„Ladies“-Sportdirektor: „Aus sportlicher Sicht sind wir im Soll“

Von: Roman Sobierajski
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Kein bestimmtes Punkteziel für die Hinrunde gesetzt: Aachens Sportdirektor Sebastian Gutgesell. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Zehn Partien sind absolviert in der Volleyball-Bundesliga, für die „Ladies in Black“ endet die Hinrunde am Mittwoch (19.30 Uhr) gegen Vilsbiburg. Vor dem letzten Spiel des Jahres sprach Roman Sobierajski mit Sebastian Gutgesell,Sportdirektor des Aachener Bundesligisten.

Ihre Trainerin Saskia van Hintum stellt gerne kopfschüttelnd fest, dass das Projekt „Ladies in Black“ mit ihr erst seit vier Monaten läuft. Wie intensiv ist die Zeit in Ihren Augen vergangen?

Gutgesell: Das war sehr intensives Arbeiten, sowohl in der Zeit, bevor die Mannschaft endlich zusammen war, als auch danach. Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass wir uns so schnell weiterentwickeln würden. Das lässt sich zwar noch nicht an den Ergebnissen ablesen, aber das Potenzial blitzt auch gegen starke Gegner des öfteren auf.

Es ist auch beeindruckend, wie schnell sich alle jungen Spielerinnen entwickelt haben. Klar ist aber auch, dass es in einer komplett neuen Mannschaft auch zu Einbrüchen wie gegen Münster kommen kann. Aber das hatten wir bereits einkalkuliert.

Wie sehen Sie das bisherige Abschneiden?

Gutgesell: Unser Ziel ist und war es, die Mannschaft in der Hinrunde zu entwickeln und dann in der Rückrunde richtig anzugreifen, ein stabileres Spiel zeigen, Zählbares gegen die Teams aus dem Mittelfeld holen.

Gab es konkrete Vorstellungen, wie viele Punkte in der Hinrunde eingesammelt werden sollten?

Gutgesell: Für die Hinrunde haben wir uns bewusst kein bestimmtes Punkteziel gesetzt, in der Rückrunde sollen es auf jeden Fall mehr werden. Wir wollen die Mannschaften, die jetzt hinter uns stehen, deutlicher hinter uns lassen. Wenn ich ein konkretes Saisonziel benennen sollte, wäre das ein Platz mit Heimrecht in den Pre-Playoffs. Alles Bessere, wäre noch obendrauf. Man muss bedenken, dass wir gezielt in das Potenzial investiert haben und nicht in fertige Spielerinnen. Aus sportlicher Sicht sind wir im Soll.

Dass es Einbrüche geben würde, war klar, aber bereitet Ihnen die Tiefe keine Sorgen?

Gutgesell: Das ist der jungen Mannschaft geschuldet. Steckt man einmal in einem tiefen Loch, ist es schwierig, wieder herauszukommen. Ziel der Rückrunde ist, die Mannschaft insgesamt auf ein höheres Niveau zu bringen und die Einbrüche zu minimieren.

Abgesehen davon fehlte es dem Team in den einzelnen Mannschaftsteilen auch an Ausgewogenheit. Positiv hat sicher Diagonalangreiferin Frauke Neuhaus überrascht, die sich schnell in der Ersten Liga akklimatisiert hat.

Gutgesell: Das hat uns auch überrascht. Der qualitative Unterschied zwischen Zweiter und Erster Liga ist sehr groß. Aber schön, dass wir zuerst auf die Idee gekommen sind, sie zu verpflichten.

Eine Schwäche scheint es zu sein, die gegnerische Annahme durch starke Aufschläge unter Druck zu setzen.

Gutgesell: Da gibt es ein auf und ab. Versuchen wir, mit Druck aufzuschlagen, müssen wir auch mehr Risiko und mehr Fehler in Kauf nehmen. Nimmt man Risiko raus, sinkt der Druck auf die Annahme. Auch hier muss man eine gewisse Balance bringen.

Aber generell gibt es Schwächen auf der Läufer-4-Position.

Gutgesell: Stimmt, das ist bislang unsere Schwachstelle, und wir können nicht erklären, woran es liegt, sonst könnten wir es abstellen. Wir geben dort die meisten Punkte ab, ungeachtet, wer gerade auf der Position steht.

Der Block hat von Anfang an funktioniert, auf der Liberoposition hat es eine Zeit gedauert, bis Kirsten Knip ihre Rolle gefunden hat.

Gutgesell: Kirsten ist eine der Führungsspielerinnen und hat sich da in der Verantwortung gesehen. Aber darunter leidet auch das eigene Spiel ein wenig. Mit Femke Stoltenborg haben wir jetzt eine weitere Spielerin auf dem Feld, die sie darin entlasten kann.

Sie entwickeln das Team geduldig weiter, dann schneite das 1,90 Meter große Weihnachtsgeschenk herein. Überraschend?

Gutgesell: Wir wussten natürlich, dass Femke vereinslos war und standen in Kontakt mit ihrem Management. Als sie dann ihr konkretes Interesse bekundet hat, den Schritt nach Aachen zu gehen, haben wir schnell zugegriffen. Klar, kann uns eine fertige Spielerin mit internationaler Erfahrung sofort weiterhelfen. Und neben dem sportlichen Mehrwert, den sie selbst mitbringt, kann sie auch dabei helfen, die jungen Spielerinnen weiterzubringen, auch durch ihre Position als Zuspielerin.

Dennoch dürfte ihre Verpflichtung als Intermezzo zu sehen sein.

Gutgesell: Erst einmal, ja. Wir können finanziell nicht mit den großen europäischen Klubs konkurrieren. Vielleicht können wir aber auch ein Gesamtpaket mit Perspektive, Umfeld und Trainergespann schnüren, das für sie interessant ist. Aber es wird sicher nicht leicht werden.

Apropos Trainerin: Sie wird durch die Bank von allen Trainerkollegen für ihre Arbeit gelobt.

Gutgesell: Auch intern sind wir sehr zufrieden, wie sich die Mannschaft entwickelt, wie sie im Training arbeitet. Saskia gibt sich nie zufrieden, analysiert sofort die Fehler und versucht auch Sachen, die gut laufen, noch besser zu machen. Wir hoffen, dass ihre Weiterverpflichtung für die kommende Saison die erste Baustelle sein wird, die wir abschließen können. Erste Gespräche laufen bereits, auch mit Spielerinnen auf Schlüsselpositionen. Wir wollen nach der Insolvenz wieder Kontinuität in die Mannschaft bekommen, uns dauerhaft etablieren, das macht es auch für die Fans leichter.

Das Mittelfeld der Tabelle ist in dieser Saison sehr eng beieinander. Wo sehen Sie die „Ladies“?

Gutgesell: Unser Ziel wird sein, dort wieder Anschluss zu finden. Aktuell ist der Punkteabstand nach oben recht groß. Wir haben seit einigen Monaten einen neuen Marketingbeauftragten und hoffen, dass seine Arbeit dann in der kommenden Saison Früchte trägt und uns auch sportlich voranbringt.

Voranbringen ist ein gutes Stichwort. Gibt es Neuigkeiten zum Hallenneubau?

Gutgesell: Wir können von Vereinsseite aus nicht viel tun als auf ein Zeichen der Stadt zu warten und klarzumachen, dass wir die Halle brauchen, sonst werden die Auflagen der Volleyball-Bundesliga wohl immer restriktiver. Durchaus möglich, dass wir in den nächsten Jahren auch für die Pre-Playoffs schon auf eine andere Halle ausweichen müssen. Aber, klar ist auch, dass wir als Verein so ein Projekt nicht stemmen können, dazu brauchen wir die Stadt, die Städteregion oder einen Investor, mit einem übergreifenden Konzept für die Nutzung. Dass wir in den letzten Jahren in Aachen mit Neubau-Projekten im Sportbereich nicht die besten Erfahrungen gemacht haben, macht die Realisierung nicht einfacher.

Vor der Saison bekam die Mannschaft das Etikett Wundertüte umgehängt. Inwieweit sind die Hoffnungen Wirklichkeit geworden?

Gutgesell: Wir sind sportlich voll im Soll und sehr überrascht von der positiven Entwicklung. Bei elf neuen Spielerinnen weiß man vorher nie, inwieweit das Konzept aufgeht. Es hätte jedenfalls deutlich schlechter laufen können. Wir sind sicher, dass wir in der Rückrunde mehr Punkte holen werden als in der Hinrunde. Daran werden wir uns messen lassen müssen.

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