Kreis Heinsberg: 633 Ratsuchende in der Beratungsstelle für Suchtfragen

Kreis Heinsberg: 633 Ratsuchende in der Beratungsstelle für Suchtfragen

„2016 ist ein besonderes Jahr, da wir auf 30 Jahre zurückblicken und deshalb ein Jubiläum feiern.“ Diese Feststellung traf Marlies Trapp, Leiterin der Beratungsstelle für Suchtfragen in Hückelhoven, bei der Vorstellung des Jahresberichts 2015 von dieser Einrichtung, die vom Caritasverband für die Region Heinsberg in Kooperation mit dem Diakonischen Werk des Kirchenkreises ­Jülich getragen wird.

„Wie wir die Arbeit leisten, schlägt sich in den Zahlen nieder“, erklärte Trapp. Die Beratungsgespräche würden sehr gut angenommen. Dies zeige sich daran, dass die Nachfrage von 612 Personen im Jahr 2014 auf 633 Personen im Jahr 2015, also um 3,4 Prozent, gestiegen sei. „Das freut uns sehr. Es zeigt, dass der Umzug an den neuen Standort in keiner Weise von Nachteil zu sein scheint“, betonte sie.

Gleichzeitig erklärte sie, dass es weiterhin die Wartelisten gebe, um der erhöhten Klientenzahl bei unveränderter Mitarbeiterzahl mit gleichbleibend hoher Qualität begegnen zu können. „Ein Erstzugang ist über unsere offene Sprechstunde jederzeit möglich“, unterstrich Trapp. Erst bei einem Folgetermin werde der Klient auf eine Warteliste gesetzt, wobei die Wartezeit im Schnitt nicht länger als drei bis vier Wochen dauere.

Von den 633 Personen seien 431 sogenannte Intensivklienten, die mehrere Beratungsgespräche in Anspruch genommen haben. „Dies ist die höchste Zahl, die wir je hatten“, so Trapp. 465 Klienten seien wegen einer eigenen Suchtmittelproblematik gekommen, 168 seien Bezugspersonen, in erster Linie Familienangehörige, gewesen.

Ihren Ausführungen zufolge kamen die meisten Klienten wegen einer Alkoholproblematik — und zwar 177 Menschen; im Jahr zuvor seien es zehn mehr gewesen. Erstmals jedoch sei eine Zunahme von Klienten mit illegalem Drogenkonsum zu verzeichnen. „Wenn ich alle Konsumenten illegaler Drogen summiere, ergibt sich mit 240 Klienten erstmals ein höherer Anteil an Konsumenten illegaler Drogen als Konsumenten legaler Suchtmittel“, betonte Trapp.

Besonders die Zahl der Cannabiskonsumenten, die in die Beratung gekommen seien, habe zugenommen. „Der Wirkstoffgehalt von Cannabis ist höher als noch vor 30 Jahren. Der Konsum führt zu schweren gesundheitlichen Problemen beziehungsweise psychiatrischen Folgeerscheinungen, besonders dann, wenn Cannabis auf ein nicht ausgereiftes Gehirn wie bei Jugendlichen trifft.“

Festgestellt wurde, dass die Altersgruppe der 45- bis 50-Jährigen die größte Gruppe von Betroffenen sei, die wegen einer eigenständigen Suchtproblematik die Beratungsstelle aufsuchen würden.

Trapp informierte darüber, dass seit Bestehen des Angebots der Ambulanten Rehabilitation Sucht (ARS), das seit 1998 im Trägerverbund mit den Suchtberatungsstellen des Kreisgesundheitsamtes angeboten wird, 648 Klienten die Behandlung abgeschlossen hätten.

Die Therapie erfolge im häuslichen Umfeld. „Die Klienten können so die Behandlung neben der Berufstätigkeit wahrnehmen“, so Trapp. Es zeige sich, dass die Angst der Klienten, den Job zu verlieren, wenn sie sich dafür entscheiden würden, die Suchterkrankung beim Arbeitgeber offen anzusprechen, in der Regel unbegründet sei. Es gebe eine hohe Bereitschaft seitens der Arbeitgeber, gute Fachkräfte im Betrieb zu halten. In diesem Zusammenhang zitierte sie einen Klienten, der seine ARS-Behandlung so beschrieb: „Der Weg war steinig und schwer, das Ziel beeindruckend.“

Trapp gab bekannt, dass es noch freie Plätze in der kostenlosen Elterngruppe gibt. Sie ist gedacht für Eltern erwachsener suchtkranker Kinder. Die Gruppe trifft sich alle 14 Tage an einem Dienstag ab 19 Uhr. Interessenten können sich in der offenen Sprechstunde melden. Ferner soll in der zweiten Jahreshälfte wieder ein „Rauchfrei-Kurs“ mit zehn Plätzen angeboten werden.