„Ladies in Black“: Verantwortliche bauen auf Hilfsaktion

Von: Roman Sobierajski
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Nachdenkliche Gesichter: Bastian Heckert (von links), Geschäftsführer der „Ladies in Black“, PTSV-Vorsitzender Dr. Frank Schidlowski und Sportdirektor Reinhard Strauch. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Lage könnte unterschiedlicher nicht sein: Sportlich eilen die „Ladies in Black“ Aachen von Erfolg zu Erfolg, haben vor der Partie am Sonntag (16 Uhr) beim VC Wiesbaden vier Ligasiege und einen Pokalerfolg auf dem Konto. Zugleich drückt die Verantwortlichen die finanzielle Lage derart, dass direkt zu Saisonbeginn ein Hilferuf erfolgte.

Konkret: Im Etat klafft aktuell eine Lücke von 265.000 Euro. Im Redaktionsgespräch erläuterten PTSV-Vorsitzender Dr. Frank Schidlowski, Bastian Heckert als Geschäftsführer der Spielbetriebs GmbH und Sportdirektor Reinhard Strauch die aktuelle Situation.

Seitdem vor rund zwei Wochen die Hilfsaktion „Klenkes hoch“ ins Leben gerufen wurde, sind aus Fankreisen 15.000 Euro an Hilfen zusammengekommen, nur von Seiten der Sponsoren hat sich bislang wenig bewegt. Die Bundesligisten finanzieren sich zu 90 Prozent aus Sponsoren-Zuwendungen, lediglich zehn Prozent kommen durch Zuschauereinnahmen und Merchandising zusammen. „Und dann klopft man immer wieder an die gleichen Türen, was nicht immer für helle Freude sorgt“, beschreibt Bastian Heckert, Geschäftsführer der „Ladies in Black“ Spielbetriebs GmbH, die Situation.

„Natürlich hat die Volleyball-Bundesliga kein Interesse daran, dass publik wird, dass der Meisterschaftsdritte der Saison 2013/14, der Pokalfinalist der vergangenen Runde und der aktuelle Tabellenführer in finanziellen Schwierigkeiten steckt und auch einige andere Vereine tiefrote Zahlen haben“, sieht Heckert die aktuell fehlenden Mittel nicht als alleiniges Aachener Problem. „Und es ist uns auch nicht leicht gefallen, mit unseren Problemen an die Öffentlichkeit zu gehen.“

Was die Lage der „Ladies“ allerdings verschärft habe, sei die Nichtlizenzierung der Halle an der Neuköllner Straße für Play-off- und Pokalspiele ab dem Halbfinale. „Wir haben ernsthaft über einen freiwilligen Abstieg, den Rückzug in die Zweite Liga nachgedacht und darüber auch mit den Vertretern der Volleyball-Bundesliga geredet“, führt der PTSV-Vorsitzende Dr. Frank Schidlowski an.

„Die Bundesliga hat uns Unterstützung zugesagt, nur diese stellt sich jetzt so dar, dass man unserem Lizenzantrag in Teilen nicht zugestimmt hat“, hebt Schidlowski auf die Nicht-Genehmigung der Halle ab. Die Konsequenz: Jede Partie, die in der Arena Kreis Düren ausgetragen werden muss, knabbert mit einem fünfstelligen Betrag für die Miete am Etat, zugleich fallen die Einnahmen aus diesen Heimspielen weg.

Eher über kurz als über lang wird die Schulturnhalle an der Neuköllner Straße ohnehin nicht mehr den Anforderungen des Masterplans der Bundesliga genügen, der Arenen mit einer Zuschauerkapazität von 2500 Zuschauern vorsieht. „Aber wir als Verein können eine solche Halle nicht bauen. Und fordern können wir das von den Sponsoren und der Stadt auch nicht.“

Nicht nur die Volleyballer beklagen fehlende Hallenkapazitäten auf dem Aachener Stadtgebiet, auch hochkarätige Vertreter anderer Sportarten sehen hier klare Defizite. Die Konsequenzen macht der PTSV-Vorsitzende auch deutlich: „Wenn die Liga irgendwann sagt, wir machen das nicht mehr mit, dann gibt es hier in Aachen keinen Erstliga-Volleyball mehr.“ Klar ist auch, dass die Stadt Aachen beim Thema Sportstättenbau aufgrund des neuen Tivoli ein gebranntes Kind ist, und Frank Schidlowski räumt ein, dass „die Stadt uns unterstützt, wo sie kann. Aber die Volleyball-Bundesliga schielt schon darauf, ob sich in Aachen was bewegt oder nicht. Wenn da nichts kommt, müssen wir halt sagen, dass Aachen in der Bundesliga nichts zu suchen hat.“

Fernziel der Volleyball-Bundesliga ist es, dem Sport – ähnlich wie dem Handball oder dem Basketball – Fernseh-Präsenz zu verschaffen. Doch bis es soweit ist, müssen die Vereine die notwendigen Ausgaben stemmen. „Es gibt keinerlei finanzielle Rückflüsse von der Liga in die Vereine. Stattdessen zahlt jeder Klub pro Saison einen fünfstelligen Betrag an die Liga“, führt Bastian Heckert an.

Dass die „Ladies“ auf der Ausgabenseite über ihre Verhältnisse gelebt oder der Liga im Lizenzierungsverfahren falsche Zahlen vorgelegt hätten, weisen der PTSV-Vorsitzende Frank Schidlowski und Sportdirektor Reinhard Strauch von sich. „Wir haben einen sehr preiswerten Kader“, meint Schidlowski und führt als ein Beispiel Dora Grozer an, die im vergangenen Jahr in Aachen den Feinschliff erhielt und sich in dieser Saison als vollwertige Spielerin präsentiert.

Man habe der VBL die geforderten Zahlen vorgelegt, zuletzt den Nachweis, dass 80 Prozent der Sponsorenzusagen realisiert seien. Der Etat des Sportdirektors war im Vorfeld, als sich die finanziellen Probleme abzeichneten, ohnehin gekürzt worden, und Strauch meint angesichts des Tabellenstands stolz: „Jede Neuverpflichtung war günstiger als jede einzelne Spielerin, die uns nach der vergangenen Saison verlassen hat. Wir sind die Sache sicher nicht blauäugig angegangen.“

Bleiben zuletzt die Erfolgsaussichten der „Klenkes hoch“-Aktion: „Hätte man keine Zuversicht, dann würde es keinen Sinn machen, solch einen Aufwand zu betreiben“, umschreibt Bastian Heckert die Hoffnungen, die auf dem Projekt ruhen.

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