Kreis Heinsberg: 32 Lehrkräfte fehlen aktuell an Grundschulen

Kreis Heinsberg : 32 Lehrkräfte fehlen aktuell an Grundschulen

„Zum Schulstart fehlen viele Lehrer in NRW“: Die Tatsache, dass zu Beginn des neuen Schuljahres wieder viele Lehrerstellen unbesetzt gewesen sind, hatte für Schlagzeilen gesorgt. Der Lehrermangel treffe vor allem Grundschulen, hieß es.

Und vor ­einigen Tagen folgte die Nachricht, Gymnasial- und Gesamtschullehrer sollten in Nordrhein-Westfalen die Personallücken an Grundschulen füllen. Mehr als 2400 Lehramtsanwärtern und Lehrern der Sekundarstufe II, die noch keine Stelle haben, sei ein vorübergehender Job in Grundschulen angeboten worden, hatte das NRW-Schulministerium mitgeteilt. Wer auf das Angebot eingehe, werde sofort in ein Dauerbeschäftigungsverhältnis übernommen.

„Von den offenen Lehrerstellen im Land konnte zum Schuljahresbeginn nur etwa jede zweite besetzt werden. Besonders großer Mangel herrscht an den Grundschulen.“ So wurde vor wenigen Wochen aus der Landeshauptstadt Düsseldorf berichtet. „Ohne langfristige Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Lehrerkräfte geraten vor allem Grundschulen weiter in Bedrängnis“, stellte jetzt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fest.

Müssen sich die Eltern von Grundschulkindern ganz ­aktuell, aber auch in Zukunft — dann vielleicht noch mehr — Sorgen machen? Schulamtsdirektor Christoph Esser erklärte auf diese Frage: „Natürlich würden wir uns wünschen, wenn alle Stellen im Grundschulbereich besetzt werden könnten, was zurzeit leider nicht gelingt. Da wir in allen Grundschulen eine ausreichende Grundversorgung haben, ist eine übertriebene Sorge aus meiner Sicht jedoch nicht angebracht.“

An den 49 Grundschulen im Kreis arbeiten laut Esser zurzeit circa 600 Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer, die insgesamt 495 Stellen besetzen würden. Dazu kämen 54 sonderpädagogische Lehrkräfte (35 Stellen) im Bereich des Gemeinsamen Lernens sowie weitere fünf Lehrkräfte in der Vertretungsreserve. Im aktuellen Ausschreibungsverfahren werden nach seinen Angaben für die Grundschulen im Kreis Heinsberg noch zwölf Grundschullehrer und neun Sonderpädagogen für einzelne Schulen, dazu elf Lehrkräfte für die Vertretungsreserve gesucht.

„Wenn es durch kurzfristige Ausfälle zu besonderen Engpässen an einzelnen Schulen kommt, werden Lehrkräfte von der einen an die andere Schule abgeordnet“, erklärte der Schulamtsdirektor.

„Dadurch sowie durch Mehrarbeit von Lehrerinnen und Lehrern gelingt weitestgehend eine ungekürzte Unterrichtsversorgung. Dass Unterrichtsstunden ersatzlos ausfallen, ist lediglich in Einzelfällen zu verzeichnen und hängt dann mit dem plötzlichen Ausfall gleich mehrerer Kräfte an einer Schule zusammen“, so Esser weiter.

Zu den Einsätzen von Gymnasial- und Gesamtschullehrern an Grundschulen sagte der Schulamtsdirektor: „Natürlich wünschen wir uns ausgebildete Lehrkräfte mit Lehramt Grundschule, die auch langfristig an unseren Schulen arbeiten. Wir sind aber froh über jede Unterstützung. Unsere Erfahrungen mit Gymnasial- oder Gesamtschullehrern, die vertretungsweise in Grundschulen des Kreises gearbeitet haben beziehungsweise arbeiten, sind so positiv, dass wir diesem Personenkreis sehr offen gegenüberstehen. Im Übrigen bestätigen mir diese Kolleginnen und Kollegen immer wieder, wie wertvoll und im wahrsten Sinne des Wortes lehrreich die Grundschulerfahrung für die persönliche Weiterentwicklung gesehen wird.“

GEW fordert: „Der Lehrerberuf muss insgesamt attraktiver gestaltet werden.“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sprach von alarmierenden Rückmeldungen der Personalvertretungen nicht nur aus dem Grundschulbereich, sondern auch aus den Schulen der Sekundarstufe I im Kreis Heinsberg. Sie würden bestätigen: zu wenig oder keine Bewerbungen für vakante Stellen, kein Personal für die dringend erforderliche Vertretungsreserve.

Der GEW-Kreisvorsitzende Klaus D. Lange erklärte: „Die Folgen des Lehrerkräftemangels sind evident: zusätzlich hohe Belastungen des Kollegiums und massive Überforderungen mit steigenden Krankmeldungen. Die Schulen gehen am Krückstock. Die Heinsberger GEW hat schon im vergangenen Jahr rasche Abhilfe durch zeitlich befristete Notmaßnahmen gefordert, um vordringlich die teils gravierenden Unterschiede zwischen den Regionen, aber auch die lehramtsspezifischen Defizite bei der Lehrerversorgung abzubauen.“ Die Lage auf dem Lehrkräftearbeitsmarkt spitze sich durch einen Schüler-Boom weiter zu. Für den Kreis Heinsberg bedeute dies: „Über 200 Lehrkräfte werden in absehbarer Zeit fehlen.“

Klaus D. Lange zeigte sich davon überzeugt: „Der Lehrerberuf muss insgesamt attraktiver gestaltet werden: durch mehr Entlastung und eine zügige Besoldungsreform, die die Bezahlung aller Lehrkräfte unabhängig von der Schulform nach A 13 Z garantiert.“

(disch)