Hückelhoven: Abonnenten unserer Zeitung zu Gast im Hückelhovener Besucherbergwerk

Hückelhoven : Abonnenten unserer Zeitung zu Gast im Hückelhovener Besucherbergwerk

Mit wie viel Herzblut Detlef Stab, der frühere stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Zeche Sophia-Jacoba, als Vorsitzender des Fördervereins Schacht 3 aktiv ist, um mit seinen engagierten Mitstreitern die Erinnerung an die Steinkohle und das Hückelhovener Bergwerk zu bewahren, dies durften Abonnenten unserer Zeitung vor Ort erleben.

Und sie waren begeistert, wie aus einer Reaktion per Mail am Tag danach abzulesen war: „Der Kumpel, der uns geführt hat, war Spitzenklasse. Und man merkte deutlich, dass er das mit Lust und Liebe macht!“

Mit einem kräftigen Glückauf, dem Gruß der Bergleute, hatte Stab die Gäste im Besucherbergwerk an der Sophiastraße willkommen geheißen. Nach einem informativen Film über die Arbeit der Bergleute auf Sophia-Jacoba tauchte er vor dem Lokomobil, einer Maschine aus dem Jahr 1906, die zum Antrieb des Bohrgestänges beim Abteufen der ersten Schächte gedient hatte, in die Geschichte der Zeche ein und rückte dabei vor allem Friedrich Honigmann in den Blickpunkt.

Denn der Sohn eines Bergmeistes war es, der — trotz anderer Einschätzungen des Bergamtes — an Kohlevorkommen an dieser Seite der Rur geglaubt hatte. Und er wurde fündig. Die ersten Schächte wurden abgeteuft. Doch die erste Kohleförderung im Januar 1914 hatte Honigmann nicht mehr erlebt: Im Dezember 1913 war er im Alter von 71 Jahren gestorben.

Beim Rundgang gab es Interessantes zu sehen: alte Grubenloks zum Beispiel, mit denen viele Strecken unter Tage zurückgelegt wurden. Heute ist die Grube mit Wasser vollgelaufen.

Eine Rettungsbombe — benannt nach ihrem ersten Einsatzort auf der Zeche Dahlbusch — weckte das Interesse das Besucher. War sie nicht zu eng? „„Wenn es ums Leben geht, wird man schlanker, als man glaubt“, antwortete Stab. Er erinnerte aber auch an Todesopfer, die im Zechenbetrieb zu beklagen waren. ­Das erste soll 1912 beim Abteufen aus einem Förderkübel in den Schacht gestürzt sein. Sicherheit sei immer ein ganz wichtiges Thema gewesen, so Stab. „Weil der eine auf den anderen aufpassen muss“, gerade deshalb hätten Bergleute immer eine „verschworene Gemeinschaft“ gebildet.

Eine solche verschworene Gemeinschaft bilde heute auch der harte Kern des Fördervereins, der jeden Donnerstagvormittag an Schacht 3 aktiv sei. Dann werde dort malocht bei SJ, denn: „Arbeit gibt es satt und genug“, so Stab. „Es kann nicht sein, dass alles platt gemacht wird.“ Dies sei damals der Gedanke gewesen, als der Einsatz für Schacht 3 begonnen habe.

Die Arbeitskleidung der Bergleute präsentierte er — samt der Helme von der Farbe Blau für den einfachen Bergmann bis zum weißen Helm der Aufsicht — ebenso wie den überlebenswichtigen CO-Filter-Selbstretter. In der Schachthalle war der ­Förderwagen mit der letzten, am 27. März 1997 zu Tage geförderten Kohle zu entdecken. Spätestens im Barbarastollen — einem Stollen unter Tage nachempfunden — machten 70 Meter Strecke und gut 20 Meter Streb sowie Maschinen und Arbeitsgeräte den Besuchern deutlich, wie der Kohleabbau betrieben wurde. Als Stab eine Bohrung ansetzte oder später Panzer und Hobel anwarf, wurde es laut. Dies verbunden mit der Vorstellung, dass die echten Bedingungen unter Tage auf der 600-Meter-Sohle mit flachen Streben natürlich weitaus härter gewesen sein müssen, vermittelte all des einen authentischen Eindruck von der Arbeit der Kumpel.

Auch auf das Ende der Zeche kam Detlef Stab zu sprechen: Zwar sei die in Hückelhoven gewonnene Anthrazitkohle „die beste Kohle, die es gibt“, zwar sei die Zeche eine der modernsten ihrer Art gewesen, aber letztlich seien die Schließungspläne immer konkreter geworden. Er erinnerte an den jahrelangen Kampf der Bergleute, der von vielen in der Region mitgetragen worden sei.

„Letztlich haben wir den Kampf verloren“, so Stab. „Die Politik wollte das so haben.“ Aber immerhin sei damals eine Zeitspanne bis 1997 gewonnen worden. Dass nun in diesem Jahr mit den letzten Zechenschließungen das Ende der Steinkohle in Deutschland bevorsteht, also „Schicht im Schacht“ sein wird, das ist nach Einschätzung von Stab ein Schritt, der unumkehrbar sein werde. Aber nicht ohne Stolz betonte er: „Ohne die Kohle wäre Deutschland nicht das geworden, was es heute ist.“

(disch)