Manchmal muss ein Wunder her: Rettung für die „Ladies in Black“

Von: Roman Sobierajski
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Alles auf einem Bild: Tränen, Staunen, freudiger Jubel. Die „Ladies“ bleiben auch in der kommenden Spielzeit in der ersten Volleyball-Bundesliga. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Manchmal bedarf es vielleicht eines kleinen Wunders, um unerreichbar Scheinendes doch noch Wirklichkeit werden zu lassen. Vorausgesetzt natürlich, dass sich der Zuständige für kleine Wunder überhaupt für die Volleyball-Bundesliga interessiert.

Es war eine mehr als skurrile Szene an diesem Samstagabend, als die „Ladies in Black“ am letzten Spieltag der Volleyball-Bundesliga vor eigenem Publikum noch um das sportliche Überleben kämpften. Die Aachenerinnen lagen zwar schon mit zwei verlorenen Sätzen zurück, aber vielleicht war diese Partie ja noch zu drehen. So kämpften und ackerten Dora Grozer, Tatiana Crkonova und Dominika Valachova noch auf dem Spielfeld, als unter den Offiziellen schon die Bombe platzte: Der Lizenzierungsausschuss der Volleyball-Bundesliga hatte NawaRo Straubing sechs Punkte abgezogen, der Aufsteiger hatte die Strafe akzeptiert. „Verstöße gegen die Auflagen aus dem Lizenzierungsverfahren“ lautet der Grund für die harte Strafe, der den Ausgang des Spiels zur Nebensache machte.

Die „Ladies“ waren gerettet, ein weiteres Jahr Bundesliga gesichert, bereits am Mittwoch steht die erste Partie in den Pre-play-offs in Potsdam an. Nur die Spielerinnen waren noch nicht informiert, und so flossen viele bittere Tränen, als die 0:3 (19:25, 22:25, 16:25)-Niederlage und damit der vermutete Abstieg nach 76-minütiger Spielzeit feststanden. Was folgte, war die Auflösung der Situation durch den Hallensprecher, der über Mikrofon die 946 Zuschauer über den Punkteabzug für den Konkurrenten informierte, und unter den Aachener Spielerinnen wich die Niedergeschlagenheit schnell dem gemeinsamen Jubel, als allen die Tragweite der Entscheidung klar wurde. „Ich habe gedacht, das wäre unser letztes Spiel gewesen, aber das ist es zum Glück nicht. Es geht weiter“, meinte eine erleichterte Libera Dominika Valachova, der die Tränen der Enttäuschung noch in den Augen standen.

Es blieb kein Platz für den Gedanken daran, dass das gleiche Drehbuch mit umgekehrten Vorzeichen zeitgleich gerade auch in Suhl ablief, wo sich die Straubinger Spielerinnen nach ihrem 3:0-Sieg eigentlich gerettet glaubten. „Keiner von uns wusste irgendetwas, es war furchtbar, herzzerreißend“, beschrieb Mittelblockerin Barbora Purchartova ihren Fans das Geschehen über die sozialen Medien. Aus heiterem (eher düsterem) Himmel dürfte die Strafe der Liga allerdings nicht über die Straubinger Verantwortlichen gekommen sein, da ihnen eine Frist für den Nachweis der Wirtschaftlichkeit gesetzt wurde – die allerdings ungenutzt verstrich.

„Es ist schon komisch, wenn man von einer solchen Entscheidung am Grünen Tisch erfährt“, sinnierte auch Aachens Trainer Manuel Hartmann über die Entscheidung und schaffte es dennoch, sich sportlich mit dem Auftritt seiner eigenen Mannschaft auseinanderzusetzen, denn nach dem Spiel ist ja bekanntlich auch vor dem Spiel – wenn man denn nicht zum Abstieg verdammt ist. „Wir haben phantastisch in der Abwehr gestanden“, befand der 29-Jährige zurecht, „und wir haben sehr, sehr gut gespielt, am Ende nur zu wenige Angriffe durchgebracht.“

Tatsächlich hatte Dresden seine Top sechs aus dem Pokalfinale aufgeboten, und Aachen hatte Dresdens Ersatz-Coach Michal Masek gezwungen, dreimal zu wechseln, bis er schließlich die Formation gefunden hatte, die dem Aachener Druck im zweiten Satz widerstehen konnte. Letztendlich machte die 1,93 Meter große Außenangreiferin Michelle Bartsch den Unterschied zwischen gut und souverän. Und vielleicht sieht man sich ja bald wieder: Sollten die „Ladies“ die Pre-play-offs überstehen, dann wartet in der nächsten Runde absehbar der Dresdner SC.

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