Heinsberg: 150 Papiersterne als Zeichen der Hoffnung

Heinsberg : 150 Papiersterne als Zeichen der Hoffnung

Mit einem Beitrag zur Versöhnung zwischen den Völkern haben sich Schüler verschiedener Klassen der Realschule Heinsberg zur Vorweihnachtszeit beschäftigt.

Über 150 Papiersterne als Zeichen der Hoffnung und Verbundenheit wurden gebastelt und mit den Namen der Schüler versehen. Sie werden in der ukrainischen Stadt Piski zum orthodoxen Weihnachtsfest am 6. Januar an einem großen Weihnachtsbaum aufgehängt.

Der Hintergrund dieser Aktion beruht jedoch auf einer schlimmen Tragödie. Am 28. Dezember 1942 wurde das Dorf Piski, 75 km östlich von Kiew gelegen, von Sondereinheiten der SS in einer Vergeltungsaktion fast vollständig zerstört.

Nach historischen Zeugnissen kamen dabei 2000 Menschen ums Leben. 300 davon suchten verzweifelt Schutz in der hölzernen Ortskirche, in der Hoffnung, dass die Angreifer vor dem Gotteshaus Halt machen würden.

Doch die Kirche wurde in Brand gesteckt. Die Menschen darin verbrannten bei lebendigem Leibe. Die Kirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit wurde bis zum heutigen Tag nicht wieder aufgebaut. Noch heute feiern die Gläubigen ihre Gottesdienste unter freiem Himmel.

Die Organisation „Kirchen für den Osten e.V.” hat es sich zur Aufgabe gemacht, unter anderem die im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kirchen in der Ukraine und den anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion mit Spendengeldern wieder aufzubauen. Im Rahmen dieses Versöhnungsprojektes werden orthodoxe wie katholische Kirchen wieder errichtet. Schon 26 Kirchen und Kapellen konnten bisher aufgebaut werden.

In Piski wurde damit auch begonnen. Am 28. Dezember 2002, genau 60 Jahre nach dem Massaker, fand die Grundsteinlegung für die neue Kirche statt. Selbst der deutsche Botschafter Dietmar Stüdemann hatte sich hierzu eingefunden. Mit Spannung erwarten die Menschen die Fertigstellung des Bauwerkes, mit der schon Ende nächsten Jahres gerechnet werden kann, wenn die finanziellen Mittel fließen.

Die Idee, mit selbstgebastelten Sternen die Verbundenheit der Menschen in Deutschland mit denen in der Ukraine aufzubauen, wurde von Hubert Liebherr initiiert. Der ehemaliger Mitinhaber der Liebherr-Werke und Vorsit-zende von „Kirchen für den Osten” hatte im Sommer dieses Jahres bei einer Vortragsveranstaltung über seinen persönlichen Weg zum Glauben Kontakte geknüpft und von seinem Engagement berichtet.

Die Realschule Heinsberg mit Schulleiter Reinhard Welters hat sich vor Weihnachten spontan bereit erklärt, die Botschaft der Sammelaktion auch in den Unterricht zu tragen. Unterstützt von den Lehrerinnen Marga Ammann und Anna Reiners wurden die Kinder unterschiedlicher Jahrgangsstufen mit dem Versöhnungsgedanken der Aktion konfrontiert.

„Sofort haben sich die Schüler diesem Gedanken geöffnet und mit Begeisterung die Sterne gebastelt,” so Ammann. Gerade Kinder verstehen es, mit dieser Aktion über Hunderte von Kilometern hinweg den Geist von Versöhnung und Frieden lebendig werden zu lassen. „Besonders die Kinder deutscher Aussiedler aus Russland und den anderen GUS-Staaten fühlten sich dieser Aktion verbunden”, so Reiners weiter. „Weihnachtsgrüße in kyrillischer Schrift unterstreichen dabei eindringlich die Solidarität mit der alten Heimat.”

Die Tatsache, dass nunmehr über 150 Sterne der Versöhnung „auf Reisen” gehen, dient aber auch einen weiteren Zweck. Sie soll die Mitmenschen motivieren, diese Aktion zu unterstützen und einen wichtigen finanziellen Baustein leisten, damit dieses Versöhnungsprojekt Wirklichkeit werden kann.