Aachen - Kommentiert: Sanés Nichtnominierung ist (k)eine Überraschung

16348236.jpg

Kommentiert: Sanés Nichtnominierung ist (k)eine Überraschung

Ein Kommentar von Lukas Weinberger

Leroy Sané hat in dieser Saison 14 Tore geschossen und 19 Treffer vorbereitet, das hat kein anderer deutscher Nationalspieler in den fünf großen europäischen Ligen geschafft.

Er ist mit Manchester City Meister in der Premier League geworden, er ist in England zum besten Nachwuchsspieler der Saison gewählt worden. Auf dem Fußballportal „Transfermarkt“ wird Sanés Marktwert mit 90 Millionen Euro beziffert, er ist damit der wertvollste deutsche Fußballer. Wenn es Joachim Löw nur um diese Fakten ginge, hätte er den Linksfuß für die Weltmeisterschaft nominieren müssen, keine Frage.

Es kommt ja nicht von ungefähr, dass nahezu alle Fußballfans Bernd Leno, Jonathan Tah und Nils Petersen als Streichkandidaten auf der Liste hatten, aber fast niemand Sané. Beim Bundestrainer geht es aber eben nicht nur darum, was in den vergangenen Wochen und Monaten im Verein passiert ist. Löw erwartet mehr. Bei der Europameisterschaft 2016 war Sané als Jungstar dabei; doch statt sich in den Trainingseinheiten anzubieten, ließ er es meist locker angehen und kam nur auf elf Einsatzminuten.

Im vergangenen Sommer sagte der Offensivspieler für den Confederations Cup ab, um sich an der Nasenscheidewand operieren zu lassen. Ganz im Gegensatz zu seinem Konkurrenten Julian Brandt übrigens, der in Russland auf sich aufmerksam machte. Löw vergisst solche Dinge nicht. Und hat Sané dennoch die Chance gegeben, sich noch einmal zu beweisen. Der Dribbelkünstler spielte im Testspiel gegen Brasilien allerdings so schwach, dass Toni Kroos ihn scharf kritisierte.

Am vergangenen Samstag gegen Österreich spielte er eigensinnig, lief sich ständig fest, arbeitete kaum zurück. Sané ist ein Spieler, der den Unterschied machen kann, das hat er in der Nationalmannschaft aber noch nicht getan. In elf Länderspielen hat er noch kein Tor geschossen, erst eines vorbereitet. Und Löw hat mit Marco Reus, Julian Draxler, Thomas Müller und nun auch Brandt sehr ähnliche Spielertypen im Kader.

Einen Spieler wie Marvin Plattenhardt oder Sebastian Rudy statt Sané nach Hause zu schicken, kommt dem Bundestrainer nicht in den Sinn, weil er jede Position doppelt besetzt haben will. Das sind die Fakten, die gegen Sané sprechen, und sie haben zu Löws Entscheidung geführt. Ob sie die richtige ist, weiß wohl nicht mal der Bundestrainer.

 

Die Homepage wurde aktualisiert