2020 soll das Silent Air Taxi seinen Jungfernflug absolvieren

Ein Schuh geht in die Luft : 2020 soll das Silent Air Taxi seinen Jungfernflug absolvieren

StreetScooter, e.GO Life – den Straßenverkehr der Zukunft hat Prof. Dr. Günther Schuh bereits maßgeblich mit angeschoben. Jetzt geht er auch in die Luft, mit dem Silent Air Taxi, dem Projekt der Firma e.SAT GmbH in Zusammenarbeit mit der FH und der RWTH Aachen. Chief Financial Officer Schuh kümmert sich dabei um das Finanzielle.

2022 soll der Jungfernflug stattfinden, 2024 die Musterzulassung für den Fünfsitzer (Pilot plus vier Passagiere) da sein, der mit 300 km/h Reisegeschwindigkeit eine Reichweite von 1000 Kilometern haben soll und mit einer Start-/Landebahn von nur 400 Metern Länge auskommt. Leise (im Abstand von 300 Metern soll das Silent Air Taxi nicht von normalen Alltagsgeräuschen zu unterscheiden sein) und günstig (ein Flug zum Preis eines Erste-Klasse-Bahntickets) soll das Lufttaxi sein. Und flexibel, wie ein Taxi auf Abruf, mit einem Hybridantrieb, der Verbrennungs- und Elektromotor kombiniert.

„Die Idee ist aus der Realität geboren“, sagt Schuh, selbst Inhaber einer Privatpilotenlizenz. Die Wirklichkeiten in diesem Fall: das generelle Dezibel-Problem für Anwohner von Flughäfen und ein spezielles der Aachener. „Aachen liegt verkehrstechnisch weit vom Schuss. Wenn wir etwa mehrere Konferenzen in Aachen anberaumen möchten, stöhnen die Teilnehmer schon, wie sie zu uns kommen sollen.“ Lösung: das Silent Air Taxi. Dreieinhalb Jahre haben die Protagonisten an der Idee herumgebastelt, mit der finalen Erkenntnis, „dass es wohl gehen wird“, unterstreicht Schuh. Das Taxi sei dabei kein Verkehrsmittel, das auf die Masse abzielt, so Schuh, „sondern auf Dringlichkeit. Das Silent Air Taxi soll da zum Einsatz kommen, wo Manager X mal spontan und schnell zu einem Meeting in die Stadt Y muss.“

Auch wenn man beim autonomen Fliegen weiter ist als beim autonomen Autofahren, sollen die Lufttaxis einen Piloten haben. „Autonomes Fliegen sehe ich im Moment nur, wenn es um den Bereich Cargo geht“, sagt Schuh, also den Transport von Waren. Mehr als 450 Kilogramm Zuladung sollen mit den Lufttaxis möglich sein. „Ich glaube, dass autonomes Fliegen mit Passagieren bei letzteren zurzeit noch nicht auf die große Akzeptanz stoßen würde“, sagt Schuh.

Innovation statt Lärm

Die Macher des Fluggeräts von links: Prof. Dr. Frank Janser, Dr. Stefan Weber, Lars Wagner, Prof. Dr. Günther Schuh, Prof. Dr. Stumpf und Prof. Dr. Peter Jeschke. Foto: e.SAT GmbH

Ein Hauptaugenmerk bei der Entwicklung des Silent Air Taxis lag auf dem Propeller. „70 Prozent des Lärms entstehen in der Propellerspitze“, sagt Schuh. Ursächlich ist ein physikalisches Phänomen im Rahmen des Zusammenspiels von Unter- und Überdruck, das letztlich einen Knall entstehen lässt, wobei der Lärm, um es mal vereinfacht darzustellen, dann die Summe aller erzeugten „Knalle“ ist.

Im Silent Air Taxi haben die Ingenieure die Lärmentstehung mit Vielblattpropellern stark reduziert. Und damit es sowohl leicht und aerodynamisch effizient als auch stabil ist, haben sie dem Fluggerät „Boxwings“ verpasst, zwei übereinanderliegende Flügelpaare, in diesem Fall zu einem Rechteck, der Box, verbunden. Ein bewährtes Flugsystem: Schon Doppeldeckern haben übereinanderliegende Flügel zu mehr Auftrieb bei niedrigem Strukturgewicht verholfen. Weiterhin wird so die Entstehung von Wirbeln stark vermindert, weshalb die aerodynamische Effizienz steigt.

Auch wenn das Silent Air Taxi nicht als Transportmittel für Alltagspendler gedacht ist, beschäftigen den Professor und seine Mitstreiter schon Ideen, wie man auch mehr als nur vier Passagiere befördern könnte. „Bis zu 20“, kann er sich vorstellen. „Aber erst wollen wir mal die Musterzulassung für den Fünfsitzer in der Tasche haben – das hat in Europa bisher noch keiner geschafft ...“. Und immerhin wollen Schuh und seine Mitarbeiter mehrere hundert Silent Air Taxis jährlich in die Luft bringen.

(pr)