„Hoffe, dass Aachen im Europapokal spielt“

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Manager Theo Hofland: „Die Aachener Mannschaft spielt immer erwachsener.“

Aachen. Acht von zwölf Spielerinnen der „Ladies in Black“ Aachen werden vom Spielerberater Theo Hofland betreut und vertreten. Roman Sobierajski sprach mit dem Niederländer, der weltweit 92 Spielerinnen unter Vertrag hat.

Haben Sie sich das Play-off-Viertelfinale der „Ladies“ gegen Schwerin am Samstag angeschaut?

Hofland: Nein, ich war in Istanbul. Fenerbahce steht im Finale des CEV-Cups, zwei meiner Spielerinnen sind dabei. In Aachen werde ich dann hoffentlich zum Endspiel in den Play-offs sein.

Sie haben in Aachen acht Spielerinnen unter Vertrag, was macht das Besondere dieser Beziehung aus?

Hofland: Ich komme schon einige Jahre nach Aachen. Im letzten Jahr hatte ich längere Gespräche mit den Verantwortlichen geführt und mit darüber nachgedacht, was sich ändern muss. Aachen hatte die Saison auf Platz 11 beendet, so konnte es nicht weitergehen. Da ich viele Spielerinnen vertrete, die auch für die Bundesliga interessant sind, habe ich versucht, Spielerinnen nach Aachen zu kriegen, die auch dahin passen.

War es für die Spielerinnen nicht ein großes Risiko angesichts der prekären Lage nach der letzten Saison?

Hofland: Nein, überhaupt nicht. Es mag sich arrogant anhören, ist aber nicht so gemeint: Ich weiß, was die Spielerinnen können, ich weiß, wie die Situation in Aachen sein kann. Mir war klar, dass das eine perfekte Kombination ist. Ich kann sehr gut die Fähigkeiten von Femke Stoltenborg als Zuspielerin abschätzen, ich weiß, was Dominika Valachova leisten kann. Mit einer guten Zuspielerin und einer guten Libera ist man weit auf dem richtigen Weg. Karolina Bednarova ist seit Jahren hier, dann braucht man als zweite Außenangreiferin nur noch jemand mit etwas Power. Die Mittelblockerinnen zu finden, war kein großes Problem. Dann ging es nur noch um die Diagonalposition, aber auch da haben wir eine Lösung gefunden. Ich habe meinen Spielerinnen gesagt, Aachen ist Eure Chance.

Der Segen des Erfolgs ist, dass man leichter Spielerinnen für Aachen interessieren kann, der Fluch ist, dass auch das Interesse größerer, finanzstarker Klubs geweckt wird.

Hofland: Die ganze Mannschaft steht im Blickpunkt. Das ist auch für mich schön, weil viele Leute wissen, dass ich meine Spielerinnen gut beraten habe. Jetzt hat zum Beispiel auch Hamburg Gesprächsbedarf angemeldet. Wichtig ist nicht, dass man elf oder zwölf Spielerinnen findet, wichtig ist, dass es gelingt, eine Mannschaft zu bauen. Und das ist in Aachen geschehen. Die Spielerinnen müssen nicht miteinander befreundet sein, aber ein gutes Verhältnis untereinander haben. Man muss sich auch ehrlich die Meinung sagen können. Die Mannschaft spielt immer erwachsener.

Stoltenborg und Yvon Belien haben einen kurzen Weg zur Nationalmannschaft. Ein Vorteil für Aachen?

Hofland: Ein Vorteil für jede Mannschaft, in der die beiden spielen. Die Zwei trainieren auch den gesamten Sommer über miteinander, die Abstimmung zwischen Zuspiel und Mitte ist das Schwierigste, das es gibt im Volleyball. Yvon hatte jetzt zwei, drei Spiele, in denen das nicht mehr so gut funktioniert hat. Aber das gehört zu jeder Karriere, solche Phasen gibt es, und sie kommen immer etwas ungelegen. Aber auf einen kleinen Schritt zurück folgen zwei große Schritte nach vorn, das hat man im ersten Play-off-Spiel gesehen.

Fragt man den Spielerberater Theo Hofland, was er für nächste Saison empfehlen würde, lautet die Antwort? Hofland: Ganz einfach: Festhalten, was da ist, und die Qualität bei den Spielerinnen, die nicht zur Stammformation gehören, noch zu verbessern, um das ganze Niveau weiter anzuheben. Fast alle Positionen sind in Aachen gut bis sehr gut besetzt.

Klingt, als müsste man sich mit dem Spielerberater treffen.

Hofland: Natürlich, aber die Aachener Spielerinnen stehen nach dieser Saison auch im Rampenlicht. Anfragen und Interessenten gibt es genug. Aber die Verantwortlichen müssen nicht traurig sein. Aachen hat bewiesen, eine gute Station in Deutschland zu sein, und wenn eine Spielerin weggeht, wird guter Ersatz kommen. In der Bundesliga geht es nicht um das große Geld, sondern um die Entwicklung der Spielerinnen, und die läuft gut. Zudem ist die Bundesliga für die wirklich talentierten Spielerinnen nicht Endstation.

Die Niederlande bringen viele junge talentierte Spielerinnen hervor…

Hofland: Deutschland aber auch, Lisa Izquierdo etwa, oder auch Laura Weihenmaier. Der Unterschied ist, dass es für die Niederländerinnen viel interessanter ist, ins Ausland zu gehen und etwa in Deutschland zu spielen. Für die deutschen Spielerinnen ist es dagegen gut, im Land zu bleiben.

Wie sehen Sie die Entwicklung, die der Verein in Aachen nehmen kann?

Hofland: Ich hoffe, dass Aachen nächste Saison im Europapokal spielen kann. Man kann dort Geld verdienen, auch wenn einige Klubs davor zurückschrecken. Es fließt kein Geld vom Verband wie in der Fußball-Champions-League, aber man kann viele Leute dafür interessieren, den Verein zu unterstützen.

Also Aachen belegt Ihrer Meinung nach mindestens Platz 3?

Hofland: Nein, Deutschland hat ab der kommenden Saison bis zu fünf internationale Plätze.

Ist Schwerin für Sie immer noch Favorit in den Play-offs?

Hofland: Schwerin hat den Vorteil, dass man weiß, wie heiße Spiele gespielt werden. Nicht nur die Mannschaft, sondern auch das ganze Umfeld. Das muss Aachen noch lernen. Auch wenn Schwerin in der Hauptrunde hinter Aachen gelandet ist, der Unterschied ist: Schwerin muss, Aachen darf. Natürlich hoffen viele, auch das Halbfinale zu erreichen, aber es darf nicht das Denken aufkommen, dass der Erfolg immer wiederholbar ist.

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