Kreis Heinsberg: Aboplus: „Herz“ und Hund, Wagen und Waffen

Kreis Heinsberg : Aboplus: „Herz“ und Hund, Wagen und Waffen

Der ­Besuch bei der Polizei hatte mehr als doppelte „Tatort“-Länge. Doch das „Drehbuch“, das die gastgebende Kreispolizeibehörde Heinsberg für diese exklusive Veranstaltung geschrieben hatte, sorgte dafür, dass keine Langeweile aufkam.

Die Spannung blieb bis zum Schluss erhalten und die (ausgelosten) 25 Abonnenten unserer Zeitung erhielten einen informativen Einblick in die Polizeiarbeit — und das realistischer als im Fernsehkrimi, versteht sich.

Schläge mit einem Knüppel können mit dem Einsatzmehrzweckstock ­abgewehrt werden: Dies demonstrierten die beiden Einsatztrainer Sinan Evren (r.) und Markus Beumers (l.) den Gästen mit einem Ausschnitt aus dem Trainingsprogramm. Fotos (5): Anna Petra Thomas
Schläge mit einem Knüppel können mit dem Einsatzmehrzweckstock ­abgewehrt werden: Dies demonstrierten die beiden Einsatztrainer Sinan Evren (r.) und Markus Beumers (l.) den Gästen mit einem Ausschnitt aus dem Trainingsprogramm. Fotos (5): Anna Petra Thomas Foto: Anna Petra Thomas

Die Gäste wurden von den beiden Polizei-Pressesprechern Karl-Heinz Frenken und Angela Jansen in Empfang genommen, von Liesel Machat, der Allgemeinen Vertreterin des Landrates, offiziell willkommen geheißen und von Polizeihauptkommissar Erik Dohmen (Personalwerber der Behörde) mit einem umfassenden Überblick versorgt: So erfuhren sie, dass Heinsberg eine der 29 von Landräten geführten Kreispolizeibehörden ist, die es in Nordrhein-Westfalen neben 18 Polizeipräsidien gibt.

Im Führungsraum laufen bei besonderen Lagen alle Fäden zusammen: Wie Erster Polizeihauptkommissar Kurt Schmitz (r.) erläuterte, ist dies zum ­Beispiel bei großen Demonstrationen oder Kontrollaktionen der Fall.
Im Führungsraum laufen bei besonderen Lagen alle Fäden zusammen: Wie Erster Polizeihauptkommissar Kurt Schmitz (r.) erläuterte, ist dies zum ­Beispiel bei großen Demonstrationen oder Kontrollaktionen der Fall. Foto: Anna Petra Thomas

Im Kreis arbeiten 372 der landesweit mehr als 50.000 Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten. Rund 60.000 Einsatzlagen, über 7200 Verkehrsunfälle, fast 17.500 Kriminalfälle im Jahr — drei Zahlen, die zum Ausdruck bringen, was die Kreispolizei zu tun hat.

Eine Maschinenpistole zeigte Einsatztrainer Reinhold Hambücker: Ihre rote Farbe signalisierte, dass es sich um eine Übungswaffe handelt.
Eine Maschinenpistole zeigte Einsatztrainer Reinhold Hambücker: Ihre rote Farbe signalisierte, dass es sich um eine Übungswaffe handelt.

Mit Blick auf die gerade beginnende „dunkle Jahreszeit“ wartete Kriminalhauptkommissar Jakob Liebernickel mit Vorbeugungstipps gegen Wohnungseinbruch auf. Einer der Bausteine: „Gute Nachbarschaft“! Bei verdächtigen Beobachtungen sollten die Bürger dem Bauchgefühl trauen und die 110 anrufen. Liebernickel wies auch auf das Angebot der Polizei zur kostenlosen, neutralen und unverbindlichen Beratung zum Schutz der Wohnung hin.

Rauschgiftspürhund Cooper bewies sein gutes Näschen: Im Mauerwerk fand er versteckte Amphetamine.
Rauschgiftspürhund Cooper bewies sein gutes Näschen: Im Mauerwerk fand er versteckte Amphetamine. Foto: Anna Petra Thomas

Termine könnten vereinbart werden unter Telefon 02452/9205555. Aus aktuellem Anlass durfte die Warnung vor falschen Polizeibeamten, die es vor allem auf Senioren abgesehen hätten, nicht fehlen. „Übergeben Sie niemals, niemals, niemals an der Haustüre Geld oder Wertsachen“, so die eindringliche Mahnung.

Der Rundgang durch das Polizeigebäude führte die Besucher zunächst dorthin, wo das „Herz“ der Behörde schlägt: Erster Polizeihauptkommissar Kurt Schmitz, Leiter des Führungs- und Lagedienstes, stellte mit Polizeihauptkommissar Ulf May den Raum vor, in dem bei besonderen Lagen wie großen Demonstrationen oder Kontrollaktionen alle Fäden zusammenlaufen und sogar Live-Bilder aus dem Hubschrauber auf Monitoren zu verfolgen sind. Einen Blick durften die Gäste in die Leitstelle werfen. Dort gehen die Notrufe über 110 ein (und nur für Notrufe sollte diese Nummer genutzt werden!) und werden die Streifenwagen per Funk in Marsch gesetzt.

Sein Können als Rauschgiftspürhund stellte Cooper, ein belgischer Schäferhund von Diensthundeführerin Kirsten Hauser, unter Beweis. Amphetamine und Heroin — in Fugen einer Mauerwand und an einem Fahrzeug versteckt — entdeckte er. Cooper ist alles andere als verfressen: Als Belohnung ist ihm Spielzeug viel lieber als Futter.

Streifenwagen und Motorrad durften ebenso inspiziert werden wie eine Geschwindigkeitsmess­anlage, die der Verkehrsdienst mit den Polizeihauptkommissaren ­Josef Neiß, Dieter Grün und Hans-Dieter Schumacher vorstellte. An Unfallhäufungsstellen werde gemessen, aber auch anderenorts, wo gerast werde, hieß es. Ziel sei es, das Temponiveau generell und damit die Unfallgefahr zu senken.

Schusswaffen (sowohl die Pistole Walther P 99 als auch MP5, eine Maschinenpistole von Heckler & Koch) durften die Gäste in der Schießhalle in die Hand nehmen — in Form unbrauchbar gemachter Übungswaffen, mit denen die Handhabung trainiert wird. In dieser Anlage, einer der modernsten der Polizei in NRW, wird aber auch scharf geschossen, kann beispielsweise die Begegnung mit einem Täter in einem Keller simuliert werden.

Der Gebrauch einer Schusswaffe als Notwehr oder Nothilfe sei immer „Ultima Ratio“, die letzte mögliche Lösung, so Einsatztrainer Reinhold Ham­bücker. Seine Kollegen Sinan Evren und Markus Beumers zeigten Ausschnitte aus dem Training mit dem Einsatzmehrzweckstock. Auch für diese Verteidigungswaffe gelte, dass ihre Träger den Umgang damit üben müssten — samt Prüfung.

Aber Sinan Evren betonte: Die wichtigste Waffe eines Polizisten sei die Stimme, denn mit Kommunikation und einem entsprechenden Auftreten sei viel zu erreichen. Trotzdem: Die Polizei muss für den Ernstfall gewappnet sein.

(disch)