Viel Talent, aber wenig Erfahrung

Von: jan
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Evivo Trainer Söhnke Hinz in
Evivo Trainer Söhnke Hinz in der Arena Kreis Düren, dort, wo Dürens Volleyball-Bundesligist trainiert und spielt. Hinz hat selbst mal zweite Liga gespielt. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Das Gesicht der Mannschaft ist neu. Sieben Spieler haben den Volleyball-Bundesligisten Evivo Düren verlassen, sieben sind neu zur Mannschaft gestoßen - vom Wechsel auf der Trainerbank ganz zu schweigen.

Da sitzt morgen (20 Uhr), beim ersten Spiel der Saison auswärts gegen die Berlin Recycling Volleys, Söhnke Hinz. Es ist das Spiel eins in der Ära nach Sven Anton, Ilja Wiederschein und Christian Dünnes. Von der Spielweise, die Düren in den vergangenen Jahren gepflegt hat, ist genau so wenig übrig geblieben wie vom Personal. Das neue Team hat neue Stärken und Schwächen.

Angriff: Es erscheint zunächst ein wenig paradox, nach dem Weggang von Christian Dünnes gen Unterhaching von einer Mannschaft zu sprechen, die stärker im Angriff ist. Schließlich war Dünnes in den vergangenen beiden Jahren der beste Punktesammler der Liga. Trotzdem hat das neue Evivo-Team mehr Potenzial. Rückkehrer Tim Elsner und Neuzugang Christian Fromm bringen auf der Außenposition über die linke Feldhälfte Qualitäten mit, die Düren lange nicht hatte. In Sachen Angriff können beide von vor und hinter der Drei-Meter-Linie zuschlagen. Das bedeutet mehr Varianten für Spielmacher Merten Krüger. Dazu kommt mit Matthias Böhme ein Dünnes-Nachfolger, der seinen Vorgänger zwar nicht ersetzen kann, dafür aber seine eigenen Qualitäten mitbringt. Drei starke Angreifer auf der linken und rechte Seite hatte Düren lange nicht mehr im Angebot. Eine Redewendung wie Evivo Dünnes, die in der vergangenen Saison häufiger fiel, um die Einseitigkeit der Dürener auszudrücken, wird es nicht mehr geben.

Eine massive Mauer

Block: Hier kann eine weitere Stärke des neuen Teams liegen. Die Chefblocker in der Mitte mit Weltstar Stefan Hübner, Kapitän Jaromir Zachrich und Talent Georg Klein ist stark - sowohl im Angriff als auch im Block. Auch die Außenblocker sind überdurchschnittlich. Evivo baut hier eine massive Mauer auf.

Annahme: Hier könnte eine Schwachstelle liegen. Einen Angreifer, der fast ohne Fehler mit den gegnerischen Aufschlägen zurecht kommt, hat Düren nicht. Einen solchen Spieler haben aber auch die meisten anderen Clubs der Bundesliga vergeblich gesucht. Für Evivo wird es darauf ankommen, mögliche Wackler im Spielaufbau mit starkem Angriff zu kompensieren. Und das Zeug dazu hat das Team.

Jugend:Dieser Punkt ist sowohl eine Stärke als auch eine Schwäche. Das neue Team ist jung, auch auf entscheidenden Positionen. Spielmacher Merten Krüger zählt gerade einmal 20 Lenze, Angreifer Christian Fromm ist 21, Abwehrchef Fabian Kohl 22. Alle bringen viel Begeisterung und Hunger mit. „Aber man muss auch damit leben, dass die eine oder andere Situation nicht so gut gelöst wird, weil einfach noch die Erfahrung fehlt”, erklärte Söhnke Hinz. In den Vorbereitungsspielen zuletzt, bei denen Düren ausschließlich gegen routinierte Spitzenteams aus Belgien und Polen gespielt hat, wurde das deutlich. Ein Spieler wie Christian Fromm, der in Friedrichshafen zwei Jahre auf der Bank gesessen hat, braucht Zeit, um im Wettkampf das Gefühl für richtige Entscheidungen zu entwickeln.

Mehr Verantwortung

Ebenfalls noch Zeit braucht die Achse mit Zuspieler Merten Krüger und Matthias Böhme. Krüger hatte zuletzt den erfahreneren Dünnes, der Präzisionsprobleme im Pass mit Erfahrung ausgleichen konnte. Und Böhme spielte in Königs Wusterhausen bisher mit Routinier Manuel Riecke, der ihm alle Bälle ganz genau aufgelegt hat. „Beide müssen jetzt lernen, dass sie mehr Verantwortung übernehmen”, so Hinz. „Aber da sind wir auf einem guten Weg.” Beim Testturnier in Polen marschierte Böhme gegen starke Gegner mit knallharten Angriffen vorweg.

Ehrgeiz: Dieser Faktor ist enorm hoch im Dürener Lager. Jeder Spieler bringt seine persönliche Motivation mit. Routinier Stefan Hübner will mit 36 Jahren zeigen, dass er stark genug ist, um mit der Nationalmannschaft das Projekt Olympia 2012 anzugehen. Matthias Böhme will den Sprung zum Führungsspieler schaffen, Tim Elsner will zeigen, dass er diesen Schritt schon absolviert hat. Und dann ist da noch Christian Fromm, der Anker der Junioren-Mannschaft, die 2008 Silber der Europameisterschaft gewonnen hat. Fromm wechselte danach nach Friedrichshafen und spielte wenig. Beim Serienmeister hatte der Berliner immer wieder teure ausländische Spieler vor der Nase. „Ich will bei einem Spitzenclub auf dem Feld stehen”, begründete der 2,04-Meter-Hüne seinen Wechsel im Sommer.

Reife, fertige Spieler gibt es bis auf Hübner keine. Wäre ein Mann wie Fromm ausgereift, dann würde er mit seinen Fähigkeiten allerdings nicht in Düren und vermutlich auch nicht in Deutschland spielen. Genau da liegt aber auch der Reiz an der Mannschaft: Entwickeln sich alle Spieler wie erhofft, dann hat Evivo die Chance, weitaus mehr zu sein als die Summe seiner Einzelspieler zum jetzigen Zeitpunkt. Dazu brauchen die Verantwortlichen und Fans allerdings Geduld. Denn der Rest der Liga hat kräftig aufgerüstet und setzt sehr häufig auf fertige Spieler. Das Potenzial ist Dürens größte Stärke. Kann sie diese in die Waagschale werfen, dann ist der Einzug ins Halbfinale möglich. Und vielleicht kann das junge Evivo-Team auch den einen oder anderen Meisterschaftsfavoriten ärgern. Vielleicht schon morgen.
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