Heinsberg: 6000 Euro für Unternehmer kein Anreiz

Heinsberg : 6000 Euro für Unternehmer kein Anreiz

Auf einen Geldsegen von bis zu 6000 Euro können sich Betriebe freuen, die einen sogenannten Altbewerber als Auszubildenden einstellen. Die Qualifizierungsoffensive der Bundesregierung will durch diese Offerte in den nächsten drei Jahren nach eigenem Bekunden 100.000 jungen Leuten eine Ausbildung ermöglichen, die bislang mit ihren Bewerbungen gescheitert sind.

Die Politiker hingegen sind voller Zuversicht, mit ihrem Vorstoß nicht zu scheitern. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die hochgelobte Idee wirklich so gut ist wie propagiert. Kann es auf diese Weise gelingen, auch solche Bewerber in einem Unternehmen unterzubringen, die aufgrund schlechterer Voraussetzungen bislang durch das Raster fielen?

„Für uns ist dies kein Anreiz”, lässt Bauunternehmer Gereon Frauenrath aus Heinsberg gleich zu Beginn keine Zweifel an seiner Einschätzung aufkommen. „Wir bilden seit rund 40 Jahren aus. Beinahe zwölf Prozent unserer Mitarbeiter sind Lehrlinge, die in insgesamt zehn Berufen ausgebildet werden. Aber wir holen nur die Leute, mit denen wir auch zukünftig erfolgreich sind.”

Natürlich könne er sich vorstellen, so Frauenrath, dass 6000 Euro für manchen kleineren Betrieb vielleicht ein Anreiz seien, „aber man muss jemanden einstellen, weil man davon überzeugt ist und nicht, weil es dafür 6000 Euro gibt. Eine Entscheidung nur wegen des Geldes ist sicher falsch”. Frauenrath sieht den 6000-Euro-Bonus in einer Reihe von Versuchen, „die man macht, weil etwas angeschoben werden soll”.

Auch Peter Knarren, Personalleiter der Florack-Bauunternehmung, hat eher Bedenken im Hinblick auf die Wirkung der bundespolitischen Initiative. „Ich bin äußerst skeptisch, ob das eine positive Wirkung haben wird. Wenn einer die Fähigkeiten nicht besitzt, wird er auch durch 6000 Euro nicht besser. Das Geld kann mich nicht reizen, einen langjährig Arbeitslosen jungen oder mittleren Alters einzustellen.”

Bei Florack würden in sechs Berufen grundsätzlich nur solche jungen Leute ausgebildet, die danach in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen werden könnten. „Wir wollen keine späteren Arbeitslosen produzieren.” Im Allgemeinen sei es nicht schwer, geeignete Bewerber zu finden, lediglich beim Berufsbild des Kanalbauers sähe dies aufgrund des „Schmuddelimages” schlechter aus. Dies sei aber ein generelles Problem in der Branche.