Sportdirektor der „Ladies“: „Situation wird auf keinen Fall einfacher“

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„Eine Achterbahn wäre ja noch ganz schön gewesen. Ab einem gewissen Zeitpunkt ist es ja nur noch bergab gegangen“: Reinhard Strauch, Sportdirektor der „Ladies in Black“, über deren Saison. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Eine Saison, die an Dramatik wohl kaum zu überbieten ist: Lange Zeit verbrachten die „Ladies in Black“ Aachen in den sonnigen Regionen der Tabelle der Volleyball-Bundesliga, am Ende folgte der Kampf gegen den Abstieg.

Anfang Dezember wurden erhebliche finanzielle Probleme öffentlich, der Trennung von Cheftrainer Marek Rojko folgte der Abgang der Kapitänin Laura Weihenmaier. Nach dem Ende der Hauptrunde sprach Roman Sobierajski mit Sportdirektor Reinhard Strauch.

Sie waren nach der letzten Partie gegen Dresden schnell verschwunden . . .

Strauch: Ich musste mich selbst erst einmal sammeln. Wir wussten, dass etwas im Gange war, aber nicht was. Ich habe dann zufällig auf die Website der Volleyball-Bundesliga geschaut und gesehen, dass die Strafe gegen Straubing ausgesprochen worden war. Das war riesiges Glück für unsere Mannschaft.

War das nun das extreme Ende einer extremen Saison oder vielleicht auch das würdige?

Strauch: Das kann man jedenfalls so oder so sagen. Aber noch ist das Ende nicht erreicht, die Saison geht ja mit den Pre-Play-offs und den folgenden Play-offs weiter.

Nichtsdestotrotz: Hätten die „Ladies in Black“ nicht frühzeitig ihre finanziellen Probleme mit der Etatlücke bekannt gemacht, wäre der Name Aachen am Wochenende vermutlich auch auf der Liste mit den bestraften Klubs aufgetaucht.

Strauch: Vielleicht auch schon früher. So gesehen war die Entscheidung, damit in dieser frühen Phase an die Öffentlichkeit zu gehen, für den weiteren Saisonverlauf aus sportlichen Sicht sicher nicht einfach, hat aber letztendlich das Überleben gesichert.

Darüber hinaus hat die Mannschaft den Trainer verloren, sie hat die Kapitänin verloren und vielleicht hat sie demnächst auch den bisherigen Sportdirektor verloren.

Strauch: Zumindest bin ich froh, dass Sebastian Gutgesell richtig mit einsteigt, weil ich beruflich sehr eingespannt bin. Momentan machen wir alles zusammen und schauen dann, wie es weitergeht. Er wird sich sicher mehr um das operative Geschäft kümmern und ich die Beratung im Hintergrund übernehmen, um meinen Sachverstand zur Verfügung zu stellen.

Was verstehen Sie unter operativem Geschäft?

Strauch: Wir sprechen uns ab, wie der Kader aussehen soll, wo wir mit unseren Mitteln und unserer Philosophie hinwollen. Anschließend folgen dann die Gespräche mit den Spielerinnen, die wir unter uns aufteilen werden.

Zumindest haben Sie durch den Klassenerhalt sehr schnell Sicherheit und können bereits jetzt in die Vertragsverhandlungen einsteigen. Wäre die Saison mit Platz elf zu Ende gegangen, wäre lange unklar geblieben, ob man für die Erste oder die Zweite Liga planen muss.

Strauch: Wir haben immer mit voller Wucht auf den Klassenerhalt gesetzt. Wären wir abgestiegen, wäre unklar, ob das in Aachen überhaupt noch eine Zukunft hätte. Jetzt haben wir Klarheit und können zügig verhandeln.

Die Mannschaft stand lange auf den vorderen Plätzen, ist dann mit Glück nicht abgestiegen. Wie bewerten Sie diese Achterbahn?

Strauch: Eine Achterbahn wäre ja noch ganz schön gewesen. Ab einem gewissen Zeitpunkt ist es ja nur noch bergab gegangen. In der Mannschaft hat es schon in der Erfolgsphase gebrodelt, wir hatten keine Stabilität. Es folgten die finanziellen Probleme, und wenn wir uns Ende Dezember vom Trainer trennen, gab es natürlich auch schon eine Vorgeschichte. Das alles trägt eine Mannschaft mit sich herum, sportlich zufrieden sein können wir mit unserem Abschneiden dennoch nicht. Von der individuellen Klasse her hätte es für mehr reichen müssen. In einigen Partien haben wir die Big Points einfach nicht gemacht. Tief im Bauch eines Sportdirektors ist immer der Wunsch nach mehr.

Mit der Partie in Potsdam am heutigen Mittwoch ist der Mannschaft eine zweite Chance, ein zweites Leben geschenkt worden. Gibt es doch ein versöhnliches Ende?

Strauch: Potsdam hat uns jedenfalls immer gut gelegen, vielleicht erreichen wir das Ziel Play-offs ja über einen Umweg.

Blicken wir ein wenig auf die kommende Spielzeit: Sie sind bereits in diese Saison mit einem reduzierten Sportetat gegangen, wird dieser noch weiter zusammengestrichen?

Strauch: Die Zeichen stehen weiter auf Konsolidierung, wir müssen das Projekt langfristig auf stabile Füße gestellt kriegen. Aber fallen aufgrund eines zweiten Wunders nicht noch zusätzliche Sponsoren vom Himmel, wird die Situation auf keinen Fall einfacher. Die Begleiterscheinungen der jetzigen Saison wollen wir uns ersparen.

Wird denn generell zu sehr mit Geld kalkuliert, das man noch nicht hat, zu sehr auf Risiko gespielt?

Strauch: Es geht nicht anders. Wir reden jetzt über den Kader für nächste Saison, aber es wird kaum einen Verein geben, der jetzt schon seinen Sponsoringetat stehen hat. Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt noch keine definitiven Aussagen.

Die Konsolidierung lässt sich also nicht beziffern, auf welchem Niveau sehen sie denn die „Ladies“ 2016/17?

Strauch: Ich kann nicht sagen, wir kürzen um ein Drittel, nur um eine Hausmarke zu nennen. Momentan gehe ich aber davon aus, dass wir ein Team zusammenstellen können, das sich in einem besseren Bereich als dieses Jahr bewegt.

Was kann man mit gleichem oder geringerem Aufwand verbessern?

Strauch: Wir haben im Moment sicher keine Mannschaft, der man ein rohes Stück Fleisch in die Kabine wirft und ein Rudel Wölfe kommt heraus. Aber solche Spielerinnen sind auch nicht leicht zu finden.

Geht auch die Suche nach einem anderen Trainer los?

Strauch: Ich sehe keinen Grund, warum wir nicht auch zukünftig mit unserem bisherigen Coach Manuel Hartmann weiterarbeiten sollten.

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