Aachen - Manuel Hartmann: „Mutiger, schneller und aggressiver“

Manuel Hartmann: „Mutiger, schneller und aggressiver“

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Der Sprung aus der zweiten Reihe in die Verantwortung: Manuel Hartmann (rechts) führt die „Ladies in Black“ in die zweite Saisonhälfte der Volleyball-Bundesliga. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. MTV Stuttgart heißt am Mittwoch (19 Uhr) der erste Klub, bei dem die „Ladies in Black“ Aachen im neuen Jahr in der Volleyball-Bundesliga antreten müssen. Für den neuen Aachener Chefcoach Manuel Hartmann eine kleine Reise zurück in die eigene Vergangenheit und eine große in die Zukunft. Roman Sobierajski sprach mit dem 29-Jährigen über die Aussichten.

Wie gestaltet sich der Neuanfang?

Hartmann: Wir hatten ein Testspiel gegen Wiesbaden, mit dem ich ganz zufrieden war. Es läuft ganz gut, alle sind bereit, alle sind motiviert.

Zumindest alle, die noch da sind. Wie gehen Sie damit um, dass nach dem Weggang von Laura Weihenmaier nur noch zehn Profispielerinnen und Zoe Liedtke als Ergänzung zur Verfügung stehen. Das dürfte die Trainingsarbeit nicht gerade erleichtern, oder?

Hartmann: Das war tatsächlich ein Problem, dass wir nicht Sechs gegen Sechs spielen lassen konnten. Aber wir hatten, solange noch kein Co-Trainer da war, kurzfristig eine Lösung gefunden. Die Freunde von Simona Kosova und Ivona Svobodnikova spielen für Stolberg in der Oberliga Volleyball. Einer war immer beim Training dabei, der die zwölfte Spielerin gab.

Klingt, als sei die Stelle des Co-Trainers besetzt.

Hartmann: Wir konnten Filipe Carrasco Soares verpflichten, der bereits Co-Trainer in Bühl und für deren zweite Mannschaft verantwortlich war.

Woran arbeiten Sie im Training, wohin wollen Sie mit der Mannschaft?

Hartmann: Wir hatten im neuen Jahr nur wenige Trainingseinheiten, auch wegen des Testspiels. Wir wollen systemisch einige Sachen ändern, auch in der Feldverteidigung, und vor allem im Angriff wieder schneller werden, so wie wir in der ersten Saisonphase gespielt haben. Da gibt es natürlich noch Abstimmungsprobleme.

Es war auffällig, dass zuletzt – übertrieben gesagt – Schneeflocken auf den Zuspielen lagen.

Hartmann: Wir waren zuletzt zu leicht zu lesen, ausrechenbar, und hatten vor allem nach schlechter Annahme Probleme im Angriffsspiel. Wir wollen wieder dahin, mutiger, schneller und aggressiver zu spielen. Was haben wir zu verlieren?

Nun, das Auftaktprogramm ist nicht gerade leicht, Stuttgart ist eine Hausnummer in der Liga.

Hartmann: Wir haben in dieser Saison noch gar nicht gegen Stuttgart gespielt, die sich auch in der Winterpause noch verstärkt haben. Gegen Ende der Hinrunde hatte Stuttgart wegen der Belastungen in der Champions League auch Probleme. Der Verein verfügt nicht über zwei gleichwertige Garnituren. Aber nun ist die Mannschaft ausgeruht, frisch, fit und freut sich auch, dass es wieder losgeht. Das macht die Aufgabe für uns nicht einfacher.

Für Sie ist die Fahrt nach Stuttgart eine Rückkehr in die alte Heimat, schließlich waren Sie Cheftrainer der zweiten Mannschaft, bevor Sie in Aachen als Co-Trainer angefangen haben.

Hartmann: Aus dem aktuellen Kader kenne ich noch Jelena Wlk, die hat in der Zweiten Liga noch bei mir gespielt.

Dass kurz hintereinander der Cheftrainer ausgewechselt wurde und die Kapitänin gegangen ist, hat für einige Wellen gesorgt.

Hartmann: Das war unglücklich, hängt aber nicht miteinander zusammen. Das war einfach Pech, dass beides fast zeitgleich passiert ist.

Wie ist die Mannschaft damit umgegangen? Sehen die Spielerinnen einen Neuanfang, oder macht man nach der Pause über die Feiertage einfach weiter?

Hartmann: Wir können nicht einfach weitermachen, als wäre nichts gewesen. Natürlich ist das eine ziemliche Umstellung für alle Beteiligten. Vom Gefühl her ist es so, dass alle der gemeinsamen Sache noch einmal eine neue Chance einräumen und sagen, wir sind jetzt die, die da sind, und müssen das Beste daraus machen. Ich habe bezüglich der Stimmung ein gutes Gefühl.

Die neue Kapitänin Silvia Baradel ist bislang nicht als große Wortführerin in Erscheinung getreten. Ist ihre Ernennung eine Kompromisslösung, um zwischen den beiden großen Blöcken in der Mannschaft zu vermitteln?

Hartmann: Ich denke nicht, dass es innerhalb der Mannschaft eine Blockbildung gibt. Natürlich gibt es zwei größere Nationalitätengruppen, das sieht man auch auf dem Papier. Und es gibt auch manchmal Konflikte zwischen einzelnen Spielerinnen, aber das findet man in jedem Beruf, in jeder Mannschaft. Aber momentan merkt man auch deutlich, dass jede mit jeder Spaß haben kann. Und zu Silvia Baradel: Sie fällt vielleicht nach außen hin nicht so sehr auf, wird aber intern von allen geschätzt, ist sehr offen und spricht die Dinge frei an.

Sprecht Ihr jetzt im Training Deutsch miteinander, oder wird weiterhin auf Englisch kommuniziert?

Hartmann: Trainingssprache ist weiterhin Englisch, und wenn die Slowakinnen sich mal miteinander in ihrer Sprache unterhalten, habe ich damit auch kein Problem. Wenn ich technische Verbesserungen mit einer deutschen Spielerin besprechen will, mach ich das natürlich auf Deutsch, aber alles, was die ganze Mannschaft betrifft, wird auf Englisch kommuniziert.

Für Sie ist die Berufung zum Chefcoach auch eine riesige Chance, raus aus der zweiten Reihe, rein in die Verantwortung. Ist man irgendwann bereit dafür, oder springt man einfach ins kalte Wasser?

Hartmann: Die Frage ist, wann ist man bereit? In Deutschland hat man nur zwei Chancen, einen Posten als Cheftrainer zu bekommen: Entweder ist man zur Stelle und rückt auf, oder man braucht Vitamin B und Leute, die volles Risiko gehen und einen als Cheftrainer benennen. In der Zweiten Liga auf sich aufmerksam machen zu wollen, ist illusorisch.

Aber als Co-Trainer lernt man das Coachen nicht, ist weitgehend mit der spieltaktischen Arbeit beschäftigt. Bei den organisatorischen und planerischen Dingen schaut man nur zu. Also muss man irgendwann damit anfangen, wenn man selbst Chef ist. Unter dem Strich also schon ein Sprung ins kalte Wasser, aber man hat natürlich auch seinen Plan.

Sie haben den Vorteil, dass Sie die Spielerinnen bereits kennen und sich nicht in einer neuen Mannschaft bewähren müssen. Sie wissen also, wie die emotionale Ansprache laufen muss.

Hartmann: Ja, das ist einerseits gut. Andererseits würde ich mich auch über sechs Wochen Vorbereitung statt einer freuen. Um Dinge vorzubereiten oder abzuklären, bleibt bei einer halben Woche vor dem ersten Punktspiel wenig Zeit.

Was wir ändern wollen, muss auch eingeübt werden, damit wir es beherrschen. Und von der technischen Seite her kann ich in der Zeit nur erinnern und zurückbringen. Spieler bereit zu machen, mündig zu spielen und Entscheidungen zu treffen, liegt mir ohnehin. Aber das braucht Zeit. Zum Glück haben wir in der Rückrunde nur wenige Englische Wochen.

Bei Dora Grozer haben sich die Ergebnisse gezeigt, wie ist die Lage bei Lene Scheuschner und Jule Langgemach?

Hartmann: Beide brauchen auch ihre Chancen im Spiel. Im Training kann man viel verbessern, da bewegt sich schon einiges. Während des Spiels geht es aber nicht mehr um individuelle Fortschritte, sondern um Ergebnisse und Erfolge. Aber, wenn der Kader so bleibt, wie er jetzt ist, werden wir ohnehin mehr wechseln müssen.

Hat sich sportliche Zielsetzung nach dem Umbruch geändert?

Hartmann: Bislang war das Ziel, einen direkten Play-off-Platz erreichen zu wollen. Das wird sehr, sehr schwer werden. Wir sind jetzt Achter, aber ich denke, dass wir schon dieses Ziel im Auge behalten können. Wichtig ist aber auch, das Teamgefüge neu zu festigen, um unsere sportlichen Ziele erreichen zu können.

Wie sieht denn Ihre eigene Perspektive aus?

Hartmann: Ganz ehrlich: Natürlich würde ich mich freuen, wenn es hier in Aachen weiterläuft und ich die Chance bekomme, als Trainer weiterzuarbeiten. Bislang war alles so hektisch, dass wir diese Frage zunächst zurückgestellt haben. Wenn es ruhiger wird, werden wir klären, wie es mittel- bis langfristig weitergeht.

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