Aachen - „Ladies in Black“ erhöhen den Druck auf Schwerin

„Ladies in Black“ erhöhen den Druck auf Schwerin

Von: Roman Sobierajski
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Vorgelegt in den Play-offs: Die jubelnden „Ladies in Black“ fahren mit einem Sieg auf dem Konto zum Rückspiel am Samstag nach Schwerin. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Es gibt Momente im Sport, die für lange Zeit im Gedächtnis bleiben. Momente wie diesen: Die „Ladies in Black“ Aachen und der Schweriner SC hatten in der ersten Partie der Viertelfinal-Play-offs der Volleyball-Bundesliga schon zwei Stunden und 17 Minuten lang ein packendes Duell auf Augenhöhe hinter sich.

Die Aachenerinnen verloren den packenden ersten Satz knapp mit 30:32, gewannen dafür die beiden folgenden relativ sicher – und im vierten Durchgang schien sich das Drama aus dem Auftaktsatz zu wiederholen: Die „Ladies“ vergaben den ersten Matchball, Schwerin hatte fünf Mal die Chance, Satzgleichstand herzustellen. Fünf Mal wehrten die Aachenerinnen den Satzball vor 1327 Zuschauern ab.

Netzroller entscheidet

Der Einzelblock von Zuspielerin Femke Stoltenborg bescherte Aachen den nächsten Matchball. Tatiana Crkonova hatte erneut Aufschlag, schlug den Ball in ihrer unnachahmlichen Art, die von außen wie eine Mischung aus Verachtung und Desinteresse aussieht, Richtung Gegner, der Ball kam an die Netzkante, dachte eine halbe Sekunde nach – und fiel dann unabwehrbar in die Schweriner Spielhälfte.

Mannschaft und Betreuer feierten, das Publikum tobte, und Hallensprecher André Schnitker legte an der Seitenlinie einen Feiersprint hin, der Usain Bolt begeistert hätte. Die „Ladies in Black“ hatten gerade gegen den laut Aachens Trainer Marek Rojko „größten Klub der deutschen Volleyball-Geschichte, der unseren Respekt verdient“, die erste Partie im „Best-of-three“-Modus für sich entschieden. Die Siegerinnen setzten sich mit 3:1 (30:32, 25:20, 25:19, 32:30) durch.

„Das war sportlich das Beste, was wir bislang hier gesehen haben“, sprach auch Aachens Sportdirektor Reinhard Strauch beiden Teams ein Lob aus. „In den Play-offs geht es nur noch darum ob Du oder Ich. Vom Niveau her hätte es auch das Finale um die Deutsche Meisterschaft sein können.“

Schwerin hatte nach dem hochdramatischen ersten Durchgang rein psychologisch durchaus die besseren Karten: Die Aachenerinnen hatten zwei Satzbälle des Gegner abgewehrt, dann anschließend fünf eigene Chancen nicht genutzt, um sich dann einem starken Finish beugen zu müssen. „Aber das hat uns überhaupt nicht aus dem Konzept gebracht“, meinte Außenangreiferin Laura Weihenmaier anschließend. „Wir wussten, dass wir hier was reißen können, und wir haben es getan.“

Vor allem die starke Blockleistung der Aachenerinnen brachte die von Verletzungspech verfolgten Schwerinerinnen zur Verzweiflung, Aachens Mittelblockerin Yvon Bëlien, von Schwerins Trainer Felix Koslowski zur wertvollsten Spielerin der Partie gekürt, lieferte das bislang beste Match ihrer Karriere ab. „Ich weiß zwar nicht genau, wie ich es gemacht habe. Aber ich habe es getan“, freute sich die 20-Jährige über ihre Leistung.

Mit dem Publikum im Rücken hielten die PTSV-Volleyballerinen jedenfalls dem Druck stand, mit einer Heimniederlage im Gepäck nach Schwerin reisen zu müssen. „Mir gefällt so etwas, wenn so viele Emotionen im Spiel sind“, frohlockte auch die in Schweiß gebadete Mannschaftskapitänin Karolina Bednarova. „Der Druck ist jetzt bei Schwerin. Wir müssen nur noch zeigen, dass wir es auch auswärts können.“ Eine Situation, mit der sich auch der erfolgsgewohnte Schweriner Trainer in dieser Woche anfreunden werden muss, schließlich hatte Felix Koslowski im Vorfeld getönt, er denke „über ein vorzeitiges Ausscheiden überhaupt nicht nach“, und „es gibt auch keinen Plan B.“

Einen Matchplan für das Rückspiel hatte dagegen direkt nach Spielschluss die überragende Libera Dominika Valachova parat: „Wir müssen geduldig sein und dürfen nicht nervös auftreten“, meinte die Defensivspielerin. Den ersten Teil der Reifeprüfung haben die „Ladies“ jedenfalls mit Bravour bestanden.

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