Das Helikopter-Team von Christoph Europa 1 rettet Leben Das Helikopter-Team von Christoph Europa 1 rettet Leben

Jede Sekunde kann entscheidend sein : Das Helikopter-Team von Christoph Europa 1 rettet Leben

Die Luft flimmert über der Startbahn des Flughafens Würselen-Merzbrück und das Thermometer hat bereits die 27 Grad-Marke überschritten. Vor dem Hangar leuchtet der gelbe ADAC-Hubschrauber in der Sonne.

Im angrenzenden Gebäude erholt sich gerade Dr. Wolfgang Jussen vom letzten Einsatz. Der erfahrene Notfallarzt und Anästhesist ist seit knapp 30 Jahren Teil des fliegenden Rettungsteams. Rund zwei- bis dreimal im Monat arbeitet er als Notarzt im Hubschrauber „Christoph Europa 1“. Aufgrund der Urlaubszeit ist er in diesem Monat sogar viermal im Einsatz.

„Ich arbeite ansonsten als Anästhesist im Rhein Maas-Klinikum und gehöre dort zum dem etwa 25-köpfigen Notarztteam, das luft- und bodengebundene Notarzteinsätze sowie Intensivtransporte durchführt", erklärt Jussen. Seine Schicht hat um halb sieben morgens mit den Vorbereitungen für den Start des Hubschraubers begonnen. Sie endet mit Einbruch der Dunkelheit. Im Winter ist das um 17 Uhr, im Sommer um etwa 22 Uhr.

Kein Tag ist wie der andere

„Die einzelnen Einsatztage sind nie miteinander vergleichbar. Es gibt Tage, da gibt es zehn bis elf Einsätze und man ist quasi permanent in der Luft. An anderen Tagen wiederum ist es stundenlang ruhig und es gibt nur drei bis vier Einsätze.“ Jussens ständiger Begleiter ist ein kleiner Pieper. Diesen muss er während des Dienstes stets bei sich tragen. „Wir müssen jederzeit mit einem Einsatz rechnen. Wenn wir gerade etwas essen, lassen wir den Teller einfach stehen und wärmen das Essen Stunden später in der Mikrowelle wieder auf.“

Notfallarzt Dr. Wolfgang Jussen (Mitte) mit seinen Kollegen. Foto: Eric Claßen

Unter zwei Minuten brauchen Jussen und seine beiden Mitstreiter, der Pilot und der sogenannte „HEMS“ (Helicopter Emergency Medical Service Crew Member), um im Ernstfall abzuheben. „Alle Abläufe sind geschult. Wie bei Zahnrädern muss alles ineinanderlaufen, damit man keine Zeit verliert. Jede Sekunde kann am Ende entscheidend sein“, verrät der Arzt. „Wir sind ein Team und unterstützen uns während der Einsätze gegenseitig.“ So halten Jussen und der HEMS in der Luft Ausschau nach geeigneten Landeplätzen für den Hubschrauber. Denn jeder Unfallort ist eine neue Herausforderung.

Zwar ist der ADAC-Helikopter deutlich kleiner als sein Vorgänger – ein alter Bundeswehrhubschrauber – doch auch der gelbe Heli benötigt den Platz eines Wendehammers oder einer Straßenkreuzung, um sicher landen zu können. „Wir werden regelmäßig geschult, wie wir gefahrenfrei aussteigen können, wenn der Rotor noch läuft. Das ist wichtig, denn in der Vergangenheit sind Menschen bei einer Unachtsamkeit schon schwer verletzt oder sogar getötet worden. Wir nehmen das Thema Sicherheit, auch wenn sich solche Unfälle bei uns bisher nicht ereignet haben, sehr sehr ernst“, betont der erfahrene Notarzt.

Schneller in den Schockraum

Während der Pilot im Einsatzfall stets am Helikopter bleibt, wird Jussen vom HEMS unterstützt. Der ist mehr als nur Sanitäter, weil er auch als Navigator fungiert und den Notarzt während des Flugs bei der Behandlung des Patienten unterstützt. Noch bevor der Hubschrauber abhebt und das jeweilige Krankenhaus ansteuert, werden die Ärzteteams vor Ort umfassend von Wolfgang Jussen und seinen Notarztkollegen informiert. Auch die Angehörigen der Unfallopfer werden umgehend kontaktiert. „Idealerweise ist alles schon vorbereitet, wenn wir auf dem Landeplatz ankommen. Dabei helfen die neuen Landeplattformen, die es beispielsweise in Würselen, Aachen oder Eschweiler gibt. Denn nun können die Patienten im Notfall viel schneller in den Schockraum transportiert werden.“

Würselen-Köln in 13 Minuten

Schnelligkeit ist sowieso einer der großen Pluspunkte des Hubschraubers. Mit rund 240 Kilometern pro Stunde fliegt der „Gelbe Engel“ in einer Höhe von 300 Metern durch die Lüfte. Für die Strecke von Würselen bis zur Uniklinik in Köln benötigt er so gerade einmal 13 Minuten. In einem Radius von etwa 60 Kilometern wird der Helikopter grenzüberschreitend eingesetzt, auch in Ostbelgien und Südlimburg. Unfallschwerpunkte sind die Autobahnen A4 und A44 sowie der Eifelbereich rund um Blankenheim und Nettersheim. „Von dort bringen wir auch regelmäßig Patienten nach Bonn", berichtet Wolfgang Jussen. Disponiert werden alle Einsätze von der Rettungsleitstelle der StädteRegion Aachen.

Besonders bei Wirbelsäulenverletzungen wird der Hubschrauber eingesetzt, weil die Unfallopfer dann wesentlich schonender transportiert werden können. Das ist ein großer Vorteil gegenüber einem bodengebundenen Transport zu einem Wirbelsäulenzentrum. Ein Nachteil des Hubschraubers ist die Landung in dicht besiedeltem Gebiet. Das ist nicht immer einfach. „Wir orientieren uns an den Hausnummern. Deshalb würde es uns helfen, wenn immer alle Hausnummern gut zu erkennen und nicht durch Büsche oder Bäume verdeckt sind. Das kann im schlimmsten Fall entscheidend für die Lebensrettung sein“, so der Arzt.

Ab und an besuchen ihn in Merzbrück auch Kinder mit ihren Eltern, denen Dr. Wolfgang Jussen bei einem Notfall helfen konnte. „Das sind schöne Momente, an die man sich gerne zurückerinnert.“ Und dann kümmert sich der Arzt wieder um das Auffüllen der Medikamente und Utensilien. Schließlich kann der nächste Einsatz jederzeit kommen.

(pr)