Wassenberg/Waldfeucht/Selfkant: Ärzte-Förderung wird zum Teil nur belächelt

Wassenberg/Waldfeucht/Selfkant : Ärzte-Förderung wird zum Teil nur belächelt

Es ist zumindest auf den ersten Blick ein verlockendes Angebot: Wer sich als Allgemeinmediziner in Waldfeucht oder Wassenberg niederlassen möchte, hat die Chance, vom Land Nordrhein-Westfalen hierfür bis zu 50.000 Euro einzustreichen.

Selbst in Selfkant wären immerhin noch bis zu 25.000 Euro drin. Der statistisch ermittelte Hausärztemangel, der in den nächsten Jahren vor allem durch das hohe Alter vieler Praxis-Inhaber in diesen Kommunen drohe, mache den Anreiz dringend erforderlich, um die medizinische Versorgung der Bevölkerung auch weiterhin zu sichern.

Die Begeisterung in der Ärzteschaft über den versprochenen Geldsegen ist jedoch durchaus geteilt. „Das ist ein Witz”, nimmt denn auch der Wassenberger Internist und Hausarzt Dr. Bernd Thissen kein Blatt vor den Mund. „Wenn man so reglementiert ist wie wir, wäre das Geld schon in einem Jahr verbraucht.”

Unter diesen Bedingungen einen Nachfolger zu finden, sei fast unmöglich. Und die Zeit dränge. „In den nächsten fünf Jahren muss etwas passieren”, verweist Thissen auf die Tatsache, dass vier der sechs Hausärzte in Wassenberg (Platz 21) schon 60 Jahre oder älter seien. „Aber sie kriegen nicht einmal einen Arzt zur Ausbildung. Es interessiert keinen.”

Gehört habe er von dem Problem schon, erklärt Herbert Thißen, Stellvertreter des Waldfeuchter Bürgermeisters, doch dass sich die 9500-Seelen-Gemeinde sogar auf Platz 5 der „bedrohten Kommunen” in Nordrhein-Westfalen befinde, überrasche ihn etwas. Derzeit gebe es zwei Hausärzte in Waldfeucht. Eine Ärztin im Ort Waldfeucht selbst und ein Arzt in Haaren.

Über diesen habe er gehört, dass er wohl in den nächsten Jahren aus Altersgründen in den Ruhestand gehen werde. Dass dadurch gleich eine Versorgungslücke zu befürchten sei, könne er ohne genaue Prüfung der Sachlage nicht bestätigen.

Besagter Arzt, Dr. Manfred Sommer, dürfte ihm die Sorge da schon etwas nehmen. „So schlimm wie es dargestellt wird, ist es sicher nicht”, meint er. Dennoch ergäbe sich zweifellos für die umliegenden Kollegen in den Nachbarkommunen eine Mehrbelastung, falls sich für ihn kein Nachfolger finde.

Den Grund für das Nachwuchsproblem bei den Landärzten hat der Mediziner wie sein Wassenberger Kollege schnell ausgemacht. „Wenn man vernünftig honoriert würde, nähmen die jungen Mediziner sicher auch die Nachteile in Kauf, die sich ergeben, wenn man aufs Land zieht.”

Im Verhältnis zu großen Städten fehlendes kulturelles Angebot und dürftige Verkehrsanbindungen minderten natürlich in den Augen so mancher Kollegen die Lebensqualität. „Ich arbeite jetzt schon wieder ohne Budget bis zum Ende des Quartals.”

Sein Pensionsalter habe er in zwei Jahren erreicht, sagt Sommer. „Ich würde auch früher aufhören, wenn ich einen jungen Kollegen fände, der die Praxis in meinem Sinne weiterführt. Das Interesse ist zum Glück nicht gegen Null.”

Einige Bewerber gebe es schon, doch die befänden sich noch in der Ausbildung. Die Förderung durch das Land begrüßt der Waldfeuchter Arzt, denn auf diese Weise würde der Schritt in die Selbstständigkeit auf dem Land zumindest erleichtert.

In der Gemeinde Selfkant, die noch auf Platz 101 der insgesamt 107 Kommunen mit prognostiziertem Hausärztemangel landet, habe das Thema noch nie auf einer Tagesordnung gestanden, erklärt Dirk Schwartzmanns, Leiter des Haupt- und Personalamtes.

Auch aus der Bevölkerung sei es bislang nicht an die Verwaltung herangetragen worden. Derzeit fühlten sich die knapp 10.000 Einwohner mit drei Hausärzten in Saeffelen, zwei in Tüddern und einem in Süsterseel offenbar gut betreut.