Aachen: 106 Häuser, drei schwarze Schafe

Aachen: 106 Häuser, drei schwarze Schafe

Zum letzten Mittel musste der städteregionale Gesundheits- und Sozialdezernent Günter Schabram in diesem Fall nicht greifen. Das betroffene Pflege- und Altenheim in der Städteregion wurde nicht geschlossen.

Aber das Urteil über die Heimleitung, das Schabram fällt, ist erschütternd. „Wir hatten den Eindruck, dass die Besitzer nicht in der Lage sind, den ordnungsgemäßen Ablauf der Pflege zu gewährleisten”, sagt der Dezernent, der von falscher Abgabe von Medikamenten, von vermehrten Fällen des Wundliegens und von anderen Vorkommnissen spricht. Und selbst bei einer Nachprüfung seien viele Defizite nicht behoben gewesen. Die drastische Folge: „Wir mussten einen Aufnahmestopp über das Haus verhängen und wiederholt bestätigen.”

Dieser Zustand, der einen enormen wirtschaftlichen Druck für ein Haus bedeutet, ist inzwischen aufgehoben worden, weil sich die Heimleitung Fachverstand und Personal von außen geholt hat. „Die Mängel sind abgestellt”, betont Schabram. Nicht nur in diesem Heim, sondern auch in zwei weiteren, die sich unter anderem aufgrund personeller Probleme freiwillig einem vorübergehenden Aufnahmestopp unterwarfen.

„In einem dieser Fälle war in einzelnen Schichten in der gesamten Einrichtung keine Fachkraft im Bereich Pflege eingeteilt”, heißt es in dem Bericht der Heimaufsicht der Städteregion, der am heutigen Dienstag, 2. März, sowohl im Seniorenbeirat als auch in der Pflegekonferenz vorgestellt und diskutiert wird.

Dabei unterstreicht Schabram nicht nur die Wichtigkeit der Heimaufsicht. Vielmehr betont der Dezernent auch, dass es sich bei den genannten Fällen um „die drei schwarzen Schafe” unter den insgesamt 106 Pflege- und Wohneinrichtungen handelt, die die Heimaufsicht kontrolliert. Und in der Gesamtschau möchte er eine Lanze für die Heime brechen: „Natürlich ist nicht überall alles völlig in Ordnung. Doch im Großen und Ganzen wird eine gute Arbeit geleistet.”

Dies werde durch die unangekündigten Kontrollen der Heimaufsicht ebenso bestätigt wie durch Aussagen der Bewohner und Beiräte. „Viele Bewohner fühlen sich im Heim so richtig zu Hause. Die Qualität der Häuser ist eindeutig gestiegen”, berichtet der Dezernent aus Gesprächen und eigener Anschauung. Zudem vermerkt auch der jüngste Bericht der Heimaufsicht erfreuliche Entwicklungen - etwa beim Thema Fixierungen.

Demnach lehnen inzwischen 25 Einrichtungen in der Städteregion körperliche Fixierungen wie Bauchgurt oder Therapiestühle mit Vorstecktisch gänzlich ab. „Positiv fiel zudem auf, dass verstärkt nach alternativen Maßnahmen gesucht wird, um körpernahe Fixierungen zu vermeiden”, heißt es. Jedoch lägen in Einzelfällen nicht immer richterliche Genehmigungen für solche freiheitsentziehenden Maßnahmen vor.