Freundschaft.

Esprit und Schlagfertigkeit

Bis es so weit ist, gibt es jede Menge auch aggressiver Dialoge, gewürzt mit Esprit und Schlagfertigkeit, in denen sich die so unterschiedlichen Charaktere bis an den Rand eines endgültigen Zerwürfnisses begeben. Und das Ganze ist nie langweilig, immer spannend und mit vielen unerwarteten Regieeinfällen von Stefan Haufe durchgehend unterhaltsam und auch zum Nachdenken über menschliches und allzu menschliches Verhalten. Dass dieses Lustspiel so gut über die Rampe kam, war in diesem Zwei-Personen-Stück vor allem auch den beiden Darstellern zu verdanken: Julia Eckers als Lilly und Thorsten Engels als Michael. Die beiden glänzten sowohl mit ihren schauspielerischen Fähigkeiten als auch mit ihren Tanzkünsten.

Ob bei Swing, Tango, Walzer, Foxtrott, Cha-Cha-Cha und modernem „Gezappele”, wobei der Tanzlehrer jeweils köstlich-informative Kommentare abgab zur jeweiligen Entstehungsgeschichte der einzelnen Tänze: Lily und Michael legten, um im Jargon der Tanzerei zu bleiben, eine atemberaubende Sohle aufs Parkett. Ginger Rogers und Fred Astaire hätten vor Neid erblassen können.

Es war ein rundum gelungener Theaterabend, der ein begeistertes Publikum hinterließ, das auch zwischendurch immer wieder durch viel Beifall seiner Verzauberung durch das Geschehen auf der Bühne Ausdruck verlieh.

Wie könnte man die Kritik einer Tanzkomödie besser abschließen als mit einem Wort des früheren Playboys und späteren Kirchenlehrers Augustinus? „Oh Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen.”