Powervolleys: In Sekundenbruchteilen Entscheidungen treffen

Von: Franz Sistemich
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Er redet viel mit seinen Spielern: Anton Brams, der 27-jährige neue Trainer der SWD Powervolleys. Foto: Guido Jansen

Düren. Er ist 27 Jahre alt. In Betriebswirtschaftslehre und Soziologie sowie in Kommunikationswissenschaften, Psychologie und Philosophie weist er Bachelorabschlüsse auf. Zurzeit arbeitet er an seinem Masterabschluss in Kommunikationswissenschaft an der Universität Hawaii.

Doch Anton Brams ist kein Wissenschaftler im klassischen Sinn, schließlich ist er Trainer des Bundesligisten SWD Powervolleys Düren. Dass er aber mit seinen 27 Jahren der jüngste Trainer in der höchsten deutschen Spielklasse ist, dass die Verantwortlichen des dreifachen deutschen Vizemeisters das Risiko eingingen, den Vertrag des Routiniers Michael Mücke nicht zu verlängern und die sportliche Verantwortung in die Hände eines jungen Mannes zu legen, der noch nie in alleiniger Verantwortung eine Profi-Mannschaft gecoacht hat, hat aber schon mit einer Wissenschaft zu tun: Man kann Anton Brams als Volleyball-Wissenschaftler bezeichnen.

Brams, der vor zehn Jahren als Spieler des VC Olympia Berlin seine Laufbahn aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, hat während seiner Zeit als technischer Koordinator der Hochschulmannschaft von Hawaii und als beratender Trainer der US-Nationalmannschaft (Weltliga-Sieger 2014) Computerprogramme entworfen. Mit ihnen kann er Partien in ihre Einzelheiten zerlegen und aus diesen Details wertvolle Erkenntnisse für Trainer und Spieler gewinnen.

Und so stießen auch die Powervolleys Ende vergangenen Jahres auf Brams. Schnell wurde Dürens Sportlichem Leiter Goswin Caro klar, dass hinter Brams mehr steckt als ein Statistiker. Der 27-jährige gebürtige Berliner legte den Dürenern schließlich ein Gesamtkonzept vor, bei dem sie nicht Nein sagten.

Ausgangspunkt ist: „Ich setze auf Spieler, deren Motivation, sich zu verbessern, überdurchschnittlich hoch ist“, sagt Brams. Um die Qualität seiner Spieler zu steigern, setzt Brams nicht auf standardisierte Übungen, „Natürlich wirst du im Training besser, wenn du immer wieder die Annahme der gegnerischen Aufschläge im Bagger übst.“

Aber darum alleine geht es dem Trainer nicht. Im Spiel ist eben nicht Aufschlag gleich Aufschlag, der Annahmespieler muss im Bruchteilen von Sekunden auf die Unterschiede reagieren: „Ich möchte, dass die Spielern lernen, in diesen Sekundenbruchteilen immer eine Lösung zu finden, wenn die Situation anders ist als erwartet.“

Zur Bewältigung dieses Krisenmanagements stellt Brams seine Schützlinge im Training immer wieder vor Probleme. „Es ist wichtig, dass sie die drei Stufen einer Pyramide beherrschen: eine Situation lesen, eine Entscheidung treffen und diese umsetzen.“

Deshalb spricht Brams auch viel mit seinen Aktiven, setzt auch die Videotechnik intensiv ein. Und versucht, seinen Schützlingen die Angst vor Fehlern zu nehmen. Bekanntermaßen ist Volleyball eine Fehlersportart. Aber Brams bestraft Fehler nicht. Sein Stichwort lautet Prozessorientierung: „Wenn jemand einen Fehler macht, sich dabei aber verbessert, bestärke ich den Spieler.“

Schließlich soll der im fünften Satz beim Stand von 14:13 für das eigene Team mit breiter Brust zum vielleicht entscheidenden Aufschlag gehen. Brams benutzt das Wort „geil“, um das Empfinden zu beschreiben, dass ein Spieler in dieser Situation empfinden soll: „Er soll keine Angst haben. Er soll sich auf diesen Moment freuen, denken: ‚Auf diese Situation habe ich trainiert, darauf bin ich vorbereitet‘.“

Die Vorbereitung für die Powervolleys auf die am Samstag mit dem Heimspiel gegen den CV Mitteldeutschland beginnende Saison verlief nicht optimal: Erst vor wenigen Tagen komplettierten Sebastian Gevert, Blair Bann und Rudy Verhoeff den Kader. Der Deutsch-Chilene und die beiden Kanadier waren lange mit ihren Nationalteams unterwegs. Und deshalb sagt Brams: „Wir werden zum Start noch nicht unser bestes Volleyball bieten, aber das heißt ja nicht, dass wir unser Heimspiel nicht gewinnen werden.“

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