Vom Hobby zum Beruf: Bei den „Ladies“ zum Profi geworden

Von: Roman Sobierajski
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Immer die Jüngste: Srna Markovic gehört bei den „Ladies“ zum Stammpersonal. Foto: Steindl

Aachen. Eigentlich muss sich Srna Markovic bei ihren ersten Auftritten für die „Ladies in Black“ Aachen im Hexenkessel an der Neuköllner Straße gefühlt haben wie früher in der Fremde: „Dass richtig viele Zuschauer bei den Spielen sind, kannte ich eigentlich nur von den Auswärtsspielen mit der Nationalmannschaft oder in der Mitteleuropäischen Liga. Aber da waren dann immer alle gegen uns. In Österreich spielst du in der Bundesliga grad einmal vor zehn Zuschauern.“

Sicherlich auch ein Grund, für die 18-Jährige in Wien ihre Koffer zu packen und sich im Ausland auf professionellerem Niveau zu versuchen. „Hier hatte ich zum ersten Mal die Chance, mein Hobby zu meinem Beruf machen. Ich habe zwar auch in Wien neben der Schule viermal in der Woche trainiert, aber jeden Tag zweimal Training ist doch etwas ganz anderes.“

Vieles ist anders in der deutschen Volleyball-Bundesliga beim ehrgeizigen Projekt für die Außenangreiferin, einiges ist allerdings wie auch schon in den letzten Jahren: Bereits mit zwölf Jahren spielte Markovic für Volley 16 Wien, wechselte dann zum Erstligisten SVS Post Schwechat – und war auch in der österreichischen Nationalmannschaft mit 15 Jahren erneut die jüngste Spielerin. Mit 16 und 17 gewann die Österreicherin mit serbischen Wurzeln mit ihrer Mannschaft das nationale Double aus Meisterschaft und Pokalsieg, und so war der Schritt zu den „Ladies in Black“ Aachen im darauffolgenden Jahr eigentlich nur folgerichtig, denn erneut ist Srna Markovic die Jüngste im Kader. „Daran wird sich wohl auch so schnell nichts ändern“, kommentiert die Österreicherin ihren Dauerstatus als Nesthäkchen grinsend. Bereits mit sieben Jahren hat sie mit dem Volleyball angefangen, „und weil es in Österreich nicht so viele Vereine gibt, durfte ich immer irgendwo mitspielen, bin schnell nach oben gekommen und habe viel gelernt.“

Der Schritt ins Ausland, weg vom gefeierten Ausnahmetalent in der Alpenrepublik hin in ein professionelles Umfeld, war geplant, aber trotzdem ein Sprung ins kalte Wasser. „Es gibt in Österreich keine richtige Profiliga, der Niveau-Unterschied ist schon drastisch“, hat Srna Markovic erfahren. Untermauert wird ihre Aussage durch die Tatsache, dass sie erst eine von zwei österreichischen Volleyball-Spielerin ist, die den Weg in eine ausländische Liga gefunden haben. Entsprechend groß ist die Freude, dass sie trotzdem so schnell ihren Weg gefunden hat. „Ehrlich gesagt, ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich so schnell zur Start-Aufstellung gehören würde. Mir war klar, dass es nicht einfach sein würde, bei Null anzufangen und sich alles neu aufbauen zu müssen.“

An Selbstbewusstsein scheint es dennoch nicht zu mangeln, wenn man mit 18 Jahren sein gewohntes Umfeld, die Freunde und Eltern verlässt, um sich woanders auf sich selbst gestellt behaupten zu müssen. „Ich bin schon sehr selbstständig, habe gern mein eigenes Gebiet, wo man alles selbst regelt und für sich sorgen muss“, hatte Markovic keine Probleme, allein ein Appartement zu beziehen und sich nicht die Wohnung mit einer Mannschaftskollegin zu teilen.

Dass sie der Weg nach Aachen geführt hat, wo sie zunächst einen Jahresvertrag unterschrieben hat („Ich wusste ja nicht, was als Profi auf mich zukommt“), ist allerdings kein Zufall: „Marek Rojko kann mich aus der Mitteleuropäischen Liga als Trainer der gegnerischen Mannschaft, so ist dann der Kontakt zustande gekommen.“ Offenbar war Aachens Trainer von den offensiven und defensiven Fähigkeiten und den harten Sprungaufschlägen überzeugt genug, um Markovic in den Aachener Kader zu lotsen. Dass ausgerechnet die harten Sprungaufschläge eine „Notlösung“ sind, spielt nur eine Nebenrolle: „Ich habe angefangen, die Sprungaufschläge zu trainieren, weil ich Schulterprobleme hatte und der Bewegungsablauf dabei weniger belastend ist“, erzählt Markovic, die auch noch einen „Plan B“ in der Tasche hat: Aufschläge mit links aus dem Stand.

Ungeschlagene Dresdnerinnen

Am Sonntag (14 Uhr) wartet nun der Dresdner SC auf die „Ladies in Black“. In der vergangenen Saison waren die Aachenerinnen dem späteren Deutschen Meister denkbar knapp erst im dritten Play-off-Halbfinalspiel im Tiebreak unterlegen. Im Hinspiel trotzte die Mannschaft von Aachens Trainer Marek Rojko den bislang ungeschlagenen Dresdnerinnen zumindest einen Satz ab.

„Eigentlich haben wir nichts zu verlieren und können befreit aufspielen“, schätzt Srna Markovic die Ausgangslage für ihre Mannschaft ein, die am Mittwoch in Münster einen großen Kampf abgeliefert hat und sich trotzdem in fünf Sätzen geschlagen geben musste. „Da war mehr drin“, schätzt die 1,84 Meter große Angreiferin ein. „Wir haben bis zum Ende gekämpft und sind nach dem 1:2-Satzrückstand noch einmal ins Spiel zurückgekommen. Dann hat es im Tiebreak viele Fehlentscheidungen gegeben, aber damit muss man leben im Sport.“

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