Erkelenz: 19-Jährige will bei Olympia an den Start gehen

Erkelenz : 19-Jährige will bei Olympia an den Start gehen

Christina Zwirner ist eine der bekanntesten Sportlerinnen in Erkelenz. Gleich dreimal konnte die 19-jährige den Titel der Sportlerin des Jahres holen. Doch die heimischen Auszeichnungen sind nicht das einzige, was sie sammelt.

Denn Christina ist eine durchaus heiße Anwärterin auf einen Platz im deutschen Olympia-Team für London 2012. Ihre Strecke sind die 400 Meter. Über diese Distanz nahm sie jetzt auch an der U20-Europameisterschaft im estnischen Tallinn teil.

Und das durchaus mit Erfolg, denn in der Einzelwertung schaffte sie es auf den elften Platz, in der Staffel sogar auf Platz drei. Nach der Rückkehr verabschiedete sie sich erst einmal in den Urlaub, bevor sie in dieser Woche ihre Ausbildungsstelle bei der Raiffeisenbank in Lövenich antrat. Denn obwohl eine internationale sportliche Karriere auf Christina warten könnte, ging sie erst einmal ganz bodenständig auf „Nummer sicher”.

Im Anschluss an die Ausbildung wäre auch ein Sportstudium denkbar, doch das ist Zukunftsmusik. Im August hat die Leichtathletin zuerst einmal die deutsche Jugendmeisterschaft in Jena vor sich, wo sie auf ihrer 400-Meter-Distanz antritt. Ende August wird sie diese Saison mit der Deutschen Jungend-Meisterschaft im Mehrkampf in Vatterstätten abschließen.

Das Training wird natürlich auch im Winter fortgesetzt, wie ihr Vater Detlef auf Nachfrage betonte. „Nach dem Wettkampf ist vor dem Wettkampf”, erklärte er. „Dabei muss sie darauf achten, dass sie Arbeit und Sport in Einklang bringt.” Das ist bei sechs Trainingseinheiten von jeweils zwei Stunden pro Woche nicht immer einfach.

Zwirner, der die sportliche Entwicklung seiner Tochter seit Jahren begleitet und nach Kräften fördert, erinnert sich an die Anfänge. „Im Urlaub am Strand habe ich bemerkt, wie schnell Christina laufen kann”, erinnert er sich. Da war sie acht Jahre alt.

Die Eltern beschlossen, die sportliche Tochter im Sportverein anzumelden. Dort entwickelte sie sich prächtig und konnte ihre Leistungen stetig verbessern. Bis zum „Knackpunkt”, der 2008 kam.

Auf der 400-Meter-Hürdenstrecke wurde ihr eine Hürde zum Verhängnis. „Danach hatte sie eine Blockade im Kopf und zu großen Respekt vor den Hürden”, so der Vater. Ein Jahr später wurde aber der deutsche Leichtathletikverband (DLV) auf die junge Erkelenzerin aufmerksam, der sie zur U18-Qualifikation für das Europäische Jugend Olympia Festival (EJOF) in Tampere einlud. Dort erlief Christina sich die Silbermedaille.

Für welche Wettbewerbe bis hin zur Teilnahme an der Olympiade sich ein Sportler qualifiziert, hängt von den jeweiligen Ergebnissen in der Saison ab. Christina Zwirner kann sich neben ihrer Hausdistanz von 400 auch für die 800 Meter qualifizieren.

In diesem Jahr schaffte sie auf der Distanz mit 2:08 Minuten ihre persönliche Bestzeit und verfehlte die Qualifikation für die Europameisterschaft nur knapp. „Sie wird von Jahr zu Jahr besser”, erklärt der Vater. „Ihre Blütezeit hat sie sowieso noch vor sich.”

So viel Ehrgeiz ist aber auch für manche ein bisschen verdächtig. Einer Nachbarin, die besorgt fragte, ob der viele Sport dem Mädchen denn noch Spaß mache, antwortete die Mutter scherzhaft: „Nein, tut es nicht. Aber sie bekommt erst nach drei Runden etwas zu essen.”

Auch Bruder Stefan ist sportlich aktiv. Ihn reizt es aber mehr, mit dem Tennisschläger auf dem Court den Bällen nachzujagen. Christinas Ziel sind ganz klar die Olympischen Spiele.

Wenn es im nächsten Jahr in London nicht klappt, dann eben die nächsten. Mit 19 Jahren ist sie jung und steigerungsfähig genug, um es auch zu schaffen. Einen positiven Nebeneffekt hatte die Sportbegeisterung der Tochter aber auch für den Vater: Als es bei ihr losging, hörte er mit dem Rauchen auf. „Dass ich weiter rauche, hätte ich ihr sicherlich nicht vermitteln können.”