Geschäftsführer der Volleyball-Bundesliga von Finanzmisere der „Ladies“ überrascht

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Sieht die Lage nach den Eckdaten nicht kritisch: Klaus-Peter Jung. Foto: Sport/Conny Kurth

Aachen. Den Volleyball-Bundesligisten „Ladies in Black“ Aachen plagen finanzielle Probleme. Zum Auftakt der Spielzeit wurde eine breit angelegte Unterstützungsaktion ins Leben gerufen, um die Saison überhaupt zu Ende spielen zu können. Als Hauptgrund für die Misere führen die Verantwortlichen die steigenden Auflagen und Anforderungen der Liga an. Mit Klaus-Peter Jung, Geschäftsführer der Volleyball-Bundesliga, sprach Roman Sobierajski.

Sind Sie als Liga-Geschäftsführer über die dramatische finanzielle Situation der „Ladies in Black“ im Bilde?

Jung: Das ist bei uns nicht wirklich angekommen. Ich bin insofern informiert, dass ich die Kenndaten aus dem wirtschaftlichen Lizenzierungsverfahren und Ihren Zeitungsartikeln kenne. Ich habe mir zudem die Lage telefonisch von Bastian Heckert, Geschäftsführer der „Ladies“, erläutern lassen. Nach den Eckdaten aus dem Lizenzierungsverfahren ist die Lage aus unserer Sicht nicht kritisch.

Können Sie denn sagen, welche Summen im Raum stehen, wie groß die Finanzlücke ist?

Jung: Man muss das Verfahren erläutern: Im April reichen die Vereine ihre Eckdaten, Haushaltspläne und Budgetierung ein. Die Zahlen werden von einem Wirtschaftsprüfer überprüft. Zum 30. Juni müssen die Klubs dann 50 Prozent ihres Etats nachweisen, zum 30. September 80 Prozent ihrer zu erwartenden Sponsoreneinnahmen. All das hat Aachen erfüllt, den letzten Schritt allerdings mit einwöchiger Verspätung. Das ist der Stand aus dem Lizenzierungsverfahren. Gegenüber Ihrer Zeitung nennt Herr Heckert keine konkreten Zahlen, und wir haben den Verein aufgefordert, zu erläutern, was er anreißt. Etwa, ob zwei Sponsoren weggebrochen sind oder ein Unternehmen insolvent wurde. Es gibt ja keine konkreten Aussagen.

Um so erstaunlicher ist, dass der Hilfeschrei des Vereins, die auf den Weg gebrachte Unterstützungsaktion, zum Beginn einer neuen Saison erfolgt.

Jung: Das hat uns auch sehr gewundert, zumal die Kennzahlen in Ordnung sind, wobei ich von Verlässlichkeit und Ehrlichkeit ausgehe. Ich habe Herrn Heckert gegenüber auch sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, wie verwundert wir sind, dass im Vorfeld keine Kommunikation mit der Liga erfolgt ist.

Aber muss der Verein nicht ohnehin monatlich einen Bericht über die wirtschaftliche Lage vorlegen?

Jung: Aachen muss, wie auch viele andere Vereine, einen monatlichen Liquiditätsnachweis einreichen. Dabei geht es aber um Hilfestellung. Bei Klubs aus der Männerbundesliga wie Bottrop ist wirtschaftlich nicht sauber gearbeitet worden, es soll verhindert werden, dass sich so etwas wiederholt. Aber die Auflage, einen detaillierten Bericht über die wirtschaftliche Situation einzureichen, hat der Verein jetzt bekommen. Die Liga basiert auf einem Solidarprinzip. Sollte Aachen einen Trainer, Spielerinnen und Sportpersonal verpflichten und sich das eigentlich nicht leisten können, würde sich der Verein einen Wettbewerbsvorteil erkaufen. Das wäre nicht o.k.

Das hätte dann Sanktionen durch die Bundesliga zur Folge? Wie würden diese aussehen, und wie wäre der zeitliche Ablauf?

Jung: Es gibt drei Elemente, abhängig von der Schwere des Verstoßes: Geldstrafe, Punktabzug oder Lizenzentzug. Die Aachener haben jetzt sieben Tage Zeit, ihre Stellungnahme einzureichen. Die geht dann an einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer, der seine Beurteilung abgibt, und dann wird die Liga entscheiden, voraussichtlich noch im November.

Fragt man bei den „Ladies in Black“ nach den Ursachen für die Misere, zeigt der Verein mit ausgestrecktem Finger auf die Liga. Die ständig steigenden Auflagen seien nicht zu stemmen.

Jung: Klare Antwort: Aachen ist einer der wenigen Vereine mit den meisten Ausnahmegenehmigungen. Wir haben den Masterplan aufgestellt, um das Verfahren transparent zu machen. Auch mit Stufenregelungen für Aufsteiger. Aber die Aachener betrachten sich nicht als Verein, der schon viele Jahre in der ersten Liga spielt, sondern der PTSV sieht sich als Newcomer, nachdem vor zwei Jahren die Lizenz von Alemannia Aachen übertragen wurde. Mehr als 90 Prozent aller Vereine haben dem Masterplan zugestimmt, auch Aachen.

Eine der Ausnahmegenehmigungen, die Sie ansprechen, betrifft die Halle. Schon in diesem Jahr gibt es Auflagen, etwa, dass keine Play-off-Spiele mehr dort ausgetragen werden dürfen. Nach Aussagen der Verantwortlichen ist das Teil des Pro-blems, weil zusätzliche Kosten entstehen und Einnahmen wegfallen. Kann man davon ausgehen, dass in der kommenden Saison die Auflagen noch steigen?

Jung: Es gibt nur noch zwei Vereine in der Frauenbundesliga, bei denen die Spielstätten nicht adäquat sind. Das sind Suhl und Aachen. Suhl hat die Entwicklung mittlerweile konsequent vorangetrieben, auch mit Unterstützung des Landes. Und dann gibt es noch Aachen, da sehe ich keine Entwicklung. Das ist kein Vorwurf, sondern nur eine Beschreibung des Ist-Zustandes. In letzter Konsequenz kann das bedeuten, dass Aachen in dieser Halle gar nicht mehr Bundesliga spielen kann. Die Aachener zeigen mit dem Finger auf die Liga, meine Lebensphilosophie ist dagegen, erst einmal bei sich selbst nachzuschauen, ob alles gut gemacht und ordentlich ist.

Ist es nicht ein genereller Webfehler des Masterplans, dass die Liga von den Vereinen professionelle Spielstätten fordert, die aber von Dritten finanziert werden müssen?

Jung: Aachen ist ein wichtiger Standort der Bundesliga, der sich aber ertüchtigen muss. In die jetzige Halle bringt man nicht mehr Zuschauer hinein. Jeder Verein präsentiert unsere Sportart, die sich im Wettbewerb mit anderen Top-Sportarten befindet, auch bundesweit. Die Grundentscheidungen zu anderen Hallenstandards sind bereits 2007 getroffen worden. Aber wenn man sich jahrelang nicht bewegt, kommt man eben nicht von der Stelle.

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