Kreis Heinsberg: 35 Jahre lang zuhören und Trost spenden

Kreis Heinsberg : 35 Jahre lang zuhören und Trost spenden

Neun Grad Celsius, Nieselregen und ein erfrischender Wind — dazu ein Nebel, der sich wie eine Decke über das Meer legte: So kamen die 30 Frauen und Männer, die bei der TelefonSeelsorge Düren-Heinsberg-Jülich arbeiten, auf der Nordseeinsel Norderney an.

Für fünf Tage lang war die Hälfte der Telefon-Seelsorge-Belegschaft auf Norderney.

Anlass für diese Reise war die Tatsache, dass vor genau 35 Jahren die Telefon-Seelsorge Düren-Heinsberg-Jülich ihre ersten Mitarbeiterinnen ausgebildet hat, um im darauffolgenden Jahr ihren Dienst am Telefon aufzunehmen.

Seitdem ermöglicht das Bistum Aachen die Telefon-Seelsorge in der Region, seit 1990 zusammen mit dem Evangelischen Kirchenkreis Jülich.

Die Zahl der Anrufe über die Jahre lässt sich nicht genau bestimmen: zwischen 350.000 und 400.000 Telefonseelsorgen hat es gegeben. Allein im vergangenen Jahr führten die Mitarbeiter 16.500 Telefonate.

Streit, Not, Leid und Tod

Ob Tag und Nacht, feiertags, wochentags oder sonntags: die Telefon-Seelsorge ist rund um die Uhr besetzt. „Wer hier anruft, findet am anderen Ende der Leitung einen Menschen, der sich für sie oder ihn Zeit nimmt, zuhört und innerlich mitgeht“, sagt Pfarrerin Kirsten Prey. Streit in der Familie, Einsamkeit, finanzielle Not, Gewalt, Suizid, die Arbeit oder das Fehlen einer Aufgabe, die Pflege von Angehörigen oder die Erfahrung von Leid und Tod sind nur einige der Themen, die in der Telefon-Seelsorge auf offene Ohren treffen.

Die Telefon-Seelsorge arbeitet hauptsächlich mit ehrenamtlichen Frauen und Männern, wobei die Seelsorger anonym bleiben.

Wer anruft, muss übrigens auch nicht seinen Namen nennen: jeder Anrufer kann anonym bleiben. Zum Schutz der Anonymität der Anrufenden können die Seelsorger auch nicht die Rufnummer der anrufenden Person sehen. „Wir möchten, dass jeder mit uns ein vertrauensvolles Gespräch führen kann. Dass alle Gespräche der Verschwiegenheit unterliegen, ist für uns selbstverständlich“, so Pfarrerin Kirsten Prey.

Seit zehn Jahren arbeitet die Telefon-Seelsorge Düren-Heinsberg-Jülich auch in der Telefon-Seelsorge per Mail mit. Dabei gelten dieselben Regeln der Anonymität und Verschwiegenheit — und eine besondere Sicherung der Daten im Internet.

„Ehrenamtlich bei der Telefon-Seelsorge mitzuarbeiten ist bereichernd, fordernd und für viele, die einmal bei uns angefangen haben, ein Ehrenamt, das sie gerne über Jahre hinweg ausüben“, sagt Kirsten Prey und betont: „Sonst wären nicht noch zwei Frauen der ersten Stunden bei uns aktiv.“

Natürlich waren diese beiden Urgesteine auch mit auf Norderney. „Alle 30, die wir unterwegs waren, sind so mancher Stürme und Turbulenzen, in die das Leben einen führen kann, Zeugen geworden. Da ist so ein bisschen Regen, Kälte oder Wind, wie wir ihn auf der Insel erlebt haben, gut zu ertragen. Einige von uns betonen immer noch, dass wir ja auch die Sonne gesehen hätten auf unserer Fahrt, auch wenn nicht alle gerade in jenen fünf Minuten draußen waren, als sie sich am Himmel zeigte...“