Wird es für den Roetgener Ortsbus zu eng?

Von: Andreas Gabbert
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Willemslägerweg
Das könnte eng werden: In der Kalfstraße und im Willemslägerweg (Bild) in Roetgen ist die Fahrbahn an vielen Stellen nur zwischen 3,60 und 3,80 Meter breit. Foto: A. Gabbert

Roetgen. Ein Ortsbus soll ab Anfang Dezember in der Gemeinde Roetgen verkehren. Hintergrund ist die Neugestaltung der Schnellbuslinien SB 63 und 66 zwischen Monschau und Aachen. Diese sollen keinen Bogen mehr über den Roetgener Marktplatz fahren, sondern geradewegs auf der B 258 bleiben.

Im Roetgener Gemeindegebiet ist dann ein Ortsbus vorgesehen, der die Fahrgäste werktags von 6.15 bis 20 Uhr im Halbstundentakt zum Bushof/Post bringt, wo sie Anschluss an die Schnellbuslinien finden. Das sind täglich 28 Fahrten.

Doch der geplante Weg der neuen Ortsbuslinie 64 von der Haltestelle Roetgen Post über Hauptstraße, Faulenbruchstraße, Roetgenbachstraße, Neustraße und Grünepleistraße zur Haltestelle Roetgen Kalfstraße wird von einigen Politikern und Anwohnern der Kalfstraße sowie des Willemslägerwegs sehr kritisch gesehen. Um wieder auf die Bundesstraße zu gelangen, soll der Bus nämlich auch durch die beiden Straßen fahren.

Für Pkw noch 0,35 Meter

„Ich halte die Wahl der Verkehrsführung in beiden Straßenteilen für unverantwortlich und letztendlich auch nicht für funktional“, hatte der Anwohner Jochen Krott in einem Brief an den Bürgermeister und die Aseag (Aachener Straßenbahn- und Energieversorgungs-AG) geschrieben, nachdem diese die Eltern der Schulkinder über die neue Linie 64, die auch dem Schülerverkehr dienen soll, informiert hatte.

Krott betreibt ein Ingenieurbüro für Tragwerksplanung, Tiefbau und Verkehrswesen und hat festgestellt, dass die beiden Straßen teilweise nur 3,60 bis 3,70 Meter breit sind. In der Richtlinie für die Anlage von Stadtstraßen sei aber eine Mindestbreite von 5 Metern für die Begegnung von Lkw und Pkw vorgesehen. Die Regelbreite betrage sogar 5,50 Meter. Der Bus benötige allein aber schon 3,25 Meter. So bleibe dem Pkw noch ein Raum von 0,35 Meter zur Verfügung.

„Ein rechtmäßig parkendes Auto legt also den Busverkehr lahm“, schreibt Krott. Dort, wo die Wegeseitengräben verrohrt seien, könne noch auf die Bankette ausgewichen werden, in anderen Bereichen seien diese dafür aber zu schmal. Sollte der Bus einem Müllfahrzeug begegnen, käme der Verkehr auch zum Erliegen. Außerdem beschränke sich der Verkehr in den beiden Straßen längst nicht mehr nur auf den Anwohnerverkehr, gerade bei Baustellen auf der B 258 gebe es einen wesentlich höheren Schleichverkehr. Außerdem handele es sich auch um den Schulweg einiger Kinder.

„Die Kinder werden sich in den dunklen Wintermonaten auf der Mischverkehrsfläche befinden. Da die Bankette kaum geräumt werden können, sind in den Wintermonaten noch schlechtere Voraussetzungen gegeben“, schreibt Krott. Ein Abbiegen des Busses von der Kalfstraße in den Willemslägerweg sei fast unmöglich, und auch das Abbiegen auf die Bundesstraße sei problematisch und ein „unerträgliches Sicherheitsrisiko“.

Krott hat inzwischen auch die Städteregion als Straßenverkehrsbehörde informiert und um eine „fachamtliche Prüfung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit“ gebeten.

Auch in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates wurde über das Thema diskutiert. Ein anderer Anwohner der Kalfstraße hatte in der Fragestunde für Einwohner zu Beginn der Sitzung gefragt, warum die Eltern, aber nicht die Anwohner informiert wurden, und wie man sich den Verkehr in der Kalfstraße vorstelle; schließlich komme man mit einem Auto schon kaum an parkenden Pkw vorbei. Die Verwaltung erklärte, die Anwohner würden noch informiert und die Aseag habe ein Ausweichen auf die Bankette erfolgreich getestet.

Der parteilose Günther Severain fragte, wer denn nun recht habe, „die Aseag oder der Anwohner, der nachgemessen hat?“ Außerdem sah er die Gefahr, dass später in den Banketten verlegte Glasfaserkabel durch die Busse beschädigt werden könnten.

Bernd Vogel (PRB) sah auch Probleme mit dem Begegnungsverkehr in der Süd- und Pilgerbornstraße. Die Südstraße sei außerdem nur für Fahrzeuge mit einem Gewicht von weniger als 3,5 Tonnen zugelassen, und die Einrichtung einer Einbahnstraße sei hier nur schwer möglich, im Grunde handele es sich um einen „geteerten Feldweg“.

Rainer Nießen (UWG) sah die Situation ebenfalls „sehr kritisch“. Auf den teils schmalen Banketten könne ein Bus auch schnell in den Graben rutschen. Außerdem sei davon auszugehen, dass im Winter noch deutlich weniger Fahrbahnbreite zur Verfügung stehe.

Ronald Borning (CDU) unterstützte Vogels Position, während Klaus Onasch (SPD) Verständnis für die Sorgen zeigte, aber „das abgrundtiefe Misstrauen gegen Leute, die sich beruflich damit befassen“ kritisierte und als „lächerlich“ bezeichnete.

Silvia Bourceau (UWG) befürchtete, dass in der Kalfstraße ein Halteverbot eingerichtet werden könnte. Zum besseren Abbiegen vom Willemslägerweg auf die Bundesstraße regte sie die Einrichtung einer Bedarfsampel oder eine Verschärfung des Tempolimits an.

„Fachleute sind die Bürger“

Bernhard Müller (Grüne) erklärte, die Fachleute für Roetgen seien die Roetgener Bürger. Die Verwaltung geht davon aus, dass die Südstraße auch ein Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen trägt. Halteverbote seien in den betroffenen Straßen nicht ausgeschlossen. Es gelte, im laufenden Betrieb zunächst Erfahrungen zu sammeln und dann entsprechend zu reagieren.

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