Simmerath - Verdi-Sprecher: „Verkaufsoffener Sonntag soll Ausnahme bleiben“

Verdi-Sprecher: „Verkaufsoffener Sonntag soll Ausnahme bleiben“

Von: jan/P. St.
Letzte Aktualisierung:
14429071.jpg
Hat die verkaufsoffenen Sonntage streng im Blick, sieht sich aber nicht als Gegner von Kommunen und Foto: Ralf Roeger

Simmerath. Der Streit um den verkaufsoffenen Sonntag schlägt hohe Wellen in Simmerath. Unsere Zeitung sprach mit Mathias Dopatka, Gewerkschaftssekretär in der Aachener Verdi-Zentrale, der streng darauf achtet, dass die geltende Rechtslage eingehalten wird – auch im Falle Simmerath.

Herr Dopatka, mit ihrer Aktion haben sie für reichlich Unruhe in Simmerath gesorgt. Spielt die Gewerkschaft ihre Macht aus?

Dopatka: Die Gemeinde ist ihrer gesetzlichen Verpflichtung nicht nachgekommen, uns an der Terminfindung für die verkaufsoffenen Sonntage zu beteiligen.

Was ärgert sie so sehr am Vorgehen der Kommune?

Dopatka: Wir können nicht akzeptieren, dass Kommunen offenbar versuchen, uns zu umgehen und mit dem Gesetzesverstoß sozusagen unterm Radar bleiben. Die Rechtsprechung hat sich in den vergangenen zwei Jahren massiv geändert. Ich unterstelle nicht jeder Kommune, die dies nicht berücksichtigt, vorsätzlich zu handeln. Aber gerade, weil die Situation neu ist, haben wir selbst und auch das Wirtschaftsministerium jede Kommune angeschrieben.

Es gibt Unternehmer, die behaupten, ihre Mitarbeiter würden gerne sonntags arbeiten, zumindest hin und wieder. Verdi glaubt das eher nicht.

Dopatka: Wir wissen, es gibt Personen, für die sich das lohnt. Sonntagsarbeit ist auch zum Beispiel für Alleinstehende weit weniger unattraktiv als für Familien. Das große Aber lautet: Die meisten Einzelhandelsbetriebe haben keine Tarifverträge. Dann gibt es auch keine feste Zusage, dass ein Wochenendzuschlag gezahlt wird. Die Mitglieder, die sich zu dem klar positionieren, sonntags nicht arbeiten zu wollen, haben oft die Sorge, montags nicht mehr arbeiten zu dürfen.

Ist das Verbot der Sonntagsladenöffnung überhaupt noch zeitgemäß?

Dopatka: Der freie Sonntag ist eine kulturelle Errungenschaft, die man nicht Stück um Stück aushöhlen sollte.

Ich kann aber sonntags online einkaufen. Verdi verstärkt den Wettbewerbsnachteil des Einzelhändlers gegenüber Riesen wie Amazon, die übrigens nicht gerade als vorbildliche Arbeitgeber gelten. Indirekt schaden Sie also Ihren Mitgliedern.

Dopatka: Die Sonntagsruhe gilt auch für die Beschäftigten im Online-Handel. Und auch die Kuriere dürfen sonntags nicht ausliefern.

Ich kann mich aber sonntags an den Rechner setzen und ein neues Paar Schuhe bestellen.

Dopatka: Der Einzelhandel wird den Online-Handel niemals in der Kategorie Bequemlichkeit besiegen. Der Einzelhandel gewinnt in der Qualität der Beratung und der Nähe zum Kunden. Das Thema Sonntagsverkauf hat damit nichts zu tun.

Wollen Sie die verkaufsoffenen Sonntage am liebsten komplett abschaffen?

Dopatka: Aus meiner Sicht sollte der verkaufsoffene Sonntag die absolute Ausnahme bleiben. Ein Kompromiss für mich wäre es, wenn jede Kommune zwei verkaufsoffene Sonntag im Jahr festsetzt, ohne dass das näher begründet oder beantragt werden müsste.

Wer frühzeitig mit Ihnen spricht, darf auf Nachsicht hoffen, wer dies nicht tut, der merkt, dass Verdi durchaus rücksichtslos vorzugehen weiß. Trifft das im Falle Simmerath zu?

Dopatka: Wir gehen entschieden vor, nicht rücksichtslos. Dazu gehört, dass wir Gesetze zur Not auch gerichtlich durchsetzen. Wir sind aber immer bereit zum Gespräch mit den Händlern und den Verwaltungen, für die diese Situation ja auch neu ist. Das sind nicht unsere Gegner.

Leserkommentare

Leserkommentare (14)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert