Erkelenz: Abendkleid gegen die Uniform getauscht

Erkelenz : Abendkleid gegen die Uniform getauscht

Da hatte das Kulturamt der Stadt Erkelenz definitiv den richtigen Riecher.

Denn wer das Musical „Sing! Sing! Sing! - die Andrews Sisters” nach Buch und Regie von Mathias Christian Kosel mit ihrer hervorragenden Darbietung in der Stadthalle nicht besuchte, der hatte in der Tat einen unterhaltsamen und auch anspruchsvollen Abend verpasst.

Die Andrews Sisters, ein hervorragend miteinander harmonierendes Trio mit Charlotte Heinke (Patty), Victoria Fleer (Maxene) und Katrin Gerken (LaVerne), bestachen in dem Stück, das durchaus eine Hommage an die legendären Andrews Sisters ist, mit spürbarer Spielfreude sowie vor allem mit gesanglichen und tänzerischen Meisterleistung das Publikum.

Begleitet wurden sie dabei von der hervorragenden „Blue Eyes Swing Band” und so gab es einem Abend, der sicher unter dem Motto, „Mit Boogie gegen Bomben; Sing! Sing! Sing!” hätten heißen können.

Temperamentvoll ließ das Trio den Sound der damaligen Zeit mit ihren bekannten Hits wie „Rum and Coca Cola”, „Bella, bella Marie”, „Bei mir bist Du schön” oder „When the saints go marchin in” wieder aufleben. Die Akteurinnen hatten den Swing im Blut und boten sehr authentisch, charmant und auch souverän diese gelungene 30er Jahre-Revue.

Der Abend war umso gelungener, als dass Sängerinnen und Band sogar noch spontan improvisieren mussten und bewiesen, dass auch dies die Künstler allesamt vor keine Schwierigkeiten stellt. So war der Autor und Regisseur des Musicals, Mathias Christian Kosel, der die Rolle des Pianisten Wally Weschler spielt und bei der Band den Takt angibt, plötzlich erkrankt. So wurde er kurzerhand durch zwei Personen ersetzt.

Den Part am Flügel übernahm souverän Lorenz Bösche, den schauspielerischen der zwar völlig unvorbereitete Klaus Falkhausen, doch auch er ließ sich nicht beirren, und wusste das Publikum zu begeistern. Zwar hatte er stets einen Textordner auf der Bühne mit dabei, doch wusste er dies so geschickt und charmant in die Handlungen einzubauen, dass es auch durchaus ein Teil der Inszenierung hätte sein können.

Kurzum, es störte nicht im geringsten, ganz im Gegenteil, verlieh dies dem Stück, in dem die einzelnen Stationen der Andrews Sister von den Anfängen bis zum großen Durchbruch gezeigt wurden, gleich eine ganz besondere Note. Dazu gehörten vor allem ein erstes Vorsingen des jiddischen Liedes „Bei mir bist du schön”.

Das als „merkwürdig” bezeichnete Lied wurde zunächst abgelehnt, bildete dann aber den Auftakt zu einer der größten Karrieren im Show Business, wird diese Aufnahme doch der ersten weiblichen Gesangsgruppe eine Platinschallplatte einbringen. Der Anfang war alles andere als einfach.

Differenzen und liebevolle Kabbeleien blieben natürlich nicht aus. Die harte Arbeit zahlte sich aber aus, langsam kommt der Erfolg. Endlich 1941 die Chance: ein Konzert in New York. Die Andrews Sisters und ihr Pianist Wally Weschler erobern das Publikum im Sturm.

Das platzt mitten in die festliche Stimmung die Nachricht vom Überfall auf Pearl Harbour. Das ändert alles. Die Schwestern tauschen das Abendkleid gegen die Uniform und gehen auf Truppenbetreuung an die Front. Ihre Musik, ihr Swing, bringt den Kämpfenden und Verwundeten Trost und Hoffnung.

Nicht endend wollender Beifall, beendeten einen gelungenen Musicalabend.