Neue Ladies-Trainerin: „Ich will keine hängenden Köpfe sehen“

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Zwischen Neuaufbau und Olympischen Spielen: Saskia van Hintum ist neue Trainerin der „Ladies in Black“. Foto: Wolfgang Birkenstock
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Die 1,90 Meter große Anna Kalinovskaya wurde für die kommende Saison als Mittelblockerin verpflichtet.

Aachen. Hongkong – Aachen, Bangkok – Aachen, Rio de Janeiro – Aachen. Saskia van Hintum, neue Trainerin der „Ladies in Black“ Aachen, kommt zurzeit als Assistentin von Trainer Giovanni Guidetti für die niederländische Frauen-Nationalmannschaft viel herum in der Welt.

Ende August nimmt die 46-Jährige ihre Arbeit in der Volleyball-Bundesliga auf, doch bereits jetzt laufen die Vorbereitungen auf die neue Spielzeit. Über ihre Vorstellungen, Pläne und Ziele sprach Roman Sobierajski mit der Niederländerin.

Sie haben abenteuerliche Reisen hinter und vor sich . . .

Van Hintum: Stimmt, aber es geht nicht anders. In Aachen geht es voll ab, sobald die Olympischen Spiele vorbei sind.

Wann steigen Sie bei den „Ladies“ richtig ein? Mitte August?

Van Hintum: Ich hoffe erst Ende August, weil das bedeuten würde, dass wir mit dem niederländischen Nationalteam das Finale in Rio erreicht haben. Aber die Aachener Spielerinnen fangen Mitte August mit Co-Trainer Erik Reitsma an.

Und wann werden Robin de Kruijf, Laura Dijkema und Myrthe Schoot als Neuzugänge in Aachen vorgestellt? Van Hintum (lacht): Ich glaube, die sind vom Niveau her schon über Aachen hinaus. Aber ich habe ja gesehen, wie gut sich Femke Stoltenborg, Yvon Belien und auch Britt Bongaerts hier entwickelt haben. Nun bekommen wir wieder junge Spielerinnen mit viel Potenzial, den Schritt Richtung Nationalmannschaft zu machen.

Bei Ihrem Hintergrund liegt der Verdacht ganz nah, dass Aachen in Zukunft regelmäßig mit niederländischen Talenten rechnen kann.

Van Hintum: Ich hoffe, dass wir in Aachen für die talentierten niederländischen Spielerinnen interessant sind, auch weil das Niveau in der niederländischen Liga momentan nicht so hoch ist.

Wie kommt das? Die Nachwuchsarbeit erscheint vorbildlich.

Van Hintum: Eine richtige Erklärung habe ich nicht dafür. Ich habe in den Niederlanden eine Rundreise zu allen Bundesliga-Mannschaften gemacht und auch mit den Trainern gesprochen. Viele Spielerinnen beenden ihre Karriere, wenn sie 23, 24 Jahre alt sind, oder sie wechseln ins Ausland. Nicole Oude Luttikhuis hat als 18-Jährige bereits drei Jahre in der ersten Liga gespielt. Es gibt dort keine Herausforderung mehr.

Dann ist der Schritt ins Ausland eigentlich nur konsequent . . .

Van Hintum: . . .und wichtig für die Entwicklung der Spielerinnen. Natürlich werden wir in der ersten Zeit im Team viel Englisch reden müssen, aber ich lege großen Wert darauf, dass die Spielerinnen deutsch lernen, damit sie mit den Fans oder der Presse in der Landessprache reden können. Niederländer passen sich überall schnell an.

Reden wir über die Neuverpflichtungen. Der Verein hat Zuspielerin Kimmy Whitson als Wunschspielerin der Trainerin bezeichnet. Tatsächlich kennen Sie die US-Amerikanerin aber nur von Videos, oder?

Van Hintum: Aber auf dem Video fand ich beeindruckend, wie sie sich bewegt, wie sie den Ball spielt, welche Entscheidungen sie trifft, wenn sie die Wahl zwischen mehreren Aktionen hat. Auch die Energie, die sie ausstrahlt, hat mir unheimlich gefallen. Sie ist ständig mit ihren Mitspielerinnen beschäftigt und traut sich, erstes Tempo zu spielen. Eigentlich war ich selbst auch so als Zuspielerin.

Mit Kirsten Knip kommt auch eine namhafte Libera . . .

Van Hintum: Unsere Annahme wird sehr gut sein, Kirsten wird den jungen Spielerinnen Sicherheit geben, auch wenn sie noch Zeit brauchen werden.

Wie weit sind die Kaderplanungen fortgeschritten?

Van Hintum: Ich habe schon elf, zwölf Spielerinnen auf meiner Liste, mit denen ich arbeiten will. Wir kommen gut voran.

Sie waren bereits in der letzten Saison mal in Aachen. Der Eindruck kann nicht schlecht gewesen sein, sonst wären Sie jetzt kaum hier.

Van Hintum: Das war Wahnsinn. Ich war mit meinem Mann hier, wir waren in der Stadt, die auch bei Scheißwetter schön ist. Dann war ich eine Stunde vor Spielbeginn in der Halle und dachte, ich sei viel zu früh. Aber die Halle war schon gut gefüllt, das kannte ich aus Holland nicht. Die Stimmung war toll, auch bei Rückstand.

Sie fangen jetzt im Prinzip wieder bei Null an, haben aber nur für eine Saison unterschrieben. Kann man in dieser kurzen Zeit etwas Dauerhaftes auf die Beine stellen?

Van Hintum: Nein, dafür braucht man schon drei Jahre, um richtig etwas aufzubauen. Dass hier alles auf Null steht, bedeutet aber auch, dass ich mein Ding machen kann. Das gefällt mir. Geld ist für mich nicht das Wichtigste. Ich mache gerne Neuaufbau. In Sliedrecht habe ich drei Jahre gebraucht, um europäisches Niveau zu erreichen.

Also spielen die „Ladies“ in drei Jahren international?

Van Hintum: Wer weiß, wer weiß. Wenn sich die Mannschaft weiterentwickelt und es die Sponsoren hinreißt, ist alles möglich.

Es gibt viele unterschiedliche Trainertypen, die lauten, die leisen, die extrovertierten, die Laptop-Freaks. Welcher Typ sind Sie?

Van Hintum: Ich bin sehr engagiert, stehe an der Seitenlinie, spreche mit den Spielerinnen, wenn ich sehe, dass etwas zu verbessern ist. Ich will der Mannschaft positive Energie geben.

Zum Schluss die wichtigste Frage: Warum gibt es so wenige weibliche Coaches für Frauenteams?

Van Hintum: Das ist eine sehr gute Frage, finde ich. Viele Frauen wollen nach ihrer Spielerkarriere etwas anderes machen. Es reizt sie nicht, den gleichen Weg noch einmal zu beschreiten. Ich wusste schon als 20-Jährige, dass ich später den Trainerberuf ergreifen werde. Es macht mir Spaß, anderen etwas beizubringen.

Ist doch auch eine weibliche Eigenschaft, Wissen zu vermitteln . . .

Van Hintum: . . . und Erfahrungen zu teilen. Als Frau hat man es in einem Frauenteam auch ein bisschen einfacher. Man kann viel leichter einer Spielerin den Arm um die Schulter legen und sie weinen lassen. Männer sind da eher bamm, bamm, bamm.

Aber bamm, bamm, bamm muss manchmal auch sein, oder?

Van Hintum: Ich bin nicht nur von der sanften Art, aber generell positiv. Meine Energie ist meine Kraft. Ich möchte gerne mein Coaching mit einem Lächeln machen.

Dann sehen wir bald eine energiegeladene, emotionale Mannschaft, die viel lächelt?

Van Hintum: Das zu erreichen, ist mein Ziel. Ich will keine hängenden Köpfe sehen.

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