Die 68er

AachenerZeitung Ein Produkt aus dem kontakt zeitungsverlag aachen gmbh Postfach 500 110, 52085 Aachen aboservice/zustellung: Telefon: 02 41 / 51 01 - 701 Fax: 02 41 / 51 01 - 790 anzeigenberatung: Telefon: 02 41 / 51 01 - 700 Fax: 02 41 / 51 01 - 790 redaktion: Telefon: 02 41 / 51 01 - 310 (montags bis freitags, 10 bis 18 Uhr) Fax : 02 41 / 51 01 - 360 Verlag (zentrale): Telefon: 02 41 / 51 01 - 0 e-Mail: servicecenter@zeitungsverlag-aachen.de Das war richtig. Das war legendär. Das war mit Provokationen und manchen falschen Wegen verbunden. Die Republik auf den Kopf gestellt von bernd mathieu D ie Geschichte der 68er ist legendär. Klingt das übertrieben? Pathe- tisch? Mag sein: Aber tatsächlich trägt sie bisweilen Züge einer Le- gende – mit ihren Ikonen und ihrem Pro- test, mit den Demonstrationen und gewiss auchmit ihrer Gewaltbereitschaft. Die 68er sind der Stoff, aus demdamals ein durchaus ebenso umstrittener wie bedeutsamer Teil der bundesrepublikanischen Nachkriegsge- schichte gestaltet worden ist. Manches wird überinterpretiert, nach so vielen Jahren verklärt, eine nüchterne Ana- lyse müssen jedoch einzelne Akteure jener Zeit nicht scheuen. Sie haben etwas bewegt. Sie haben aufgerüttelt, sie haben provoziert, sie haben die bürgerliche Gesellschaft ver- ändert, sie haben sie zur Auseinanderset- zung gezwungen. Die 68er sind ein Mythos und eben nicht nur ein Datum, ein Jubiläum. Sie haben die Universitäten und Hochschulen anders strukturiert und Autorität neu definiert. „Unter den Talaren der Muff von 1000 Jah- ren“: Dieser Spruch ist auch nach Jahrzehn- ten noch in der Erinnerung vieler Deutscher präsent. Zwei Studenten enthüllten vor 50 Jahren beim feierlichen Rektorenwechsel im Audimax an der Universität Hamburg ein schwarzes Transparent mit dem Slogan. Er wurde zumSymbol der Studentenbewegung und der Zeitenwende an deutschen Univer- sitäten. Schließlich haben die 68er dazu beigetra- gen, einen gewissen und unangenehm spür- baren Mief der Adenauer-Ära zu entsorgen. Die Auseinandersetzung mit der Nazigene- ration der Eltern, das Schweigen, die Rehabi- litierung ehemaliger NS-Größen in bundes- republikanischen Institutionen, in Regie- rungen und in Parlamenten machten sie zum Thema, selten ohne den Verzicht auf den kompromisslosen öffentlichen Pranger. Der Protest gegen den Vietnam-Krieg, die Reform der Hochschulen, der Kampf gegen die Notstandsgesetze der Großen Koalition unter dem Bundeskanzler Kurt Georg Kie- singer (CDU) und dem Außenminister und Vizekanzler Willy Brandt (SPD) standen ebenfalls auf der Agenda dieser hektischen Zeit, die vieles in der westdeutschen Repu- blik auf den Kopf stellte. Schließlich bleibt auch die Frage, welche unselige Rolle Teile dieser Bewegung später in der gewaltbereiten Szene spielten und in der RAF, der „Rote Armee Fraktion“, die mit ihrem Terror und ihren Morden in den sieb- ziger Jahren den Politikverantwortlichen der Bundesrepublik ständig neue Herausfor- derungen bescherte. Vor 50 Jahren: die 68er zwischen freier Liebe und linker Revolte; das Attentat auf Rudi Dutschke, der Mai 1968 in Paris, in Ber- lin, in Aachen, die 68er in der Kunst, die antiautoritäre Erziehung. Viele Themen und gewiss auch falsche Wege – etwa mit dem Terror der Kaufhausbrände als Zäsur – sind mit dieser Zeit verbunden. Wir gehen in dieser Sonderausgabe von Aachener Zeitung und Aachener Nachrich- ten vielen Fragen nach: mit Interviews, Do- kumentationen, Kommentaren, Analysen, Hintergründen und einemNachdruck eines Essays von Martin Walser aus dem jahr 1969. Und wir schauen noch einmal bei uns selber nach: Wie habenwir damals berichtet und kommentiert? Schließlich werfen wir einen Blick auf die sehr schöne und sehens- werte Ausstellung „Flashes of the Future“ im Aachener Ludwig Forum. Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre! personen Bobby Kennedy und richard Nixon ▶ seite 3 Dieter Schinzel und Winfried Böttcher ▶ seite 8 rudi Dutschke und ralf Dahrendorf ▶ seite 9 Jimi Hendrix und roy Black ▶ seite 11 Ulla Schmidt und Günter Schabram ▶ seite 16 Uschi Obermaier und rainer Langhans ▶ seite 17 MartinWalser und Kurt-Georg Kiesinger ▶ seite 21 Das Dossier „Die 68er“ ist eine Sonderveröffent- lichung der Zeitungsverlag Aachen GmbH, Dresdener Straße 3, 52068 Aachen. Tel.: 0241 51010 Geschäftsführer: Andreas Müller Verantwortlich für den inhalt im Sinne des Landespressegesetzes NrW: Bernd Mathieu redaktion: Peter Pappert Anzeigen: Jürgen Carduck Druck: euregio Druck GmbH, Dresdener Straße 3, 52068 Aachen. impressum studierende von heute blicken 50 Jahre zurück aachen. Sie sind eher abgeklärt und wollen vom revolutionären Duktus nichts wissen. Unsere Zeitung sprach mit Studieren- den der RWTH Aachen über ’68. Lernen wollen sie trotzdem von den 68ern: Dinge nicht als ge- geben hinzunehmen, sondern zu hinterfragen. ▶ seite 14 die kunst von ’68 bleibt ganz aktuell aachen. Das Aachener Ludwig Forumwidmet dem „revolutio- nären“ Jahr 1968 eine umfas- sende Ausstellung: „Flashes of the Future“. Sie ist hier noch bis 19. August zu sehen. Und die Kunst, die gezeigt wird, hat nichts von ihrer Aktualität ver- loren. ▶ seite 18/19 1968 in aachen: „AVZ – ins Klosett!“ aachen. Auch in der alten Kai- serstadt regte sich vor 50 Jahren unter StudentenWiderstand gegen Notstandsgesetze, Viet- namkrieg und autoritäre Struk- turen. Aber an der Technischen Hochschule ging es deutlich ge- sitteter zu als in Metropolen wie Berlin oder Frankfurt. Was war darüber damals in den Aache- ner Nachrichten und der Aachener Volkszeitung (AVZ, heute Aachener Zeitung) zu le- sen? Die Volkszeitung musste jedenfalls über eine Demonstra- tion berichten, auf der in Sprechchören gerufen wurde: „AVZ – ins Klosett!“ ▶ seite 22 grosse theorie Wie Adornos ideen die Studenten befeuerten ▶ seite 13 themen

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