Wassenberg: 130 Darsteller und zwei Jugendorchester bringen Musical auf die Bühne

Wassenberg: 130 Darsteller und zwei Jugendorchester bringen Musical auf die Bühne

Die Aufregung kurz vor der Premiere war ganz deutlich zu spüren: „Nicht da dran gehen!”, schallte es durch das versehentlich schon eingeschaltete Mikrofon von jenseits des Vorhangs. „Wird die Lisa wohl lächeln?”, fragen sich besorgte Eltern in der ersten Reihe gleich davor.

Die 350 Zuschauer im Saal waren anscheinend nicht minder aufgeregt als die 130 kleinen Darsteller des Musicals „David, ein echt cooler Held” hinter dem Vorhang auf der Bühne, alle mal so gerade zwischen zwei und sechs Jahren alt.

Die drei katholischen Kindergärten in der Wassenberger Pfarrei St. Marien, die Einrichtungen St. Georg Wassenberg, St. Johann Baptist Myhl und St. Lambertus Birgelen, hatten sich dazu vor einem Jahr zusammengetan, um in der fusionierten Pfarrei etwas Gemeinsames mit allen Kindern auf die Beine zu stellen.

„Und so wurden aus Kindergartenkindern Musical-Stars”, freute sich die Myhler Kindergartenleiterin Manuela Roschack zu Beginn der Vorstellung, zu der ihre Kollegin Gitta Heckers aus Birgelen „alle großen und kleinen Leute” begrüßte. „Und nun kann es endlich losgehen!”, erklärte als Dritte im Bunde Kindergartenleiterin Anke Deckers-Hahn aus Wassenberg. Sie brachte damit das Lampenfieber der kleinen Darsteller auf den Höhepunkt.

Zugleich gab sie damit das Startzeichen an Prophet Samuel (Alexander Ground), der sich der biblischen Geschichte folgend auf den Weg machte zur Familie von Isai. Kindgerecht begleitete derweil Gitta Heckers das Geschehen im Hintergrund als Erzählerin. „Also, ein Prophet ist ein Mensch, den Gott sich für eine ganz bestimmte Aufgabe ausgesucht hat. Dieser Mensch soll Nachrichten weitergeben - Nachrichten von Gott”, erklärte sie den kleinen und großen Zuschauern.

Von Samuel erfährt David (Alina Kelzenberg und Luca Endt), einer der Söhne Isais, von Gottes Plänen, ihn zum König zu machen. „Er sollte König werden, nicht sofort, denn David war ja noch ein ziemlich junger Hüpfer, aber eines Tages”, so die Erzählerin. „Gott hatte David ausgesucht, nicht weil er der Größte, der Schlauste oder der Schönste war - nein, Gott hatte David ausgesucht, weil sein Herz voller Liebe war.”

Und ein cooler Held war er, der David. Einen großen Bären (Claus Caron), der ihm ein Schaf stehlen wollte, jagte er in die Flucht. Und den grimmigen König Saul (Jakob Schmitt) besänftigte er mit dem Spiel seiner Harfe und mit seinen Liedern. So wurde er Hofmusiker des Königs. Als dann die Philister das Land überfielen, schickte der König David wieder zu seinem Vater Isai. Die älteren Brüder zogen mit in den Krieg. Eines Tages schickte Isai jedoch David los, um nach seinen Brüdern zu sehen.

„Er musste weit laufen”, erzählte Gitta Heckers, „ungefähr so weit wie von Wassenberg nach Hamburg, also ziemlich weit”. Bei seinen Brüdern angekommen, erfuhr David von Goliath (Guido Domsel), dem schrecklichsten und brutalsten Kämpfer der Armee, der sich zudem über Gott lustig machte. Alle fürchteten sich vor ihm, nur der kleine coole David nicht.

König Sauls Männer steckten ihn in eine Rüstung, in der er aussah wie „eine eingelaufene Schildkröte”. Nein, die wollte David nicht. Er wollte so gegen Goliath kämpfen, wie er es sonst auf dem Feld gegen Bären und Löwen tat. David nahm seine Steinschleuder und traf. Goliath war besiegt. „Hier endet die Geschichte von David natürlich nicht. Wenn ihr wissen wollt, wie und wann David König wurde, dann schaut in der Bibel nach, im Alten Testament bei den Samuelbüchern”, so der Tipp der Erzählerin.

„War das nicht toll?”, hätte sie nach der Vorstellung eigentlich gar nicht fragen müssen, denn auch so war dem gesamten Ensemble ein riesiger Applaus gewiss. Das habe es in Wassenberg noch nicht gegeben, dass Kinder mit Orchester so etwas Tolles auf die Bühne gestellt hätten, fügte sie hinzu, wobei ihr ganz besonderer Dank an Chorleiter Kai Stoffels und an den Orchesterleiter Michael Dilsen ging.

Beide hatten in jeweils mehr als 100 Stunden ehrenamtlicher Arbeit aus den eigentlich für eine Combo geschriebenen Musiknoten eine Blasorchester-Version geschaffen, die vom Autor des Musicals für die beiden ausverkauften Aufführungen am Wochenende autorisiert wurde.

Kai Stoffels war zudem seit Oktober vergangenen Jahres wöchentlich durch die drei Kindergärten getourt, um mit den Kindern die Lieder des Musicals einzustudieren. Zwei Nachmittage vor den Aufführungen hatte das Gesamtorchester aus den Jugendorchestern Eintracht Birgelen und Horst unter der Leitung von Michael Dilsen darüber hinaus gemeinsam mit allen singenden und tanzenden Kindern geprobt.

Ein großer Dank ging daher auch an alle Eltern, die das Projekt mit Fahrdiensten, in der Fertigung von Kulissen und Kostümen und nicht zuletzt mit leckeren Kuchen unterstützt hatten, die nach den Vorstellungen noch eifrig Abnehmer fanden.

Und Lisa? Hatte sie gelächelt? „Super! Sie hat gelächelt, sie hat getanzt!”, waren auch die Eltern in der ersten Reihe total begeistert, als sich der Vorhang nach der Aufführung wieder schloss.

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