„Ladies in Black“: Der Erfolg trägt auch den Namen Rojko

Von: Roman Sobierajski
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Nein, nicht die taktische Aufstellung für das Schwerin-Spiel: Aachens Trainer Marek Rojko hat auch einen handwerklichen Beruf erlernt. Der Coach der „Ladies in Black“ ist gelernter Winzer. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wenn man Marek Rojko als Trainer bei einem Spiel seiner „Ladies in Black“ Aachen in der Volleyball-Bundesliga erlebt, wenn man sieht, wie er mitleidet, mitfiebert, mitkämpft, dann kann man sich den 36-Jährigen nicht wirklich bei der Arbeit im Weinberg vorstellen.

Vorsichtiges Zurückschneiden der Triebe, liebevolle Pflege, bis die Zeit zur Lese gekommen ist, geduldiges Abwarten, bis nach Jahren das richtige Zusammenspiel zwischen Geschmack, Geruch und Farbe erreicht ist und der Wein in Flaschen abgefüllt werden kann.

Marek Rojko fällt es aber nicht schwer, Parallelen zwischen seiner Tätigkeit im oft schnelllebigen und hektischen Profisport und dem Beruf zu finden, den der Slowake in seinen jungen Jahren auf Anraten seines Vaters gelernt hat, um später etwas „Anständiges“ vorweisen zu können.

„Man hat als Trainer und als Winzer einerseits immer eine Idee im Kopf, lässt sich auf einen langen Prozess ein und muss sich andererseits auf ganz viele Details konzentrieren“, zählt Rojko auf. „Und gleichzeitig muss man bereit sein, die Dinge zu akzeptieren, die man nicht ändern, nicht beeinflussen kann.“

Jung an Jahren, reich an Erfahrung

So gesehen ist die 2014er-Ernte, die Rojko mit der Cuvée „Ladies in Black“ eingefahren hat, das Ergebnis von vielen Jahren Arbeit. Mit heute 36 Jahren ist der frühere Volleyball-Profi für einen Trainer zwar noch jung an Jahren, dafür aber reich an Erfahrung.

Vor zwölf Jahren beendete eine schwere Schulterverletzung die eigene sportliche Karriere als Volleyball-Profi – und die als Trainer begann. Ein Motiv, das sich wie ein roter Faden durch Rojkos Leben ziehen sollte, und eigentlich hat er nie eine Tür mit Wucht zugeworfen, wenn sich eine neue öffnete.

Der Plan, sich in Deutschland nach jahrelangen Erfolgen in der kleinen Slowakei als Trainer neu zu etablieren, reifte immerhin auch schon ein, zwei Jahre, bevor der Plan in die Tat umgesetzt wurde. Deutschland stand nicht zufällig auf der Agenda: Rojkos Frau Barbara, Lehrerin für Deutsch und Sport, hatte hier bereits zwölf Jahre lang mit ihren Eltern und Geschwistern gelebt, Rojkos Schwiegervater Igor Prieloný – wie kann es anders sein – arbeitete nach seiner Karriere als Volleyball-Profi erfolgreich als Trainer, coachte nicht nur vier Jahre lang die deutsche Nationalmannschaft und den VfB Friedrichshafen, sondern auch den TV Düren, den Mutterverein des Männer-Bundesligisten Evivo.

So war es wohl auch nicht ganz zufällig, dass Marek Rojko in Aachen gelandet ist, weniger aufgrund der räumlichen Nähe zu Düren, mehr wegen der Möglichkeiten, hier zu gestalten und etwas aufzubauen. Trümmer lagen nach dem Wechsel von der Alemannia hin zum PTSV schließlich reichlich herum.

Eigentlich ideal für einen Mann, der über sein Konzept zum Erfolg kommen will und für den der Weg, das kurzfristige Streben nach (permanentem) Erfolg zum Konzept zu erheben, der falsche Ansatz ist. Mehr Chancen, neue Pflänzchen einzusetzen, um dann irgendwann ernten zu können, bot sicherlich kein anderer Verein zu der Zeit, als Rojko dem „Ladies“-Sportdirektor Reinhard Strauch sein Wort gegeben hatte, das auf drei Jahre angesetzte Projekt mitzutragen: Zu diesem Zeitpunkt gab es (noch) keinen Verein, keine Spiellizenz, es waren fast keine Spielerinnen mehr vom Vorjahresteam übrig, Sponsorengelder standen aus – und bis zum 1. Juli, als der PTSV offiziell an die Stelle der Alemannia trat, gab es noch nicht einmal offizielles Briefpapier, um verbindliche Schreiben zu verschicken.

Hinzu kommt, dass ein kleiner (großer?) Schritt für einen Volleyballtrainer auch ein Riesensprung für einen Ehemann und Vater ist. Wohnung, Kindergarten und Schule für die vierjährige Tochter und den achtjährigen Sohn mussten gefunden werden, auch Barbara Rojko wollte irgendwann wieder halbtags arbeiten.

Die bangen Fragen, wie die Kinder die neue Umgebung aufnehmen und sich Sohn Maxim in der Schule bewähren würde, konnten ebenso nur die kommenden Monate bis in den Januar hinein beantworten wie den Erfolg des Neustart-Projekts „Ladies in Black“. Nun, rund ein Jahr nach der ersten Kontaktaufnahme am Rande des Pokal-Finales in Halle, dürfte auch der detailversessene Perfektionist an der Seitenlinie, der zum Frauen-Nationaltrainer der Slowakei berufen wurde, wenig zu verbessern haben.

Aber Marek Rojko wäre nicht er selbst, wenn er sich parallel zur akribischen Vorbereitung auf das Play-off-Viertelfinale am Samstag (19 Uhr) gegen den amtierenden Meister Schweriner SC (Rojko: „Bis hierhin der größte Erfolg in der Volleyball-Historie Aachens“) nicht schon Gedanken machen würde, was in der kommenden Spielzeit zu verbessern ist, welche Ziele man sich setzen und erreichen will.

Ein wichtiges Vorhaben: Nach dem Höhenflug aus der Asche, die Erwartungen der Fans im kommenden Jahr allerseits nicht zu hochfliegend werden zu lassen. „Es ist ungeheuer schwer, solch einen Erfolg im zweiten Jahr auch zu bestätigen“, weiß Aachens Trainer aus jahrelanger Erfahrung.

Wobei allein die Bestätigung schon ein Erfolg an sich wäre und kein Rückschritt oder ein Verharren auf der Stelle, wenn man bedenkt, dass Vereine wie Dresden oder Schwerin einen Kader von 18 Spielerinnen haben und ein Umfeld von zehn professionellen Mitarbeitern rund um das Team.

So arbeitet Marek Rojko nebenbei mit an Projekten, die auf den ersten Blick uncharmant wirken, aber den sportlichen Erfolg haltbar machen sollen. So müssen die Management-Strukturen im Verein mit dem sportlichen Erfolg mitwachsen, zudem sollen die Jugend-Mannschaften eine einheitliche Trainings-Philosophie und -Methodik bekommen, um junge Spielerinnen an das Profiteam heranführen zu können. Nicht nur im Weinberg besteht die Arbeit eben nicht nur aus der Ernte, sondern auch an der manchmal mühsamen Verbesserung des Bodens und der Wachstumsbedingungen.

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