Vulkanausbruch in der Eifel wird kommen

Von: Valerie Barsig
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Es blubbert im Laacher See. Der Grund dafür sind Gase, die aus dem Untergrund aufsteigen und auf Vulkanaktivität hindeuten. Foto: Martin Thull

Maria Laach/Karlsruhe. Es knallt. So laut, dass man es von Maria Laach in der Eifel bis Bonn hören kann. Eine riesige Aschewolke türmt sich auf und bedeckt ganz Nordrhein-Westfalen mit grauem Puder. Eine Magmakammer unter dem Laacher See ist ausgebrochen. Niemand hat mit einer Eruption in der Eifel gerechnet.

So oder so ähnlich könnte es sich abspielen, wenn ein Vulkan in der Eifel ausbricht. Das letzte Mal geschah das vor rund 12.000 Jahren. Danach entstand der Laacher See. In der Erde darunter, in etwa 50 bis 400 Kilometer Tiefe, ist es bis heute heiß.

Dort befindet sich der sogenannte Eifel-Plume, eine unterirdische Zone, die sich vom Rhein bis nach Luxemburg erstreckt. Im Jahr 1997 hat Joachim Ritter, damals am Institut für Geophysik der Universität Göttingen, im Rahmen des Eifel-Plume-Projekts diese heiße Zone ausgemessen.

Gearbeitet hat er dabei mit 80 festinstallierten und 140 mobilen Erdbebenmessgeräten. „Erdbebenwellen breiten sich in der Zone langsamer aus, als an anderen Stellen. Deshalb muss es dort heißer sein, als im normalen Erdmantel“, erklärt Ritter, der nun am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) forscht.

Die Messdaten des Projektes werden bis heute ausgewertet. Klar sei aber, dass die Existenz von heißem Gesteinsmaterial bedeute, dass es aufsteige, wenn es nicht mehr vom umgebenden Gestein gehalten werde. „Das kann man sich vorstellen wie heiße Luftblasen in einem Kochtopf mit Wasser, der auf dem Herd steht“, sagt Ritter.

Ist also ein Vulkanausbruch in der Eifel wahrscheinlich? Ja! Und zwar bald, wenn es nach Geowissenschaftlern geht. „Dass wir einen Vulkanausbruch in der Eifel noch erleben, ist allerdings unwahrscheinlich“, sagt Ritter. Denn Geophysiker rechnen in Tausendjahrsschritten: Der Vulkan unter dem Laacher See brach vor rund 12.000 Jahren aus und war damit Teil einer Ausbruchsserie, die vor etwa 45.000 Jahren begann und sich noch mehrere 10.000 Jahre fortführen kann.

„Für Geophysiker ist das ein sehr kurzer Zeitraum, wenn man bedenkt, dass wir unsere Erdgeschichte in Jahrmillionen erzählen.“ Die Wahrscheinlichkeit für einen Vulkanausbruch in der Eifel ist also hoch – zumindest aus der Sicht eines Geophysikers. Sogar wahrscheinlicher als ein Super-Gau in einem Atomkraftwerk. Denn dort rechnet man nur alle 100.000 Jahre mit einem schweren Störfall.

Wie aber kann man sich die Aktivitäten unter der Eifel vorstellen? Joachim Ritter vergleicht die Vorgänge dort mit einer Lava-Lampe. Die darin enthaltenen Blubberblasen steigen auf und sinken wieder ab. Nichts anderes geschieht mit erhitztem Gestein, allerdings viel, viel langsamer. Unter der Eifel besteht das Gestein im Erdmantel aus etwa ein bis zwei Prozent Schmelze.

„Das bedeutet zuerst einmal, dass wenn ich es in der Hand hätte, mir ziemlich die Finger verbrennen würde“, sagt Ritter. Das Gestein zwischen Rhein und Luxemburg ist also zu 98 Prozent fest, enthält aber 4000 Kubikkilometer Magmaschmelze. Im Vergleich zum Rest von Deutschland ist das viel, im Vergleich zu Hawaii, einem klassischen Vulkangebiet laut Experte, aber sehr wenig.

Dennoch: Im Laacher See steigen Gasblasen auf, die Experten immer wieder als vulkanische Aktivitäten deuten. Ganz falsch ist das laut Joachim Ritter nicht. Denn wenn Magma im Erdinneren aufsteigt und sich abkühlt, werden Gase freigesetzt. Ritter vermutet, dass vom Ausbruch von vor 12.000 Jahren noch eine kleine Rest-Magma-Kammer irgendwo unter der Eifel übrig ist – zusätzlich zum Eifel-Plume. Wo genau sich der Magma-Rest heute befindet, weiß niemand.

Der Geophysiker würde sich deshalb mehr Überwachung wünschen, zum Beispiel durch Gasmessungen in der ganzen Eifel. Die sind nämlich verlässliche Quelle dafür, ob sich im Untergrund etwas ändert. Bisher gebe es aber gar kein Vulkanüberwachungssystem, lediglich partielle Forschungsprojekte, die den Gasaustritt messen.

„Angesichts dessen, wie viel Geld man für die Sicherung von Atomkraftwerken ausgibt, wird für Vulkanüberwachung verschwindend wenig Geld ausgegeben“, sagt der Experte. Auch die Erdbebenüberwachungsnetze sind in der Eifel nur schwach ausgebaut – auch sie können Auskunft über Veränderungen im Untergrund geben.

Trotzdem: „In Sachen Vulkanausbruch können wir uns erstmal entspannt zurücklehnen“, sagt Ritter. Keine Gefahr also, auch wenn es im Untergrund schwelt.

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